Los geht´s

Der letzte Tag hier zu Hause war seltsam. Anfangs sah ich nur all die vielen noch verbleibenden To-Dos, restliche unerledigte Dinge aus dem Büro poppten noch auf, die in Windeseile zu erledigen waren: Zugangsdaten ermitteln, fehlende Rechnungen nachreichen,..all die kleinen Dinge, die ich so sehr im Alltag hasse, so dass ich sie immer wieder aufschiebe. Heute ging es dafür umso schneller und auch gefühlt viel einfacher.

Jeder von uns war sehr mit sich selbst beschäftigt und nahm auf seine eigene Art Abschied. Ich habe festgestellt, dass es da ganz unterschiedliche Phasen gibt, die jeder unterschiedlich intensiv und lange durchlebt.

Die Trance-Phase: man döst sich durch den Abschied durch, versucht zu schlafen und darauf zu warten, dass es eben einfach geschieht. Die

Ich-mache-weiter-als-ob-nichts-wär-Phase: einfach weitermachen mit dem, was man sonst auch immer tut, so als ob nichts wäre.

Die ich-muss-noch-alles-erledigen-und-will-fertig-werden-Phase: ein To-Do nach dem anderen abarbeiten, in der Hoffnung, dass genügend Zeit bleibt, um wirklich ALLE To Dos zu erledigen, was jedoch sehr unrealistisch ist. Diese Phase wechselt je näher der Abschiedszeitpunkt rückt, zur

Oh-Gott-schaffen-wir-das-alles-Phase. Das ist ein diffuses Gefühl von Angst, Loslassen und Ungewissheit.

Dann gibt es noch den ich-freue-mich-total-Phase. Bei ihm überwiegt die Neugierde und Vorfreude, auf all, das, was kommen wird.

Zuletzt gibt es noch den melancholischen Phase, der den Fokus darauf legt, was er alles aufgeben und verlassen wird.

Wenn ich mir die Phasen so anschaue, dann habe ich das Gefühl, dass ich alle Phasen durchlebt habe, abwechselnd und in unterschiedlichen Längen.

Nachmittags hatte ich noch ein Erlebnis der dritten Art. Ich saß auf dem Balkon und blickte in den Garten hinunter, als plötzlich ein apfelgrüner Vogel in Richtung Häuser an mir vorbeiflog. Ich dachte erst, dass ich bereits in Gedanken in Costa Rica sei, denn da war eine echter Papagei an mir vorbeigeflogen! Sachen gibt es!

Ein letzter Rundgang durch Haus, das mittlerweile seltsam leer und hohl klang. Und dann war auch schon ein Freund da, der angeboten hatte, uns mit dem Auto zum Flughafen zu fahren. Was für ein Service! Da unser Gepäck in den letzten 24 Stunden an Gewicht gewonnen hatte, waren wir ganz schön froh, nicht alles alleine schleppen zu müssen.

Wir mussten noch kurzfristig wichtige Dokumente im Büro vorbeibringen. Zum Glück wurden wir bereits so früh abgeholt.

Abschied von Frankfurt: wir standen uns durch den Stau, genossen den Blick auf den Main… Fühlte sich alles so unwirklich an.

Was für ein tolles Abschiedsgeschenk: Flughafenabholservice inklusive netten Gesprächen. Ein schönerer Abschied hätte ich mir nicht vorstellen können. Als wir losfuhren, winkten uns viele Nachbarn zu und wünschten uns nochmals alles Gute. Wie schön sich das anfühlte, zu wissen, dass man in einer so netten Nachbarschaft wohnt.

Ich war echt froh, dass Fachi und später Katrin zum Flughafen kamen. So hatten wir endlich mal wieder genug Zeit zum Reden. Wir hatten uns so viel zu erzählen, dass ich gar nicht merkte, wie lange wir am Check-in warten mussten. Erst als wir die Boardkarten in den Händen hielten, fiel uns auf, dass wir schleunigst zu unserem Gate und durch die Sicherheitskontrollen mussten. So fiel der Abschied kurz und hektisch aus – war mir eigentlich ganz recht, so kam keine wehmütige Stimmung auf.

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