Abschied vom Regenwald

Nach der Nacht mit der Schlange, die sich unter der Plattform eingenistet hatte, waren wir zum einen wieder froh, in die Zivilisation zu kommen, andererseits haben wir alle Herso wirklich sehr ins Herz geschlossen. Und so fiel uns der Abschied doch sehr schwer. Wir machten zum Abschied deutsche Pfannkuchen, nachdem Herso die ganze Zeit über die amerikanischen Pancakes aus der Fertigmischung für sich zum Frühstück gemacht hatte und alberten nochmals ausgelassen herum. Um uns zum Dorf begleiten zu können, hatte er extra seinen Schwager engagiert, zu kommen, da die Plattform nicht unbeaufsichtigt gelassen werden durfte. Cayo hatte ein Bild für Herso gemalt und wir hatten ihm einen langen Dankesbrief geschrieben. Zum Abschied schenkten wir ihm den Weltempfänger, den wir auf unserer Reise nicht verwenden konnten. Wir hatten einmal ausprobiert und Herso war begeistert über den tollen Empfang des Radios. Wir denken, dass er bei Herso in guten Händen ist und ihm viel Freude bereiten wird. Er war ganz gerührt und schenkte den Jungs im Gegenzug eine Angelschnur.

Als es dann Zeit zum Aufbruch wurde, war ich doch nervös. Ich wollte lieber etwas früher losgehen, schließlich hatten wir Gepäck und ich wollte für den Bus pünktlich sein. Herso meinte, dass wir das locker in langsamem Tempo in 20 Minuten schaffen. Ich meinte nur, dass sein langsam und mein langsam sich doch etwas unterschieden würden. Ich schaute immer wieder mal auf die Uhr und stellte fest, dass wir doch mehr Zeit brauchten als die 20 Minuten. Im gefühlten Schweins galopp marschierten wir die rutschigen Stufen nach oben und dann zum Dorf.

Herso nahm sich einen der beiden Rucksäcke auf die Schultern. Den anderen Rucksack hatte Kenneth bereits am Morgen mitgenommen, als er ins Dorf ging. Flo und ich hatten also „nur“ noch die kleinen Rucksäcke zu tragen.

20 Minuten vor Abfahrt des Buses kamen wir an. Ups, ich war fix und foxi. Einer der Arbeiter bei Emilio meinte ganz gelassen, dass der Bus erst um 13.30 Uhr fahren würde, wenn er denn fährt. Und so hatten wir nochmals 30 Minuten gewonnen. Der Abschied fiel uns allen nicht leicht. Herso ist in der Zeit für uns wie ein Ziehsohn geworden und für die Kids, eine wunderbarer großer Bruder. Wir würden ihn so gerne dabei unterstützen, dass er sich hier im Regenwald eine Zukunft aufbaut. Aus der Ferne ist das nur sehr schwer möglich. Wir können nur hoffen, dass er an seinem Traum dranbleibt und alles gut für ihn läuft und wir ihn irgendwann einmal wieder sehen. Vielleicht sogar in Deutschland!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert