Soweto mit dem Fahrrad

Dank des Tipps von Claudia und Erik kamen wir im Lebo´s Backpackers an. Dort bieten sie auch Fahrradtouren durch Soweto an. Die Kinder wollten nicht mit und so machten wir die Tour zu zweit. Die Tour wird von jungen Leuten geführt, die in Soweto groß geworden sind und ihre Geschichte bzw. die ihrer Eltern und Großeltern erzählen. Schon am Anfang zeigte sich, mit wie viel Spaß und Humor sie die Tour machen „Das hier ist Rassentrennung. Wir stehen hier vorne und ihr als Gruppe auf der anderen Seite,“ waren die Worte des Guide am Anfang, als er uns willkommen hieß. „ Diese Zeiten sind zum Glück vorbei, kommt ruhig ein Stück näher!“ Er erklärte uns, dass diese Tour ganz anders ist, als mit dem Bus durch die Gegens zu fahren. „Ihr seid nicht durch eine Glasscheibe getrennt. Ihr kommt den Menschen nahe. Sie werden euch willkommen heißen, daher grüßt zurück. Vor allem die Kinder werden angesprungen kommen, um euch abzuklatschen. In der Gruppe fuhren wir los. Überall grüßten uns die Menschen auf der Straße, vor den Häusern „willkommen in Soweto!“ Die Kinder riefen „hello“, sprangen auf uns zu und hielten ihre Hände in usere Richtung. Ich fühlte mich hier wirklich willkommen. Immer wieder machten wir Halt und der Guide erklärte uns jede Menge Dinge. Auch hier in Soweto gilt, dass Soweto nicht gleich Soweto ist. Da gibt es ganz unterschiedliche Abstufungen, es gibt Viertel, in denen nur die Männer gewohnt haben (als sie in den Goldminen arbeiteten) und Viertel, in denen die Frauen wohnten. Es gibt Häuser aus Stein und dann auch jede Menge Wellblechhütten. Als wir durch so ein Viertel fuhren, da wurde mir ganz anders ums Herz. Das Abwasser floss direkt auf die Straße, die nicht alspahltiert war, es roch sehr unangenehm und überall an den Ecken waren große Müllberge zu sehen. In diesem Viertel wird der Müll nur einmal im Monat oder sogar nur alle zwei Monate abgeholt. Die Kinder spielen barfuß auf der Straße. Oftmals sitzen die Menschen vor ihren Hütten, reden miteinander oder warten einfach nur. Ich musste mich beim Fahren ganz schön konzentrieren, denn auf der Straße lag Müll, Steine, einige plattgefahren tote Ratten und dann musste ich noch auf die Kinder achten, die angerannt kamen. Bis in die 90er Jahre gab es in den meisten Ecken in Soweto keinen Strom. Heute gibt es Strom und auch Trinkwasser, je nachdem, wie die Versorgung ist. Das war ganz schön hart, zu sehen, wie die Menschen hier leben und zu wissen, wie gering die Chancen der Kinder sind, die mir gegenüberstanden, dass sie ein besseres Leben haben werden als bisher. Mir gingen die Bilder durch den Kopf von unserer ersten Woche Johannesburg, als wir eine Wochein Sandton, dem „Bankenviertel“ wohnten. Hier nun hatten wir eine völlig andere Pespektive auf die Stadt. Und immer wieder hörte ich den Satz „Danke dass ihr nach Soweto gekommen seid.“ Die Menschen hier sind stolz auf ihre Herkunft. Ich habe viele Menschen gesehen, die sich „Soweto“ in den Arm eintätoviert haben. Soweto ist wohl der geschichtträchtigste Ort in Südafrika. Als wir am Hector Pieterson Museum Halt machten, dort, wo der Schüleraufstand am 16.7.1976 begann, war das emotional ganz schön happig für mich. Als wir erzählt bekamen, wie 5000 oder 6000 Schüler aufbegehrten und demonstrierten, wie die Polizisten ohne Vorwarnung in die Menge schossen, hier vor der Schule, hier auf diesen Straßen, in denen wir uns gerade befanden. Und wie sie Hector Pieterson, einen zwölfjährigen Jungen erschossen. Heute steht ein Museum hier, mit vielen Olivenbäumen. Es ist ein ruhiger Platz. Viele schwarze Menschen kommen hierher, um sich den Ort anzusehen. Oben an der Straße stehen Händler und verkaufen Souvenirs an die Touristen. Wenn man ein Stück weitergeht, kommt man an Neson Mandelas Haus vorbei. Dort wohnte er von 1946 an bis zu seiner Verhaftung. Nachdem er wieder in Freiheit war (nach 27 Jahren Haft) ging er wieder dorthin zurück. Da der Medienrummel um ihn so groß war und er keine Privatsphäre mehr hatte, zog er ein paar Straßen weiter. Er blieb auch während seiner Zeit als Präsident in Soweto wohnen. Heute wohnt seine zweite Frau, Winnie Mandela, noch immer dort. Heute ist sein damaliges Haus ein Museum. Stolz erzählte der Guide, dass viele schwarze Prominente immer noch in Soweto wohnen. Sei es Winnie Mandela, Desmond Tutu… Sie alle sind Soweto treu geblieben. Nach und nach begann ich mich in Soweto wohler zu fühlen. Anfangs fühlte ich mich schon wie ein Eindringling, der eine Safari macht und „Leute anschaut“, da die Menschen uns jedoch so freundlich aufnahmen, verlor ich meine Befangenheit. Die Radtour hat mir auf ganz eindringliche Art und Weise eine weitere Perspektive von Südafrika gezeigt. Es war so spannend und ging ganz schön tief ins Herz.

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