Die Geschichte vom einsamen George

ist eine Geschichte ohne Happy End. Aber fangen wir mal von Vorne an. George wurde 1971 auf der Insel Pinta entdeckt. Als letzter Vertreter seiner Unterart wurde er zur Darwin Station gebracht und bekam den Namen Lonesame George (der einsame George). Seine Artgenossen waren über viele Jahrzehnte von den Seefahrern als Nahrung gefangen und fast ausgerottet.

Man hatte die Hoffnung, dass er mit Weibchen einer Unterart Nachkommen zeugen konnte. Dafür wurde sehr viel Geld investiert. Leider vergeblich. 2012 starb er mit ca. 100 Jahren an Herzversagen. Es entbrannte eine große Diskussion. Was sollte mit ihm geschehen? Sollte er präpariert und der Öffentlichkeit gezeigt werden? Die Kosten dafür betrugen über 1 Million Dollar. Oder sollte das Geld für die Unterstützung der noch lebenden Schildkröten verwendet werden? Die Entscheidung fiel: George kam nach New York ins Naturkundemuseum, um dort einbalsamiert zu werden. Er sollte als Mahnmal dafür stehen, wie fragil die Natur ist und wie schnell eine Tierart von der Erde verschwinden kann. Somit Wurde der Lonesame George zur Ikone des Umweltschutzes.

Die Einbalsamierung war ein großes und lange andauerndes Projekt. Nachdem George nach 2 Jahren fertig präpariert war, wurde er erst einmal für 2 Jahre im Museum in New York ausgestellt, bevor in seine Heimat zurück kommen konnte. Mit einer Militärmaschine aus Ecuador wurde er zurück geflogen. Seit 2017 ist nun George für die Öffentlichkeit sichtbar. Nur für ihn, wurde ein kleiner Pavillon gebaut, direkt vor seinem Gehege, in dem er gelebt hatte. Im klimatisierten Pavillon steht er nun hinter Glas und schaut die Besucher an.

Bevor man zu George kann, muss man erst einmal in einen Vorraum, um sich an die Kälte zu gewöhnen. Nach 2 Minuten kommt man dann in den auf 19 Grad kühlen Pavillon. Majestätisch sieht er aus und auch ein wenig traurig, so hinter Glas und um den Glaskasten ist eine weiße Linie, die man nicht übertreten darf. Nach maximal 6 Minuten wird die Besuchergruppe wieder nach draußen gebracht, um Platz für die nächsten zu machen. Dann wartet man wieder im Vorraum, um sich an die Wärme draußen zu gewöhnen. Eine komische Gefühl-Mixtur war das, als ich wieder „draußen“ war: traurig, wehmütig, machtlos, wütend.

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