Der Garten Eden: Schokolade und noch viel mehr

An unserem freien Tag sind wir auf die kleine öko Schokoladenfarm von Hermann gefahren und haben dort jede Menge gesehen, gerochen, gefühlt und natürlich geschmeckt. Auf der Ranchilio Raices kann man das alles. Es ist ein Paradies zum Anfassen. Begrüßt wurden wir von Marcos, der uns alles erklärte und recht gut englisch spricht und von Hermann, dem Besitzer der Farm. Sein Großvater hat vor 50 Jahren die Farm gegründet. Eine Farm, so wie wir sie uns vorgestellt haben, ist das nicht. Eher wie ein riesiger Garten Eden, hier wachsen Pflanzen und dort wachsen Pflanzen. Jede Plane hat hier die Möglichkeit zu wachsen und gedeihen ohne in ordentlichen Reihen zu stehen. Wir waren alle vier bezaubert von diesem Ort. Die Kids waren hin und weg, denn gleich am Eingang war eine Babykätzchen, das friedlich in einem Schuh schlummerte, es gab auch einen kleinen Hundewelpen. Im Garten sprangen verschiedene Hühner rum, mehrere Truthähne und in einem kleinen Gatter waren 2 Schweine. Das war bei den Kids das Bauernhoffeeling vollkommen. Während wir über die Vielfalt der Pflanzen und Bäume staunten, waren die Kinder im Bauernhofglück. Zu jeder Pflanze hatte Marcos eine Geschichte. Es gab viele Heilpflanzen, Nutzpflanzen, wie z.B. eine Palme, deren Blätter zusammengeknautscht werden können und die sich wieder ganz normal ausrollt. Diese Blätter werden zum Dachdecken benutzt und halten 10 Jahre lang. Da gibt es auch eine Pflanze, die als Jungpflanze dicke Stacheln hat, um sich vor den gefräßigen Tapiren zu schützen. Wenn sie älter ist und ihre Rinde nicht mehr so zart und anfällig, verliert sie die Stacheln. Staunend wanderten wir von Pflanze zu Pflanze, von Baum zu Baum. Wir bekamen absolut köstliche Litschis zum Probieren: traumhaft lecker. Wir erfuhren, dass Bananen nur einmal in ihrem Leben Früchte tragen und dann absterben. Die Pflanzen bilden seitlich neue, kleine Pflanzen aus, die ausgegraben werden und zu neuen Pflanzen heranwachsen. Der Bananenstamm besteht aus 80% Wasser. Wenn im Frühjahr die Trockenperiode einsetzt, dann werden zersägte Bananenbaumstammstücke auf die Erde gesetzt, damit sie Wasser abgeben können.

Über eine unserer spannendsten Pflanzen haben wir auch viel Interessantes erfahren. Man kann sie ausschütten bzw. auswringen und dann kommt eine seifige Flüssigkeit heraus, die man als Haarspülung nutzen kann. Wir haben sie Shampoo-pflanze getauft. Sieht irre faszinierend aus.

Wir haben jede Menge Tiere gesehen und viel neues erfahren. Zum Beispiel wofür die Blattschneideameisen ihre Blätter brauchen. Nein, nicht zum Fressen. Sie bringen sie in ihren Bau und dort liegen sie eine Weile, bis sich Pilze darauf bilden, die die Ameisen dann essen. Sehr raffiniert.

Nach einer Weile bekamen wir von Herzmann frisches Kokosnusswasser. Herrlich. Die gelben Kokosnüsse schmecken leckerer als die grünen konnten wir feststellen, da wir den direkten Vergleich hatten.

Unsere Jungs waren total von Hermanns riesiger Machete begeistert, die an seinem Gürtel baumelte. Schüchtern fragten sie, o sie sie mal in die Hand nehmen dürften. Mit einem breiten Grinsen gab er den Jungs das kostbare Stück. Dann holte Silas vorsichtig sein Fahrtenmesser, das er bei den Pfadfindern selbst gemacht hat, aus seinem Rucksack hervor und zeigte es Hermann, der wirklich beeindruckt war. Da hatte Silas einen Stein bei ihm im Brett.

