Viele Touristen mieten sich einfach ein Auto – das ist flexibel und sehr bequem. Wir haben in den letzten Wochen hier erfahren, wie es ist, sich ohne eigenes Auto fortzubewegen.
Dazu braucht man am besten viiiiel Zeit und Geduld, Abenteuergeist, Optimismus und Offenheit.
Vom Flughafen aus nahmen wir uns erst einmal ein ganz gewöhnliches Taxis nach Escazu, da es dorthin keinen direkten Bus gab. Etwas klapprig war das Gefährt schon, aber wir passten alle wunderbar hinein und mussten uns auf nichts konzentrieren.
In Escazu haben wir dann die Empfehlung unseres Hostal-Managers befolgt und sind mit Uber zum Busbahnhof gefahren. Eine echt neue Erfahrung. Zum einen wussten wir nicht wirklich, ob die reservierte Fahrt auch wirklich klappen würde, da man normalerweise Uber dann nutzt, wenn man ein Taxi sofort braucht. Wir haben gezittert und dann war das winzige Auto da. Immerhin haben wir gelernt, wie man 5 Personen und jede Menge Gepäck in ein winziges Auto packen kann.
Für die lange Strecke San José – Uvita sind wir mit dem Überlandbus gefahren. Der Busbahnhof war recht modern, es gab sogar freies WLAN und Ladestationen für das Handy. Für umgerechnet 9 Euro pro Nase (es gibt keine Kinderpreise) sind wir dann im klimatisierten Bus ca. 6 Stunden gefahren. Das war recht komfortabel. Das Gepäck wurde unten wie in den Reisebussen üblich verstaut. Da überall in den Reiseführern stand, dass man ja aufpassen sollte, dass das Gepäck nicht während eines Stopps sich selbständig macht, haben wir immer aus dem Fenster geschielt, wenn Leute aus- bzw. einstiegen. Aber das war ganz unbegründet bei dieser Fahrt. Flo hatte zum Glück sich von Google verschiedene Landkarten offline heruntergeladen, so dass wir verfolgen konnten, wo wir uns befanden und die richtige Stelle erkannten, was wir aussteigen mussten. Das ist in Costa Rica echt nicht einfach. Mühselig war es dann die „paar?“ Kilometer vollends in der drückenden Mittagshitze mit vollem Gepäck bis zum Ferienzimmer zurückzulegen. Von Taxi etc. keine Spur.
Für die Fahrt von Uvita nach Mogos hatten wir uns geschworen, dass wir diese Strecke zum Bus nicht mehr zu Fuß gehen wollen. Im Vorfeld hatten wir herausgefunden, dass wir einen billigen Landbus nehmen würden und den Rest der Strecke (ca. 20 km würden wir ein Taxi nehmen). Über unseren Vermieter des Ferienzimmers bekamen wir eine Adresse eines Taxifahrers seines Vertrauens. Er kam etwas verspätet morgens bei uns vorbei – ich und Cayo wurden langsam nervös (typisch deutsch eben)… Er kam jedoch an und entschuldigte sich erst einmal. Ein Liebenswürdiger Herr im mittleren Alter, der uns anstrahlte. Das Auto sah nicht so strahlend aus – der Rost hielt das Nötigste zusammen. Ich war froh, dass die Strecke nicht so lange war. Nachdem er uns abgesetzt hatte und den Motor starten wollte, tat sich nichts. Nach einigen Versuchen sprang der Motor endlich an und der lachende Senior fuhr davon. Ein liebenswerte, netter und offener Typ. Während der kurzen Fahrt erzählte er uns, dass er sieben Kinder hatte und bereits Großvater sei. Cayo konnte es kaum glauben, da der Mann in seinen Augen nicht gerade dem Bild eines Großvaters entsprach.
Nun folgt Lektion 1 beim fahren mit Bussen. Es gibt keinen Fahrplanauskunft oder etwas ähnliches, um festzustellen, ob man ander richtigen Station ist. Da hilft nur fragen. Das Dumme war nur, dass der junge Typ auch nicht wusste, ob es die richtige Station war. Bei jedem Bus sprangen wir also auf und fragten den Busfahrer, ob das der Bus nach Uvita sei. Cayo war bereits völlig entnervt über so viel Chaos. Ich muss auch zugeben, dass es mich echt stört, nicht zu wissen, wann der nächste Bus kommt bzw. ob er denn kommt. Nach einer Weile hatten wir Glück und tatsächlich der Bus fuhr nach Chacarita. Es war ein klappriger weißer Bus – ohne Gepacäraum. Als der Busfahrer unserer Rucksäcke sah, stieg er aus und öffnete den Notausgang, der als Gepäckaufbewahrung diente. Immerhin hatten wir so das Gepäck im Blick. Die Klimaanlage bestand in den geöffneten Fenstern und der offenen Türe neben dem Fahrer. So kam etwas Wind und Durchzug in den Bus. Ich fand es immer wieder faszinierend, dass der Bus mitten am Rande des Regenwaldes hielt und Menschen aus dem Nichts auftauchten, um einzusteigen. Am Ende fing es zu regnen an. Erst dachte ich, wie herrlich, nun wird es etwas kühler. Pustekuchen! Alle Fenster wurden geschlossen und ich fühlte mich wie in einem Gewächshaus.
