Freitags waschen die Jungs ihre Kleider und putzen ihre Schuhe. Ich schaute mal nach Chris, um ihm dabei zu helfen. Neben dem Gemeinschaftsbad ist ein kleiner Wäscheraum mit zwei Waschmaschinen. Ich dachte, dass wir die Wäsche schnell in die Maschine werfen und uns dann um Chris Schuhe kümmern. Statt dessen schlurfte Chris mit seinem Kleiderberg im Arm an den Waschmaschinen vorbei, zu den Waschbecken. „Waschen wir denn nicht mit der Maschine?“ fragte ich ungläubig. „Nein, das dürfen wir nicht.“ Ich war kurz geschockt. Es war echt kalt und aus dem Wasserhahn kam nur einkaltes Wasser. Also krmpelte ich die Ärmel hoch und wir machten uns gemeinsam ans Waschen. Das ist eine echt anstrengende Arbeit. Die dicken Jacken zu waschen und auszuwringen. Und das sollte Chris mit seinen 11 Jahren alleine machen? Ich war wirklich verdutzt. Meinen ganzen Ärger konnte ich sehr gut beim Waschen der Kleidung loswerden. Dann endlich hing die Wäsche auf der Leine. „So, und nun putzen wir deine Schuhe“. Chris holte die Schuhcreme aus seinem Zimmer. Lappen und Bürste gab es keine, so dass wir uns mit Toilettenpapier halfen. Als die Schuhe so halbwegs glänzten waren wir beide zufrieden.
Die Sache mit der Waschmaschine ließ mich dann doch nicht los. Ich fragte nochmals bei den Projektleitern nach. Die Antwort war, dass die Jungs lernen sollten, vo nHand zu waschen, denn in El Alto gibt es normalerweise kaum Waschmaschinen. Und als ich fragte, ob Chris mit seinen elf Jahren das auch schon müsste, hieß es, „ ja er muss lernen, damit zurecht zu kommen.“ Ich finde es immer noch ganz schln hart, so viel Verantwortung einem Kind zu überlassen. Die anderen Jungs sind 17, 18 Jahre alt. Da denke ich, ist es etwas anderes. Die Jungs, die draußen studieren und wenig Zeit haben, die dürfen auch waschen und wenn das Wetter sehr kalt und regnerisch ist, dann auch.