Blöde Situation

Flo und ich mussten uns eingestehen, dass uns die Sache mit dem Taxifahrer in Pemba mehr beschäftigte als uns lieb war. Wir hatten danach so gar keine Lust mehr auf Tansania, aufs Reisen. Als wir mit dem Taxi zum Zahnarzt fuhren (der Taxifahrer war der Bruder des Enkels der Vermieterin) waren wir sehr schweigsam. Normalerweise hätten wir Maurice ausgefragt, was er denn hier so macht, ob er Familie hat etc. Doch dieses Mal hatten wir keine Lust. Wir schauten nach draußen und ich sprach mal den Gednaken an, der mir seit Pemba so durch den Kopf ging. „Wollen wir wirklich im Massaiprojekt mitarbeiten? Die Fahrt mit dem Bus dauert 10 Stunden und es ist eine ganz brutale Schotterpiste. Ich weiß nicht, ob ich mit das antun möchte und auch nicht, ob das so sinnvoll mit den Kindern ist.“ Wir sprachen darüber, dass wir uns gerade nicht allzu wohl fühlten und im Projekt zu arbeiten, würde wieder bedeuten, dass wir dort sehr vor Ort abhängig wären. Wenn wir das Gefühl hätten, nicht länger bleiben zu wollen, wäre es schwieriger wieder nach Arusha zu kommen. Und wenn ich ganz ehrlich zu mir bin, war ich mir unsicher, ob ich die nächsten zwei Wochen wirklich in einfachsten Verhältnissen leben wollte. Mir war gerade mehr nach Ruhe und Sicherheit, statt nach Abenteuer und kreativer Flexibilität.

Ich hätte nicht gedacht, dass uns das Erlebnis so sehr nachgehen würde. Ich habe auch das Gefühl, dass die Kinder viel nähebedürftiger sind. Dazu kommt noch, dass wir in den letzten Monaten uns auch verändert haben. Wir sind viel kompromissloser geworden und wissen, dass wir die volle Freiheit haben, das zu machen, was wir wollen. Und genau darum geht es. Das zu machen, was WIR wirklich wollen. Früher hätten wir gesagt, wir haben uns dafür entschieden und dann müssen wir dazu auch stehen. Wir können doch nun nicht wegen einer Lapalie den Schwanz einziehen. Und was sagen denn die anderen, wenn wir das nun doch nicht machen? Über dieses Stadium sind wir raus. Als wir im Wartezimmer saßen, sponnen wir unsere Gedanken und Gefühle weiter. Was wäre, wenn wir das Projekt absagen würden? Was könnten wir dann machen? Und so konkretisierte sich unsere Planänderung. Was klar war, dass wir mit den Kindern darüber reden wollten. Sie fanden es auch gar nicht so tragisch, dass wir nicht mehr aufs Projekt wollten, denn das „einfache Leben“ ist nicht immer so lustig und manchmal kann das auch ganz schön nervig sein. Das haben wir bereits in anderen Ländern erfahren. Wir haben nun beschlossen, heute nicht die Bustickets wie geplant zu kaufen, sondern dem Projekt abzusagen, unsere Zimmer hier in Arusha zu verlängern und eine zweitages Safari zu buchen. In der zweiten Woche wollen wir dann mit dem Bus nach Nairobi fahren und dort noch eine Woche bleiben. D ann wären wir wieder im Zeitplan mit Dubai. Nachdem wir gemeinsam unseren neuen Plan verabschiedet hatten, ging es mir wieder besser. Ich hatte wieder das Gefühl, dass wir unsere Reise wieder in der Hand haben – ganz selbstbestimmt.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert