Den ersten Tag hier haben wir gleich dazu genutzt, um ins „echte“ Alltagsleben der Menschen hier zu tauchen. Flo hat zufällig über Google entdeckt, dass direkt im ehemaligen Olympiastadion in 90 Minuten ein Fußballspiel startet. Von unserem Fenster aus sahen wir bereits die Polizisten (auch beritten) und jede Menge Fans. Für uns war klar, wir wollen das live erleben. Also in Windeseile gefrühstückt und dann los zum Stadion. Tickets kauften wir von einer Dame, die vor dem Stadion stand. Dann ging es los. Am Eingang gab es eine Kontrolle der Fans. Das Stadion ist recht heruntergekommen, vom alten Glanz aus den 50er Jahren ist nicht mehr viel übrig geblieben.
Die Stimmung war grandios. Überall rannten Menschen herum, bepackt mit Körben, Schachteln, Tiefkühltaschen und boten ihre Waren feil. Bzw. vielmehr so wie im Fischmarkt in Hamburg. Jeder schrie was das Zeug hielt und ging unentwegt durch die Reihen. Außer jeder Menge an Essen gab es noch Käppis, Seifenblasen, Fanarmbänder und sonst noch alles mögliche. Für Cayo war es sehr wichtig, zu wissen, für welche Mannschaft wir sind. Das war recht schnell klar. Für Barcelona (die Gelben), denn wir hatten uns in ihrer Fankurve niedergelassen. Links von uns standen die Ultras und um uns herum war alles vertreten: Alte, Junge, Pärchen, Familien, so einen deutlichen Männerüberhang wie in den deutschen Stadien gab es hier weniger.
Cayo identifizierte sich völlig mit den Fans und regte sich ziemlich über die nicht nachvollziehbaren Entscheidungen des Schiedsrichters auf. Die Reihe, die vor uns saß, drehte sich ständig nach Cayo um, der auf Deutsch vor sich hinschimpfte. Ich glaube, er hat durch seine Begeisterung die Herzen der Leute erobert. Die waren ganz hingerissen darüber, wie emotional Cayo sich verhielt. Die Stimmung war super, die Fans sangen, klatschten, riefen, …. immer wieder, liefen die Verkäufer durch die Reihen und verdeckten uns die Sicht ( vor allem, wenn es spannend wurde).
Zur Halbzeit testeten wir auch etwas zu Essen: Kartoffeln mit Fleisch und scharfer Sauce. Flo fand es lecker, ich mochte es nicht wirklich. Eine neue Geschmackserfahrung mehr.
Die Gelben lagen 0:2 zurück, dann wurde es spannend und die Stimmung im Stadion stieg. 1:2 und am Ende durch einen Elfmeter das 2:2. Die Leute tobten und wir waren mittendrin. Für Cayo war die Welt wieder in Ordnung.
Das Stadion leerte sich danach sehr schnell. Es war nicht so, wie in Deutschland, dass die Spieler dann noch zu den Fans an die Bande kommen. Wir warteten noch ein Weilchen und sahen, dass ein kleiner Junge die ganzen Reihen entlanglief und leere Flaschen einsammelte. Wahrscheinlich wollte er sich mit dem Pfand sein Taschengeld aufbessern. Silas und Cayo sammelten fleißig mit und gaben die Flaschen dem Jungen, der über das ganze Gesicht strahlte. Am Ende hatten sie 3 große Müllsäcke voll gesammelt. Das war wohl die größte Ausbeute, die er je hatte. „Gracias, gracias“ lächelte er die Jungs an. Nachdem ich bislang erst einmal in meinem Leben im Stadion war und mir geschworen hatte, dass ich so schnell nicht mehr dabei sein muss, war dies eine richtig tolle Erfahrung.