Nach der ganzen Armut in El Alto war Johannesburg und der Stadtteil Sandton, in dem wir wohnten, das völlige Gegenteil. Ich muss gestehen, dass wir alle den westlichen Standard hier sehr willkommen hießen und erst jetzt bemerkten, dass wir in Südamerika doch eher in ärmeren Ecken waren. Wir tauchten für einige Zeit in die westliche Zivilisation ein: Mit dem Mietauto (kein Collectivo oder zu Fuß…) zu McDonald gefahren und Big Mäc und Pommes gegessen. Das war echt dekadent aber in diesem Moment tat es einfach nur gut, etwas „Deutschlandfeeling“ zu tanken. Dann fuhren wir zum Nelson Mandela Square, ein großes modernes Einkaufszentrum, da wir einiges einzukaufen hatten: afrikanische SIM-Karte für Flos Telefon, Turnschuhe für die Kids, Ferngläser für die Safari und Lebensmittel für die Wohnung. Wir verbrachten gefühlte Stunden im Supermarkt und deckten uns mit „echter italienischer“ Salami ein, mit Kiri-Käse und Nuss-Nugatcreme und Müsli. Es war für uns wie im Schlaraffenland. Dann bummelten wir durch die Geschäfte. Das einkaufszentrum war wie jedes andere riesige Einkaufszentrum in Deutschland auch. Es gab Lego-City für die Kinder, Fotoshooting mit Sanat Claus und überall die kitschigen Plastiktannen und aus den Lautsprechern dröhnte Jingle Bells. So hätte es auch in Frankfurt aussehen können. Die Geschäfte unterschieden sich auch kaum von denen in Deutschland: H&M, Tommy Hilfinger, Zara und die ganzen Edelshops. Vielleicht war die Mischung an Menschen etwas bunter, aber das war es dann auch.