Sehr unterhaltsam und interessant waren die fliegenden Händler, die am Anfang des Dorfes einstiegen, Chips und andere Sachen verkauften und in der nächsten Station wieder ausstiegen. Unser Bus fuhr nämlich nicht einfach die ausgebaute Hauptstraße entlang, nein – bei fast jedem Dorf bog er ab und einen Abstecher ins Dorf zu machen, Leute aus- und einsteigen zu lassen. Da war mir klar, dass unsere Fahrt etwas länger dauern würde.
In Chacarita bekamen wir gleich ein Taxi, das recht modern aussah, jedoch röhrte wie ein Rennwagen. Und genauso fuhr der Fahrer auch. Hügel hoch, in die Kurve, Hügel runter, nächste Kurve. Ich wusste ja, dass wir viele Schutzengel haben und konzentrierte mich auf die schöne Landschaft.
Lokalbusse: Das ist noch eine weitere Stufe in Richtung Abenteuer. Wir fragten Macho, wo denn die Bushaltestelle für den Bus nach Porto Jimenez sei und er meinte: einfach vor der Türe. Es gibt einen Bus am Tag. Morgens um 8:40 und von Porto Jimenez zurück um 14.00 Uhr. Damit war unser Zeitplan definiert. Pünktlich, um ja nicht zu spät dazustehen warteten wir am Straßenrand. Warten ist eine wichtige Tätigkeit hier in Costa Rica und etwas, was uns vier ungeduldige Wesen in den Wahnsinn treibt. So haben auch wir unsere Herausforderungen und können wachsen. Klar kam der Bus zu spät. Cayo und ich waren bereits etwas genervt, da wir eine Tour auf der Kakaofarm gebucht hatten und nicht zu spät kommen wollten. Im Bus waren wir die einzigen Ausländer. Alle schienen sich im Bus zu kennen und begrüßten sich herzlich. Irgendwie fühlte ich mich wie ein Fremdkörper.
Wir fuhren eine Weile, als der Bus plötzlich wie wild hupte. Lang und vehement. Cayo Blickte aus dem Fenster, um zu schauen, was denn los sei. Dann lachte er lauthals los. „ Mama, Schweine auf der Fahrbahn“. Tatsächlich, da rannten zwei kleine Schweine zu Tode erschrocken vor dem Bus auf der Straße hin- und her und blockierten sie. Ich wusste gar nicht, dass die Tiere so schnell rennen können. Die armen Tiere. Mittlerweile waren alle Leute neugierig geworden, standen auf und schauten aus den Fenstern. Dann endlich drehten die beiden Schweine ab und sprangen zu Seite und wir konnten wieder weiterfahren. Flo verfolgte wieder auf der Landkarte, wo wir aussteigen mussten und fragte nochmals den Busfahrer. Dann waren wir da. Mitten im Nirgendwo. Gutgläubig und all meinen Optimismus in die Hand nehmend (ich konnte ja den Kindern gegenüber nicht sehr skeptisch sein, sonst wären sie nicht weiter gegangen) marschierten wir im Gänsemarsch an der Landstraße entlang. Zum Glück tauchten da tatsächlich zwei Häuser auf. Wir hatten es gefunden. Tausend Dank an Flo und Googlemaps!
Die Enkelin des Farmbesitzers brachte uns zur Bushaltestelle und erzählte, dass die Fahrt, je nach Busfahrer zwischen 1000 und 1500 Colones kosten würde. Da hatten wir ja einen guten Preis mit 1200 Colones bekommen! (1000 Colones sind übrigens ca. 1,50 und die Fahrt dauerte knapp 1,5 Stunden!).
Auf der Rückfahrt war der Bus bereits gut besetzt, so dass ich mich neben eine ältere Indiofrau setzte, die mich gutmütig anlächelte. Nach einer Weile sprach sie mich auf spanisch an. Ich hatte meine Probleme, sie zu verstehen, da sie nicht mehr allzu viele Zähne hatte. In ihrem ausdrucksstarken Gesicht sah ich ihre Lachfältchen und verstand dann endlich, dass sie wissen wollte, woher wir kamen. Es war ein nettes Gespräch, sie erzählte mir von ihren Schmerzen in den Händen und lächelte immer wieder und wieder. Auch wenn ich nur 40% davon verstanden hatte, so haben wir uns doch jeder etwas vom anderen erfahren. Ich fand es sehr berührend, dass ausgerechnet sie auf mich zugegangen ist und mich angesprochen hatte.
Während der Rückfahrt hatten wir dann noch ein weiteres interessantes Erlebnis. Ein Auto fuhr dicht hinter uns, hupend und blickend. Ich dachte erst, dass es die Polizei in Zivil war, als der Bus nach gefühlten Ewigkeiten anhielt, das Auto überholte und sich direkt vor den Bus stellte. Ein junger Mann mit Sonnenbrille, Bart und Stirnband trat heraus. Ich dachte erst, dass unser letztes Stündlein geschlagen hätte und nun der Bus überfallen werden würde. Aber die Leute um uns herum (interessanterweise waren 90% der Leute genau die selben wie auf der Hinfahrt) waren recht ruhig. Dann machte es klick, als eine dunkelbraune Schönheit mit einem kurzen weißen Kleidchen in den Bus stieg und sich von ihrem Lover verabschiedete, der mit heulendem Motor losfuhr. Die Schönheit zahlte natürlich nicht und der Bus hielt nach ca. 30 Minuten vor einem Laden, ließ die Schönheit aussteigen, die hineinging und ihre Tüte dort ablieferte, um dann wieder einzusteigen.