Die riesigen Landschildkröten von Angesicht zu Angesicht zu erleben, ist etwas ganz Besonderes. Als wir auf der Farm waren, liefen nur vereinzelt einige Touristen durch das Gelände. Diese Stille und der Anblick der majestätischen Tiere hatte seinen ganz besonderen Zauber. Jede einzelne Schildkröte sieht anders aus, hat einen ganz eigenen Gesichtsausdruck. In ein Schildkrötengesicht zu blicken ist fast ein wenig wie eine kleine Meditation. Was mich vor allem beeindruckte, waren ihre sanftmütigen Augen, die einem das Gefühl gaben, dass diese Tiere die ganze Weisheit der Welt besitzen.
Zuerst gingen wir alle als Familie los und hielten nach den Schildkröten Ausschau. Ziemlich schnell wurde jedoch klar, dass jeder seine eigene Begegnung mit den Schildkröten wollte und so verteilten wir uns auf dem Gelände. Manchmal trafen wir uns wieder, um gegenseitig von unseren Begegnungen zu berichten. Jeder von uns Vieren auf seine Weise von den Tieren fasziniert. Das satte Grün des Hochlands und die bizarren Pflanzen, die hier wuchsen, machten den Ort fast ein wenig mystisch. Ein ganz besonderes Fleckchen Erde.
Wir nahmen uns auch noch Zeit, den kleinen Lavatunnel, der auf dem Gelände ist, zu entdecken. Das Licht im Tunnel funktioniert nicht, so dass wir uns mit den Taschenlampen voran tasten. Beeindruckend, was die Natur zustande gebracht hat.
Zum Schluss hatten wir noch die Gelegenheit, uns bei einem Galapagoskaffee oder Tee aufzuwärmen, denn der Nieselregen machte das ganze Unterfangen etwas feuchtkühl.
Im Aufenthaltsraum waren 3 leere Schildkrötenpanzer von verstorbenen Tieren ausgestellt. Man konnte nun selbst Schildkröte spielen und in den Panzer hineinschlüpfen. Die Wirbelsäule ist teilweise am oberen Panzer angewachsen. Sehr beeindruckend, wenn man in einen aufgeschnittenen Panzer hineinschaut. Wenn man so in einem Panzer liegt ist das ein seltsames Gefühl: zwar sicher und beschützt, jedoch auch recht träge und behäbig. Vor allem das eingeschränkte Sichtfeld war sehr gewöhnungsbedürftig. Wir Menschen haben eben keinen langen Hals.
Ich freute mich jedenfalls wieder als ich auf zwei Beinen stand und mich wieder in alle Himmelrichtungen bewegen konnte.

Völlig beseelt und gut gelaunt traten wir die Rückfahrt mit dem Fahrrad an. Nach dem ersten steilen Bergabschnitt ging es fast nur noch bergab. Daher beschlossen wir, den ganzen Weg mit dem Rad zu fahren – was für ein Spaß (trotz Nieselregens)!