Der beste Tag in meinem Leben

… das war das Fazit von Cayo als wir von unserer Schnorcheltour zurückfuhren. Ich habe es ja nicht so mit Superlativen, dieser Tag war ein Tag, der mich voll und ganz beseelt hat und unvergesslich schön bleiben wird. Ich bin noch immer ganz geflasht über so viele Wunder, die ich alle nacheinander und gleichzeitig gesehen habe. Die eine Stunde mit dem Boot habe ich soweit gut überstanden, dann landeten wir in unserer ersten Station. Zwei neugierige Seelöwen schwammen uns entgegen, um uns zu begrüßen. Wir gingen erst einmal an Land und konnten auf der Sandbucht ein paar schlafende Seelöwen betrachten. Sind schon ulkige Tiere mit ihren großen dunklen Augen. Weiter ging es zu den Lavafelsen, auf denen hunderte von Iguanas lagen. Unser Guide ging einfach so zwischen den Tieren durch, die teilweise übereinander lagen, um sich zu wärmen, dazwischen gab es jede Menge kleiner Baby-Iguanas, die tollpatschig über alle Erwachsen drüber liefen. Da die Iguanas genaus schwarz wie die Lavafelsen sind, musste ich höllisch aufpassen, dass ich nicht auf einen getreten bin. Für mich war das eine echte Überwindung so ca. 10 cm entfernt von den Tieren durchzugehen. Ich habe doch Respekt vor den Tieren, vor allem vor den riesigen Männchen, die ihre Farbe von Schwarz auf Rot gewechselt haben. Mantraartig sagte ich mir immer vor, dass diese Tiere nur Algen fressen und mir nichts anhaben können. Dann ich ich mutig den anderen hinterher.

Mein Mut hatte sich gelohnt. Auf einem der Felsen lag ein winziges Seelöwenbaby, daneben die Mutter. Es bewegte sich nicht und Krabben knabberten an ihm herum. Ich dachte erst, dass das Baby gestorben wäre. Unser Guide sagte uns jedoch, dass das Baby gerade auf die Welt gekommen ist und die Krabben die Nabelschnur und die Nachgeburt fressen würden. Das Kleine liegt einen Tag auf dem Felsen, dann geht es ins Wasser. Ich war fasziniert, dass wir das Glück hatten, so ein Ereignis miterleben zu dürfen. Das kann man gar nicht so in Worte fassen.

Anschließend durften wir dann schnorcheln. Ich war gottfroh über die langen Neoprenanzüge, denn das Wasser war echt kalt. Und ich weiß nun auch, warum ich bislang beim Schnorcheln keine so große Ausdauer zeigte, das Wasser war mir schlichtweg zu kalt. Kneipen ja – aber schnorchel-kneipen ist mir dann doch zu hardcore.

Gleich zu Beginn hatten wir das erste Highlight. Ich schwamm so im Wasser in Richtung der Seelöwen, als einer direkt unter mir durchschwamm und dann auf mich zukam. Riesige dunkle Kulleraugen schauten mich neugierig an. Wahnsinn, war das ein Spaß, mit ihm zu schwimmen. Immer wieder machte er Kapriolen und schwamm dann wieder auf einen zu. Ein wenig später kamen dann noch 3 andere dazu. Dann fingen sie an, sich gegenseitig zu jagen und miteinander zu spielen und wir waren mitten drin. Der blanke Wahnsinn – das hat so richtig Spaß gemacht.

Ich war so von den Seelöwen fasziniert, dass ich gar nicht bemerkt hatte, wie ein Hai an mir vorbei schwamm. Die sind ganz harmlos, sagte ich mir und atmete durch. Dann kam auch schon das nächste Highlight. Sandro, unser Guide hatte auf dem Meeresboden einen riesigen Rochen entdeckt, der schlief. Was für ein riesiges Tier! Ganz ehrfürchtig sah ich nach unten und war wenn ich ehrlich bin, ganz froh, dass er da unten lag und schlief. Sandro meinte, dass wir echt Glück haben, ein so großes Tier hier zu sehen.

Die Kinder und Flo hatten dann eine Meeresschildkröte gesehen. Ich wusste gar nicht, dass die sooo groß werden können. Die war bestimmt um die 2 Meter groß und saß am Meeresboden. Da war es wieder, das Gefühl der Demut vor der Schöpfung. Ein seltsames Kribbeln im Bauch und dazu das Gefühl von Dankbarkeit.

Irgendwann schwamm die Gruppe weiter und ich musste der großen sanften Schildkröte aus Wiedersehen sagen. Ich hatte immer noch Gänsehaut (jedoch nicht vom kalten Wasser) als ich mich mitten in einem Schwarm von vielen silbrigen kleinen Fischen befand. Ich hätte endlos so schwimmen können, als Teil eines großen Ganzen, sich einfach so treiben lassen. Dann kam ein anderer Schwarm von Fischen, größere, schwarze mit einem organgenen Streifen. Ich dachte, dass ich in eine schwarze Wolke hineinschwimmen würde. Und dann waren da plötzlich viele viele Papagaienfische, wie sie schimmerten in türkisfarbenem Blau und Neongelb.

In Galapagos im Meer zu schnorcheln ist wie in einem Aquarium zu schwimmen. Ich wusste gar nicht mehr, wo ich überall hinschauen sollte.

An Bord gab es einen kleinen Snack und wir fuhren zur nächsten Stelle. Jeder war noch so mit seinen Eindrücken beschäftigt und dachte einfach so vor sich hin.

Jede Insel hat hier ein strenges Kontingent an Booten, die gleichzeitig vor Ort sein dürfen und an Schnorcherl bzw. Tauchern. Vor Pinzon dürfen nur 2 Boote à 10 Schnorchelrn gleichzeitig sein.

Vor Pinzon genoss ich erst einmal die vielen vielen bunten Fischschwärme. Die Kids spürten eine Schildkröte nach der anderen auf und zwar auch welche, die durch die Gegend schwammen. Anmutig fliegen sie durch das Wasser und sind recht schnell dabei. Eine Schildkröte drehte sich beim Schwimmen um und kam auf die Kinder und mich zu. Sie war neugierig und schwamm eine Weile mit uns. Ich konnte es kaum glauben, dass dieses sanftmütige Tier auf uns zukam. In ihrem Gesicht konnte ich fast ein Lächeln sehen. Jetzt war der Moment gekommen, um mir etwas zu wünschen… Ich schaute ihr tief in die Augen und bin gespannt, was aus meinem Wunsch werden wird.

Unsere Gruppe schwamm ins seichtere Wasser und auf einmal waren überall Haie. Neben mir, hinter mir, vor mir….. Tief durchatmen, die sind gaanz harmlos. Ich versuchte mich so wenig wie möglich zu bewegen und ein Hai kam direkt auf mich zugeschwommen. Was mache ich jetzt nur? Zum Glück drehte er dann ab und schwamm an mir vorbei. Ich hatte genug von den Haibegegnungen – zu viel Adrenalin ist ja nicht gesund. Ich schwamm den anderen hinterher und holte erleichtert Luft. Leider nur ganz kurz, denn ich fand mich nun in der Nähe der Felsen, bei denen 7 Haie lagen! Immerhin lagen sie und schwammen nicht, so konnte ich sie besser im Auge behalten. Leider konnte ich nicht hinter mich schauen, denn da waren auch welche. Ich schaute mich nochmals um, um dann endgültig raus aus dem seichten Wasser zu schwimmen.

In den Fischschwärmen fühlte ich mich doch wohler und wie ein Fisch im Wasser. Schade, dass die Schnorchelzeit bereits vorüber war. Flo und die Kinder waren kaum aus dem Wasser zu kriegen, sie waren die letzten, die an Bord kamen.

Unser Guide und zwei andere hatten das Glück gehabt, einen echten Riesenmanta zu sehen, der jedoch sehr schnell davongeflogen war.

Es gab leckeres warmes Mittagessen (Fisch, Reis und Salat), als ich den Teller in der Hand hielt, wurde mir mit einem Mal klar, dass es mir recht schwummrig im Magen war und so gab ich meinen Teller den Jungs, die sich sehr darüber freuten.

Vom Boot aus konnten wir noch viele Seelöwenmütter mit ihren kleinen Babys beobachten. Was für ein Spektaktel, wie die Babys schrien und die Mütter sich um die Kinder sorgten.

Wir hatten noch die Chance einige Bobbies beim Fischen zuzusehen und auch an den Felsen, an denen sie sich aufhielten. Bobbies sind Blaufußtölpel, eine lustige Spezies von Vögel.

Auf der Rückfahrt hatte ich leider mit Seekrankheit zu kämpfen, dies nahm ich jedoch in Kauf – es war ein wundervoller Tag gewesen…. Der beste Tag in meinem Leben? Einer der besten jedenfalls.

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