Als wir völlig abgehetzt bei Emilio ankamen, um ja den Bus rechtzeitig zu bekommen, hieß es zuerst, dass der Bus erst 30 Minuten später abfahren würde. Wir hatten uns von Herso verabschiedet und fragten nochmals nach, ob der Bus wirklich abfahren würde. „So wie es die letzte Nacht geregnet hat, kann es problematisch werden, „ war die Antwort. Dann Rief Eric beim Busfahrer an und brachte uns schlechte Nachrichten. Der Bus kommt zwar heute noch hier an aber er fährt nicht mehr zurück, das Wasser im Fluss ist zu tief. Der nächste Bus fährt, wenn er fahren kann, erst wieder um 4.00 Uhr morgens. Tolle Aussichten! Wir fragten Emilio, ob wir an der Rezeption auf den Nachtbus warten könnten. Wir bekamen sogar ein Zimmer zur Verfügung gestellt, wo wir übernachten konnten. Als erstes brachten wir unser Gepäck ins Zimmer und gönnten uns in der Eisdiele ein Eis. Wie herrlich war das. Zum Abschied gab es noch Kapuzineraffen im Baum und noch eine Eidechse, die die Kinder Ewigkeiten auf der Hand hielten. Wir kauften nochmals in der Fruteria und im Supermarkt ein, um dann noch etwas Zeit am Strand zu verbringen. Bevor es Dunkel wurde, waren wir im Zimmer und genossen die neue Zivilisation: es gab einen Ventilator und WLAN. Jeder von uns Vieren saß vor seinem Handy oder Netbook und surfte, lud Ebooks herunter oder kommunizierte mit der Welt. Wir telefonierten auch ein wenig, da die Verbindung einfach sensationell war. Durch die Zeitverschiebung erwischten wir um 3.30 morgens bei uns unser Team nachmittags im Büro. Das war auch mal schön, wieder so direkt zu kommunizieren. Um 3.00 Uhr weckten wir die Kids, die sich problemlos anzogen, ihren Rucksack packten und in die Nacht hinaus wanderten. Flo und ich waren begeistert, wie gut sie mitmachten und diese so unvorhergesehene Zeit hinnahmen. Ich zitterte ein wenig und hoffte inständig, dass der Bus um 4.00 Uhr auch fahren möge. Es war feucht heiß, ich sehnte mich nach einer Dusche und Wechselklamotten und wieder etwas mehr Zivilisation. Zum Glück wollten wir ursprünglich in Puerto Jimenez übernachten, um dann den Mietwagen abzuholen. Wie gut, dass wir einen Tag Puffer eingeplant hatten.
Als wir in die warme Nacht mit all unseren Habseligkeiten gingen, fiel mir der wahnsinnige Sternenhimmel auf. Wir waren direkt am Strand von Drake Bay und es war hier wirklich dunkel – so richtig dunkel. Viele, viele kleine Sterne standen am Himmel, faszinierend, dazu das Rauschen des Meeres und das Zirpen der Zikaden. Ein letztes Mal Dschungel zum Abschied. An der Bushaltestelle stand bereits ein spanisches Pärchen, immerhin ein erstes Zeichen dafür, dass der Bus fahren könnte. Und dann kam er. Selten waren wir alle so glücklich beim Anblick eines alten, verrosteten Buses! Ich fragte mich innerlich, wie wir in der dunklen Nacht durch den Dschungel und die Flüsse kommen würden. Vielleicht war es ja auch besser, wenn ich nicht allzu viel sah. Die Jungs sicherten sich wieder die Fensterplätze ohne Glasscheibe und genossen das Abenteuer. Recht bald waren sie aber zu müde und erschöpft und kuschelten sich schlafend an uns. Der Bus wurde mit jeder Haltestelle voller und voller. Es schien fast so, als ob der ganze Regenwald nachts auf den Beinen wäre. Und dann mussten die Menschen im Bus stehen. Ich frage mich, wie sie sich bei all dem Gehoppel festhalten konnten und war sehr froh über unseren Sitzplatz. In Palma mussten wir umsteigen. Da wir so viel Gepäck hatten, dauerte es eine ganze Weile. Zum Glück wies uns der Busfahrer darauf hin, dass der Bus nebenan gekommen war und wir uns beeilen sollten. Silay und Cayo rannten zum anderen Bus, damit er auf uns wartete, während Flo beim Dschungelbus zahlte und wir dann das Gepäck zum Bus schleiften. Was für eine Umsteigeaktion. Nun waren die Straßen wieder befestigt und der Bus eine Ecke größer: der absolute Luxus.
In Puerto Jimenez stiegen wir aus und setzten uns ins nächste Café.