Warum das Lama spuckt @ Leander & Julia

Bertha war nun schon ganz schön weit herumgekommen und der Abschied von Ulf auf Galapagos saß ihr nocht immer in den Knochen. Gelichzeitig freute sie sich darauf, neue Dinge zu entdecken. In Bolivien in el Alto hatte sie genug Zeit, um sich umzusehen. So liebte sie es, durch das große Gelände zu spazieren und sich mit den Tieren, die dort lebten, zu unterhalten und sie kennen zu lernen. Neben den vielen Kaninchen und Hähnern, den beiden Hunden und Katzen gab es auch drei Schafe und zwei Lamas. Zu den Lamas hatte Bertha einen guten Draht. Die drei unterhielten sich regelmäßig und sehr ausführlich. Vielleicht verstanden sie sich auch deshalb so gut, weil sie so viel Ähnlichkeiten miteinander hatten. In Südamerika nennt man die Lamas ja auch die Kamele der Anden. Als Bertha und die beiden Lamas wieder einmal beieinander standen und ihren Schwatz hielten, fiel Bertha eine Frage ein, die ihr schon langer auf dem Herzen lag. „Wie kommt es denn eigentlich, dass ihr so höflichen und zurückhaltenden Tiere auf andere spuckt?“ Das ältere Lama lächelte. „Hast du etwas Zeit? Da kann ich dir eine uralte Geschichte erzählen.“ Und so begann das Lama zu erzählen: „Vor langer, langer Zeit, als es wir Lamas noch viel mehr waren, wurden wir ganz anders behandelt. Wir hatten vielfältige Aufgaben und waren vor allem als Lasttiere eingesetzt, da es Autos damals noch nicht gab. Wir lieferten aber auch Milch und Wolle. Wir waren, wie man so schön sagte, „Nutztiere“, sprich zum Nutzen für den Menschen da. Meistens wurden wir wie Maschinen benutzt und keiner sah, dass wir mehr waren als nur dem Menschen zu nutzen. Die Menschen vergaßen darüber, dass wir so treu waren und all den Aufgaben klaglos nachkamen, dass auch wir Lamas Respelt verdienten. Die Lamas beschwerten sich darüber bei Pachamama, der großen Göttin und fragten sie um Rat, was sie denn tun könnten. „Ihr habt schon viel zu lange ruhig gehalten und alles hingenommen, was die Menschen von euch verlangen. Es wird Zeit, dass ihr den Menschen zeigt, dass sie euch nicht wie einen Gegenstand nur benutzen können. Bedenkt, dass die Menschen auf euch angewiesen sind: auf eure Kraft beim Tragen, auf eure Milche und Wolle. Ohne euch könnten die Menschen ihr Leben, so wie sie es jetzt leben, nicht mehr leben. Überlgt euch, wie ihr die Menschen dazu bringen könnt, dass sie wieder Respekt vor euch bekommen.“ Die Lamas bedankten sich bei Pachamama für den Rat und zogen von Dannen. Dann versammelten sich alle Lamas, um eine Lösung zu finden.

„Wir könnten den Menschen einfach davonlaufen,“ schlug ein junges Lama vor. „Dann sind wir alle leidigen Pflichten los!“ Die Lamas dachten nach. „Aber wir brauchen auch die Menschen. Sie geben uns Futter und Wasser. Wenn wir alle in den Anden herumlaufen, dann bekommen wir nicht genug Nahrung.“ Die meisten Lamas waren der Meinung, dass sie lieber bei den Menschen bleiben wollten und in Sicherheit. Ein paar Lamas, die den Vorschlag gut fanden, taten sich mit dem jungen Lama zusammen und lebten von nun an wieder in den Anden. Noch heute kann man ihnen begegnen, wenn man in den Anden umherwandert. Es gabe viele verschiedene Vorschläge, doch nie war man sich einig, was die beste Lösung sein könnte. Da meldete sich ein ganz kleines Lama zu Wort: „ Und was wäre, wenn wir einfach spucken würden, wenn wir respektlos behandelt werden? Dann weiß jeder sofort, dass das Verhalten im Moment nicht Ordnung ist und die Menschen könnten dann darauf reagieren. Also bei meinem Bruder funktioniert das immer! Dann könnte es auch bei den Menschen klappen.“ Zuerst belächelten die Lamas den Vorschlag des kleinen Lamas, nach einer Weile jedoch, als jeder von ihnen ein wenig nachgedacht hatte, kamen sie zu dem Schluß, dass dies eine gute Lösung wäre. Und so gingen sie alle auseinander in der Übereinkunft, dass sie von nun an, wenn sie respektlos behandelt werden würden, spucken. Anfangs waren die Lamas schüchtern und es war ungewohnt für sie, sich zu wehren. Als sie jedoch spuckten und die Menschen sichtlich eingeschüchtert waren und sie anschließend respektvoll behandelten, verloren sie die Schüchternheit. Von nun an lernten die Lamas von klein auf, wie wichtig es für sie ist, dass sie spucken, um sich zu wehren und von diesem Tag an waren die Lamas nicht mehr die wehrlosen Tiere, sondern den Menschen ebenbürtig. Die Menschen bemerkten, wie wichtig die Lamas in ihrem Leben waren, was für eine große Hilfe und dass sie die Lamas lange Zeit nicht so behandelt hatten, wie sie es hätten tun sollen. „

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert