2,10m x 2,40m

Nachdem wir uns in Johannesburg so langsam organisiert hatten, hatten wir auch wieder den Kopf, um Johannesburg touristisch zu entdecken. Wir besuchten das Apartheidsmuseum, von dem wir viel Gutes gehört hatten. Am Empfang bekommt jeder Besucher eine Karte zufällig zugeteilt, auf dem steht, ob er als Weißer oder Schwarzer eingeordnet wurde. Je nach Karte, muss er entweder den Eingang für Weiße oder für Schwarze wählen. Cayo und ich sind Weiß, Flo und Silas Schwarze. Ein komisches Gefühl, so durch den Eingang zugehen und „eingeteilt“ zu sein. Wir erfahren, dass es viele verschiedene „Rasseneinteilungen“ gab: Schwarz, Weiß, Mischling, Asiaten… Und dass die Einteilungen auch einfach wechselten, je nachdem, an welchen Officer ma geriet. Abhängig von der Einteilung, die im Personalausweis vermerkt war, hatten die Menschen die Chance bessere oder schlechtere Jobs zu erhalten. Immer wieder wurden Zeitzeugenaussagen auf den Tafeln vermerkt. Für mich war es ein wirklich sehr bedrückendes Gefühl, da Worte wie „Rasse“ mich doch gleich ans Dritte Reich erinnerten. Das Museum ist wirklich toll aufgebaut. Mit viel Platz im Außenbereich, um Dinge auf sich wirken zu lassen, wie eine große Rampe, auf der Menschen von hinten in Lebensgröße abgebildet sind. Erst wenn man die Menschen von Vorne ansieht, kann man erkennen, ob sie „schwarz oder weiß“ sind.

Es gab eine Sonderausstellung nur über Nelson Mandela, die sehr eindrucksvoll war. Viele Filme, Interviews von ihm und was mich wirklich erschüßtterte war die Nachbildung seiner Zelle. Sie war nur 2,10m auf 2,40 groß. In diese nachgebildete Zelle konnte man reingehen und sich einen kleinen Film über seine Zeit in Gefangenschaft (27 Jahre!) ansehen. In dieser kleinen Zelle hatte er 18 Jahre verbracht. Kaum vorstellbar. Ich hatte bereits nach 5 Minuten ein Beklemmungsgefühl!

Für die Kinder war das alles ganz unvorstellbar. Vor allem die Tatsache, dass es erst so kurz her ist.

Wir sahen uns einen Film über die Proteste in den Townships an und wie die weiße Polizei gegen die Demonstranten vorging. Da herrschte wirklich Krieg. Cayo und Silas waren wirklich erschüttert, wie da Menschen behandelt wurden und niemand von der „westlichen Welt“ griff ein. Cayo fragte uns immer wieder fassungslos, warum denn die NATO nicht eingegriffen hatte. Dass man so etwas doch nicht geschehen lassen konnte. Wir verbrachten noch eine ganze Weile im Außengelände, um alles auf uns wirken zu lassen und die Kinder wieder zu beruhigen, die wirklich sehr aufgewühlt waren. Sie hatten sich die Welt gerechter vorgestellt bzw. gerechter gewünscht.

Flo und ich waren auch sehr nachdenklich bei dem Gedanken, dass auch noch heute, jetzt in diesem Moment, es noch so viele Unrechtsstaaten gibt, die einfach so weitermachen und niemand greift ein – aus welchen Gründen auch immer. Und welche Rolle wir denn dabei spielen, als „Normalbürger“, welche Möglichkeiten wir haben, durch unsere Verhalten etwas zu ändern.

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