Von Nirgendwo ans Ende der Welt

Die Fahrt von Mirador de Osa nach Drake Bay war mehr als abententeurlich. Nachdem wir uns von Macho verabschiedet hatten, gab er uns noch einen Sack Reis, eine große Tüte Lebensmittel und ein Handy mit, das wir mit in den Dschungel mitnehmen sollten. Wir fuhren zuerst mit dem Bus in Richtung Puerto Jimenez. Wir kamen uns wie Einheimische vor, denn jeder hier hate irgendwie Lebensmittel zu transportieren. In Rincon stiegen wir aus, besser gesagt, mitten an der Straße im Nichts.Um die Ecke entdeckten wir glücklicherweise eine Art Bar, zu der wir unser ganzes Gepäck plus die Lebensmittel schleppten. Es hatte sogar geöffnet und wir freuten uns über einen Ginger Ale. Als wir sagten, dass wir nach Drake wollte, meinte die Dame nur, „oh, heute fährt da gar kein Bus hin“. Schöne Nachrichten. Macho hatte gestern jedoch nochmals mit dem Busfahrer telefoniert und meinte, dass es einen Bus geben würde. Nachdem wir 2 Stunden Pause hatten, marscherten wir zur Bushatestelle und warteten wieder. Ich habe das GEfühl, dass eine unserer Haupttätigkeiten in Costa Rica aus Warten bestand…. Etwas mulmig wurde mir schon, als ich mir die Straße bzw. den Schotterweg anschaute. Das konnte ja heiter werden. Uns so saßen wir zu viert mitten im Nichts und um uns die Zeit zu vertreiben spielten wir „wer wird Millionär“. Als eine Frau mit viel Gepäck undeinem Karton in der Hand auftauchte, freute ich mich rieisig. Scheint s,o, als ob heute doch ein Bus fahren würde. Ich fragete gleich nach und war froh, als sie meinte, dass sie auch auf den Bus wartet. Cayo beäugte den Pappkarton neugierig, da er sich bewegte und ein Zschilpen zu hören war. Ich fragte die Frau, was da denn drin sei. „Küken“. Sie streute etwas Futter auf den Boden, dann eine kleine Plastikkappe, die sie mit Wasser füllte und öffnete den Karton. Ein Kükennach dem anderen nach sie heraus und setzte sie auf denBoden. Die Jungs waren Fwuer und Flamme; fütterten die Küken und waren im Glück. Wir auch – jetzt gab es keun rumgemoser mehr, wann denn endlich der Bus kommt. Als der Bus um die Ecke fuhr, wusste ich nicht ob ich weinen oder lachen sollte. Er war schon mehr als alt. Ein 30 Sitzer, bei dem an manchen Fenstern die Scheiben fehlten. Er würde in Deutschland mit Sicherheit als Oldtimer durchgehen. Nachdem das Gepäck im Bus verteilt war – zum Glück saßen kaum Leute drin und die Kids sich einen Fensterplatz (ohne Scheibe) gesichert hatten, ging es los. Ich atmete tief durch und hoffte, dass alles gut gehen würde. Das erste Schlagloch und wir schossen alle in die Höhe. Die Kids quiekten vor Freude. Viel besser als bei der Dippemess. Das konnte ja heiter werden. Da die Straße sehr schlecht war, konnten wir nur im Schnekcentempo vorankommen. Das war unser Glück. So machten mir die schlchten Wege gar nichts aus bzgl. dem Übelwerden. Die Straße wurde immer schmaler und bald hatte ich das GEfühl, auf einer Safari durch den Dschungel gelandet zu sein. Immer wieder glaubte ich, dass der Bus den Berg nicht hochschaffen würde, zum Glück bewies er uns das Gegenteil. Die Landschaft war atemberraubend. Immer wieder mussten die Kinder ihre Köpfe einziehen, da die Äste in den Bus peitschten. Der Busfahrer war ein junger Kerl, der total entspannt durch die Gegend fuhr. Einmal hiert er an, so dass wir am Wegesrand den Nasenbären, der dort gerade entlanglief, sehen konnten. Immer wieder mussten wir durch Flussläufe hindurchfahren. Ich war wirklich beeindruckt, was dieses alte Gefährt alles konnte. Cayo meinte, dass dies die beste Busfahrt seines Lebens war. In dieser Hinsicht kann ich nur sagen, dass es für mich die interessanteste und aufregendste Busfahrt bislang war. Einmal hielt der Busfahrer mitten im Fluss an, den wir durchquerten, um nach einem Tier zu