Mit unseren Rädern ging es dann los. Unser Ziel war der Playa el Garrapatero, der 12km von Puerto Ayora entfernt liegt. Die ersten Kilometer waren mehr als mühselig. Es ging nur bergauf, die Sonne brannte auf uns nieder und mein Sattel fühlte sich an, als ob er aus Stahl wäre. Ich haderte sehr mit mir und fand die Idee, mit dem Rad dorthin zufahren mehr als bescheiden. Nach dem ersten Viertel und vielen Pausen hielten wir Kriegsrat. Was tun? Umkehren? Taxi nehmen? Wir beschlossen gemeinsam, dass wir die 12 km schaffen werden und uns als Belohnung ein Taxi nach Hause nehmen. Mit dieser Lösung in der Tasche ging es dann auch etwas leichter. Ich hatte mich zwischenzeitlich mit der Schaltung angefreundet, sehr hilfreich, wenn es bergig ist. Nach dem ersten Drittel bzw. der Hälfte hatte ich mich gefangen und konnte auch die sagenhafte Landschaft genießen. Nachdem wir von der Hauptstraße abgebogen waren, wurde es wirklich sehr einsam. Viel mehr Vögel waren zu sehen, wir fuhren an kleinen Kaffeeplantagen vorbei und ab und zu waren ein paar Kühe zu sehen. Die Kids fuhren voraus und warteten immer mal wieder auf ihre abgeschlagene Mutter und Flo, der freundlicherweise bei mir blieb.
Mitten auf der Straße rauschten dann auf ein Mal eine Gruppe Jugendlicher in einem affenzahn auf dem Fahrrad vorbei. Eine Jugendgruppe trainierte an den Hügeln Radfahren. Die beiden Trainer hatten einfach mit Hütchen die Straße abgesperrt und in eine Trainingszone verwandelt. Der Trainer wies uns an, rechts zu fahren (ein weiser Rat, denn schon kam die nächste Gruppe angerast). Ich war schwer beeindruckt, wie die Jugendlichen und Kids nicht nur den Berg runterrasten, sondern auch zügig wieder hochstrampelten.
Nach Weile kamen die Kinder, die wir seit geraumer Zeit nicht mehr gesehen hatten, (das war jedoch kein Problem, es gab nur diese eine Straße) um die Ecke auf uns zugerannt. Sie waren ganz aufgeregt. „Papa, Mama, wir haben eine Schildkröte entdeckt – mitten auf der Straße! Nicht dass ihr sie überfahrt! “ Während wir zur Schildkröte fuhren, erzählten sie uns, dass sie die Schildkröte Max getauft hatten. Tatsächlich, am Straßenrand war sie. Mit freundlichen Augen schaute sie uns an. Wir waren hellauf begeistert. Unbeirrt kroch sie einfach weiter. Ich war überrascht, wie schnell sie sich bewegte. Nach dem Fotoshooting bog sie dann links ab, mitten ins Gebüsch und bahnte sich ihren Weg.

Nach diesem sensationellen Fund hatten wir alle wieder Kraft zum Radeln.
Bald hatten wir den höchsten Punkt erreicht und dann hieß es genießen. Es ging gaaanz schön die Berge runter. Ich bremste immer während die Kids und Flo im Geschwindigkeitsrausch waren. Anfangs dachte ich beim Bergabfahren, dass mich gleich ein Auto überholen würde, da es so laut war. Dann bemerkte ich, dass der Lärm von meinen Reifen kam. Irgendwann gewöhnte ich mich auch an den Lärm und hatte nur noch Augen für die gigantische Landschaft vor mir. Ein silberner Wald aus Büschen und dazwischen riesige Kakteen und im Hintergrund das türkisfarbene Meer. Ich bekam Gänsehaut (nicht nur vom Fahrtwind) sondern auch von dieser unglaublich schönen Natur. Wie auf einem anderen Planeten.
Am Strand mussten wir uns wieder eintragen (und anschließend austragen). Die Jungs stürzten sich sofort auf den weißen Pudersand und wappneten sich gleich für eine Sandball-Schlacht. Dazu baut jeder von den beiden eine Schutzmauer und natürlich viele, viele Sandbälle. Flo zog gleich zum Schnorcheln los und ich genoss einfach dieses Fleckchen Erde.

Ich beobachtete, wie die Pelikane fischten: ein richtiges Spektakel, wie sie ins Meer hinabstürzten.
Silas und Cayo spielten mit ihren Diabolos am Strand, so hatte jeder von uns Zeit, sich ein wenig zurückzuziehen.

Da das Wasser hier in der Bucht richtig warm war, wagte ich es dann auch, zu schnorcheln. Entlang der Lavafelsen gab es jede Menge Fische, viele davon waren „Tigerentenfische“ , wie wir sie nennen, weil sie schwarz-gelb gestreift sind.
Während unserem Picknick (Cayo hatte morgens für alle den Sandwichmaker angeschmissen und jede Menge Sandwiches gemacht) scharten sich viele Finken um uns, um etwas von den Krümeln abzubekommen. Sie wurden ganz frech und hüpften auf die Decke, auf unsere Beine und Bauch und Flo und Cayo sogar auf die Kekse, die sie gerade in der Hand hielten.
Nachdem wir für den Hinweg 2,5 Stunden gebraucht hatten, verlief der Rückweg umso schneller. Wir fanden auch gleich am Ausgang einen Taxifahrer, der unsere Räder auf der Pritsche hinten mitnahm. Der Taxifahrer drehte die Musik auf und raste los. Das 50km Schild schien er nicht wahrzunehmen, denn die Tachonadel erreichte fast die 100. Mit fast hundert Sachen ging es nun die Hügel rauf und runter. Ich war froh, dass wir auf der Hinfahrt mit dem Rad gefahren waren, so konnten wir die Landschaft so richtig genießen und auch mal anhalten. Ich will gar nicht wissen, was passiert wäre, wenn ihm Max begegnet wäre. So schnell kann auch eine Schildkröte nicht ausweichen. Nach 12 Minuten waren wir wieder in Puerto Ayora und froh, heil angekommen zu sein. Flo entdeckte, dass sein Hinterreifen völlig platt war. Bei der Fahrradvermietung wurde der Reifen gleich ruck-zuck geflickt, ohne das Rad auszubauen. Flo war sichtlich beeindruckt, wie schnell das Rad repariert wurde. Er hatte sich gleich 3 dicke Dornen in den Reifen gefahren.