Auf unserer Fahrt zu los tuneles hatten wir das große Glück, mitten in einen schwarm von Riesenmantas zu kommen. Einfach unglaublich, als dicht neben dem Boot ein Manta aus dem Wasser auftauchte. Die Kiemen an der weißen Unterseite waren gut zu sehen. Und dann bemerkten wir, dass überall um uns herum Riesenmantas waren. Das Boot machte den Motor aus, so dass wir die Mantas beobachten konnten. Immer wieder sahen wir die Flossen aus dem Wasser ragen und die Unterseite der Mantas, wenn sie aus dem Wasser sprangen. Wir wussten gar nicht, wohin wir zuerst schauen sollten. Diese Tiere sind riesig. Es waren großartige Gänsehaut-Momente. Ich konnte mein Glück gar nicht glauben. Da sie so dicht um uns herum schwammen, hatte ich fast den Eindruck, dass unsere kleine Nussschale ein Teil des Schwarms sei. An Fotografieren dachte ich gar nicht, zum einen weil die Mantas einfach viel zu schnell und unerwartet auf- und abtauchten und zum anderen, weil ich dieses Spektakel einfach nur genießen wollte – für mich. Die Stimmung an Bord war besonders, wir waren uns alle über diesen besonderen Augenblick sehr bewusst. Selbst unser Guide war fasziniert und demütig. Silas und Cayo waren erst völlig aufgeregt und dann ganz still. Ich erinnerte mich daran, wie Cayo vor einigen Tagen sehnsüchtig meinte, dass er sooo gerne einen Riesenmantaschwarm sehen würde und ich ihm erklärte, wie gering die Wahrscheinlichkeit sei, einem zu begegnen. Nach diesem spektakulären Auftakt fuhren wir ganz beseelt weiter.
Unser Boot war kleiner als gewöhnlich, da es zwischen den Lavaformationen durchkommen musste. Um zu los tunneles zu kommen, mussten wir über ziemlich hohe Wellen kommen, die sich vor den Lavaformationen brachen. Es war ein richtiges Abenteuer, so über die Wellen zu fliegen, vor allem das harte Aufkommen… Es war gerade Ebbe, eine besonders günstige Zeit zum Schnorcheln. Überall im Wasser sah man die Köpfe der Pazifischen Meeresschildkröte aus dem Wasser ragen. Sie waren riesig! Schnorcheln hier war wieder wie in einem Aquarium. Zuerst schauten wir uns die großen Weißspitzenriffhaie an. Unser Guide zeigte uns ein großes Exemplar. Ich sah es nicht und fragte Silas, der nur lapidar meinte, „hinter dir!“ Als ich ich umdrehte, lächelte mich in 30cm Abstand ein großer Hai an. Ich hatte fast einen Herzschlag. Da das Wasser so seicht war, konnte ich auch nicht wirklich wegschwimmen. Nachdem ich wieder hellwach war, tauchten wir in eine Unterwasserhöhle, in der sich die Haie ausruhten. Einer nach dem anderen streckte seinen Kopf in die Höhle und wurde von 8-10 Haien angelächelt – im wahrsten Sinne des Wortes, da man ihre Zähne sehen konnte. Wir begegneten noch einigen Meeresschildkröten, die wirklich riesig waren, größer als Flo. Ich schwamm mit einer Holländerin etwas von der Gruppe weg, da mir das wirklich zu eng war. Ich hatten eine andere Meeresschildkröte gesehen und beobachteten sie. Was für ein Gefühl, mit diesem riesigen Tier ein Stückchen nebenher zu fliegen. Ihre sanften Augen und das elegante Fliegen durch das Meer waren unglaublich. Die Meeresschildkröten hatten keinerlei Angst, man konnte ihnen beim Fressen der Algen zusehen. Durch ihren flachen Panzer, der sie stromlinienförmiger macht, haben sie im Vergleich zu den Landschildkröten die Fähigkeit verloren, bei Gefahr ihren Kopf einziehen zu können.
Hier in los tunneles waren so viele der Giganten unterwegs, wir wussten gar nicht, wo wir zuerst hinsehen sollten. Ein weiteres Highlight waren dann noch die Seepferdchen. Sie verstecken sich an den Mangroven und sind wirklich nur zu erkennen, wenn man weiß, wo und was man suchen muss. Unser Guide zeigte uns zwei, die ihren Schwanz um einen Ast der Mangroven gewickelt hatten. Die Kinder waren entzückt, sie hatten das Glück gehabt, die Seepfderchen noch schwimmend zu sehen. Bei uns war das Wasser ein wenig trübe, daher war die Sicht nicht allzu gut.
Nach dem Schnorcheln, wir waren echt trotz Neoprenanzüge, durchgefroren (das Wasser war wirklich richtig kalt!) fuhren wir mit dem Boot weiter in die Lavaformationen hinein. Das Lava hatte sich hier zu Brücken geformt (tunneles), es sah aus wie in Venedig. Auf den Lavafelsen standen riesige Kakteen und das Wasser war glasklar. Vom Boot aus konnten wir ganze Schwärme von Doktorfischen sehen, Meeresschildkröten schwammen umher, wir sahen einen riesigen schwarzen Rochen. Das Boot legte an und wir spazierten ein wenig durch diese Landschaft, die so gar nicht von dieser Welt aussah. Da das Wasser so klar war, spiegelten sich die Lavaformationen im Wasser – ein genialer Anblick!
Auf den Lavafelsen brüten die Blaufußtölpel (auch liebevoll Boobies genannt). Wir konnten einige Jungtiere sehen und eine Glaufußtölpeldame, die gerade brütete. Ein Stück weiter hatten wir das Glück, ein Booby-Pärchen zur sehen. Das Männchen warb gerade um die Gunst der Dame. Dies funktioniert so, dass das Männchen dem Weibchen stolz seine blauen Füße zeigt und dabei einen Tanz aufführt. Es war herrlich dem tanzenden Booby zuzusehen. Die Rückfahrt, nachdem wir wieder die hohen Wellen hinter uns gelassen hatten (es gab Beifall für den Kapitän), hing jeder von uns seinen Gedanken nach. So viele tolle Erlebnisse, die musste jeder von uns erst einmal verdauen.





