Mein Bezug zur Zeit hat sich sehr verändert. Unsere Tage sind hier viel, viel weniger angefüllt als sonst in Deutschland. Dort sind waren super gut organisiert und getaktet. Vom jetzigen Standpunkt aus, kann ich mir das gar nicht mehr so vorstellen, wir wir das gemacht haben. Wenn wir am Tag eine Aktivität haben (an den Strand gehen oder zu Concha Perla schnorcheln), dann reicht uns das völlig aus. Wir genießen die Dinge viel mehr und intensiver.
Wenn wir andere Touris hier auf Galapagos treffen und dann erzählen, dass wir schon so viele Wochen hier sind und insgesamt zwei Monate bleiben, dann ernsten wir immer großes Staunen. Viele fragen dann, was wir denn alles während der ganzen Zeit über machen bzw. ob es so viel zu sehen gibt. Sie können gar nicht verstehen, dass wie sehr wir es genießen, Dinge häufiger zu machen und uns einfach mal treiben lassen, wir werden schon etwas entdecken. Ich denke, dass wir gerade lernen, den Moment viel mehr zu genießen und nicht im Jetzt schon an das Später denken.
Nach drei Monaten ist nun auch der Kopf mal ausreichend leer, um über Dinge nachzudenken, die sonst immer hinten runter fallen. Über die großen Dinge des Lebens, was mir wirklich wichtig ist im Leben und was ich unbedingt noch in meinem Leben machen möchte. Ich genieße es richtig, endlich ausführlich Zeit zum Lesen zu haben und Dinge auf sich wirken lassen zu können.
Was mir noch nicht wirklich gelungen ist, das Gefühl zu haben, genügend Zeit für all die Dinge zu haben, die ich gerne, am liebsten jetzt sofort machen möchte. Auch während des Sabbaticals hat der Tag nur 24 Stunden, auch da muss ich mich entscheiden, was ich davon mache. Immerhin habe ich mehr Zeit, um mich mit Dingen zu beschäftigen, die ich schon immer mal ausprobieren wollte.
Hier auf Isabela ist mir klar geworden, was für einen riesigen Unterschied es macht, wenn man vor Ort irgendwie eingebunden ist. Es fühlt sich für mich nun ganz anders an, seitdem wir Englisch und Deutsch Konversation machen. Und zudem habe ich bemerkt, wie viel Spaß es macht, wenn man mit guter Laune ohne große Erwartungen in eine Gruppe kommt, mit dem Ziel, eine schöne und lustige Zeit miteinander zu verbringen. Genau das sind unsere Abende.
Seit Isabela habe ich mich nun wieder ins Lernen eingeklinkt und mache mit Cayo Englisch. Kein einfacher Thema für beide Kinder, da sie leider keine gute Erfahrungen beim Englischlernen in der Schule gemacht haben und nun völlig blockieren. Flo und ich haben lange und viel miteinander darüber gesprochen, wie wir das ändern können. Jetzt haben wir beschlossen, Englisch mal ganz anders zu lernen. Während eines Spaziergangs im Dorf, am Strand oder eng aneinander gekuschelt. Ich denke, seitdem ich losgelassen habe, dass nicht Stand xy bis Juni 2018 erreicht werden muss, läuft es für mich besser. Wir werden sehen, wie weit wir kommen und die Kinder reden ja auch während der Reise etwas Englisch, vielleicht macht es ja Klick in irgendeinem Land und ansonsten werden wir auch in Deutschland eine Lösung finden. Es ist eben schwer für mich, da ich Fremdsprachen liebe.