sehen, das jedoch leider schon verschwunden war. Ich dachte schon, der Bus wäre stecken geblieben. Irgendwann im Nirgendwo hielt der Bus an und 3 jungen Amerikanerinnen stiegen zu., Eine mit einem riesigen Koffer. Das fand ich recht überraschend. Wir fuhren dann zu einer Art Parkplatz und dachten schon, wir wären da. Als eine der amerikanerinnen mit dem Koffer ausstieg und der Busfahrer uns sagte, dass dies der Flugplatz wäre. Das war der winzigste Flugplatz, den ich bisher in meinem Leben gesehen habe. Hier fliegt einmal am Tag eine Maschine nach San Jose. Und weiter ging es. Wir kamen dann nach Drake. Dort gibt es immerhin einen kleinen Minisupermarkt und ein paar Restaurants. Wir fuhren bis zur Endstation, genau vor Emilios Haus. Er begrüßte uns und wir schauten, welche Rucksäcke wir bei ihm lassen konnten, damit wir nicht alles in den Urwald schleppen mussten. Nachdem wir unsere Gummistiefel bekommen hatten, wurde die beiden verbleibenden großen Rucksäcke auf ein Quad gespannt, das das Gepäck später nachfahren würde. Die kleinen Rucksäcke hatten wir mit Regenschutz versehen und auf den Rücken genommen. Ein junger Typ, der auch im Dschungelcamp wohnt, begleitete uns auf dem Weg. Es ging die ganze Zeit den Berg hoch, raus aus dem Dorf und dann auf matschigen Pfaden entlang. An einer Stelle ging es dann steil bergab immer tiefer und tiefer in den Regenwald hinein. Wir sahen ein Arapaar im Baum sitzen. Wunderschön. Zweimal mussten wir durch einen Fluss. Da unsere Gummistiefel nicht hoch genug waren, lief das Wasser hinein. Beim zweiten Fluss, der wirklich tief war, zogen wir dann unsere Stiefel aus und nahmen sie in die Hand. Mir war wirklich mulmig zumute, denn ich hatte den Technikrucksack auf, der wie der Name schon sagt, alles an technischem Gerät, was wir haben, beinhaltet. Was ist, wenn ich beim Durchwaten hinfalle? Das Wasser reichte mir über den Oberschenkel (ich war sehr froh, dass ich für die Fahrt eine kurze Hose angezogen hatte), so dass meine Hose nur zum Teil nass wurde. Eine Zeitlang fragte ich mich ernsthaft, ob das so eine gute Idee gewesen war, hierher zu kommen. Was würde uns erwarten? Müde und erschöpft kamen wir schließlich im Camp an. Es ist ein echtes Dschungelcamp. Auf einer Holzplattform mitten im Regenwald gebaut und oben drüber gibt es ein Wellblechdach. Auf der Plattform sind Zelte aufgestellt, es gibt sogar eine Feldküche und unter der Plattform sogar eine echte Toilette. Bei der Ankunft war ich mir noch nicht so sicher, ob ich das alles so toll finden sollte. Wir wurden instruiert, außerhalb der Plattform immer die Gummistiefel zu tragen, da es Schlangen und Spinnen gibt. Im Dunkeln hier nicht alleine rumlaufen, es gibt Pumas und andere Tiere, die gefährlich sein könnten. Strom wird hier durch Solarzellen erzeugt, daher sollten wir wenn möglich nur tagsüber Strom verbrauchen, wie Netbook oder Handy aufladen.

Nach dieser Reise hatte ich auch gar nicht mehr das Bedürfnis, wieder von der Plattform zu kommen. Wir bauten das Zelt auf und Flo und die beiden Jungs, die im Camp hier wohnen, holten die Rucksaäcke und das andere Gepäck. Cayo und Silas schnappten sich gleich eine der Hängematten und genossen das neue Urwald-Feeling. Wir waren alle ziemlich geschafft. Cayo schlief um 16.00 Uhr selig in der Hängematte ein Wir legten noch ein Moskitonetz über ihn. (Cayo meinte am nächsten Morgen, er hätte nie so entspannt wie in der Hängematte geschlafen).

Als wir Dunkeln einen Toilettengang machten, hüpfte ein riesiger Frosch an uns vorbei. Auch ich war kurz nach 18.00 Uhr im Zelt. Der starke Regen, die Blitze, das laute Zirpen der Grillen und all die anderen Dschungelgeräusche hielten mich nicht davon ab, in einen tiefen Schlaf zu fallen.

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