Wir haben auch Termittennester in den Bäumen gesehen. Die werden aus Lehm gemacht. Wenn die Nester besonders groß sind, entsteht eine kleine Höhle, in der dann Vögel nisten. Die Vögel leben quasi direkt bei ihrer Nahrungsquelle und können munter draulosfressen, ohne dass es den Termiten an den Kragen geht, denn ein Vogel frisst ca. 1000 Termiten am Tag und eine Termitenkönigin leegt 1 Million Eier in der Woche.

Am Rande der Farm gibt es noch weiteres wildes Land, das von der Farm abgegrenzt und eingezäunt ist. Hier leben viele wilde Tiere: Ozelot, Tapier und Jaguar.

Als wir nach unserer Tour auf der Farm weitergingen, kamen wir zu den Kakaopflanzen. Da die Früchte so schwer sind, wachsen sie direkt am Stamm und nicht an den Ästen. Wir ernteten eine reife Frucht. Sie wurde durchgeschnitten und im Innern war das weiße Fruchtfleisch zu sehen. Es schmeckt säuerlich und lecker. Innen drin sind die Kakaobohnen versteckt. In diesem Zustand haben die Kakaobohnen einen Kakaoanteil von 30%. Durch Fermentierung in einer Holzkiste (also das Fruchtfleisch und die Bohnen) erhöht sich der Kakaoanteil auf 80%.

Wir spazierten noch ein kleines Stück und dann waren wir mitten in einem open Air Bistro gelandet. Es gab Holzbänke, eine Theke und ein paar freundlich lächelnde Frauen, die uns mit einer köstlichen kalten Schokolade empfingen. Dann gab es als kleinen Empfangssnack gekochte Früchte vom Palmherzenbaum mit Mayonaise. Es waren genau die gleichen Früchte, die wir damals in Escazu auf dem Markt gekauft hatten. Schmecken wie Süßkartoffeln und mit der selbstgemachten Mayonaise echt lecker. Anschließend gab einen Teller mit tropischen Früchten aus der Farm. Litschi, Papaya (die erste Papaya, die ich echt superlecker fand), Banane (was für ein Geschmack. So eine leckere Banane habe ich bislang nicht gegessen. Da schmecken die Bananen in Deutschland im Vergleich wie Pappe) und ich traute meinen Augen nicht: ein Stück Ganabana! Ich war vollkommen im Glück. Marcos erzählte uns, wie gesund Ganabana sei. Die gesündestes Frucht überhaupt! Wie schön! Am liebsten würde ich mich nur noch davon ernähren!

In der Mitte des Tellers lag noch ein handgemachter Schokoladenkringel. Sooooowas von lecker.

Während wir das Obst genossen, durften die Jungs im kleinen Bach angeln. Als Köder dienten Papaastücke. Nach 5 Minuten hatte Cayo einen richtig großen Tilapiafisch an der Angel. Die sind gar nicht so harmlos, denn sie haben zum einen richtig scharfe Zähne und oben einen spitzen Stachel, der echt wehtun kann. Nachdem der Fisch wieder ins Wasser zurückgeworfen wurde, war Silas an der Reihe. Es dauerte gar nicht lange und auch Silas hatte einen gefangen.

Hermann hatte richtig Spaß mit den beiden Jungs. Er lieh sich von Silas sein Jojo und war völlig im Glück. Silas nannte er gar nicht bei seinem Namen, sondern nannte ihn Jojo. Mit seinem breiten gutmütigen Grinsen bedankte er sich bei Silas für das Jojo und steckte es in seine Hosentasche. Silas fiel kurz die Kinnlade herunter bis er merkte, dass Hermman nur Spaß gemacht hatte. Mit eiem lauten, herzlichen Lachen gab es Silas sein Jojo zurück.

Dann durften wir selbst Hand anlegen und Schokolade selbst machen. Spannend, lecker und ein echtes Dufterlebnis. Darüber schreibe ich separat.

Wir kauften zum Schluß noch einen 1kg-Schokoladenblock (100% Schokolade) bevor wir völlig beseelt die Farm verließen. Was für ein wundervollen Tag hatten wir hier verbracht. Die Kinder und wir hatten in den vergangenen Stunden so viel erfahren und gelernt, wie schon lange nicht mehr. Ich bin mir sicher, dass sich dieses Wissen sehr tief in unser Gedächtnis eingeprägt hat. So macht lernen Spaß.

Wer mehr über diesen Garten Eden erfahren will: https://www.facebook.com/RanchoRaices/

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