Ein Höllenritt

Als wir auf die Fähre wollten, waren unsere Namen nicht auf der Liste. Unser Ticketverkäufer sprach mit dem Mann an der Einlasskontrolle. Wir wurden kurzerhand auf die Liste eingetragen und zwar als Familie Hernandez als Australier mit unseren Passnummern. Egal – Hauptsache wir waren auf dem Boot!

Die Fähre hatte ich mir etwas anders vorgestellt. Es war wirklich ein kleines Boot. Damit sollten wir nun 2 Stunden über das Meer schippern? Ich war froh, dass ich vorsichtshalber meine Tablette gegen Seekrankheit genommen hatte. Silas und Cayo fragten sofort nach einer Tablette, als sie auf dem schwankenden Schiff waren. Da wir die letzten auf dem Boot waren, blieben nur noch Plätze ganz im Innern übrig. Dann ging es los. Ich fühlte mich stark an die Fahrt in Uvita in dieser Nussschale erinnert. Der Skipper schaltete die Musik auf volle Lautstärke (mir blies es fast das Ohr ab, der Lärm der Motoren war auch sehr laut, so dass sich alles relativierte). „High energy“ ertönte aus dem Lautsprecher. Ein Song der 80er nach den anderen dröhnte mir ins Ohr. Wir schossen wie James Bond über die Wellen. Das Boot klatschte wie auf Beton auf. Da wir im Innern des Bootes waren, war die Fallhöhe am höchsten. Silas wurde ganz grün im Gesicht. Die Kids gingen nach hinten an die frische Luft. Da war es angenehmer, wenn auch wesentlich kälter und nasser. Ich stellte mich der Herausforderung und versuchte mich in Autogenem Training. In meiner Blase, soweit es ging nach außen abgeschottet, überstand ich dann die gefühlt endlos dauernde Fahrt.

Das wird ja bei der Rückfahrt heiter werden, denn da werden wir von Isabela nach Santa Cruz zurückfahren, ein paar Stunden Aufenthalt haben und dann weiter mit der Fähre nach Sant Christobal! Wir 4 waren alle heilfroh, als wir wieder festen Boden unter den Füßen hatten. Einer der Passagiere, ein Australier, der mit seiner Frau seit 13 Monaten unterwegs ist, saß doch wirklich die ganze Zeit im Boot mit einem Buch in der Hand und las in aller Seelenruhe! Das war jedoch die Ausnahme. Die anderen waren auch froh, wieder an Land zu sein.

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