Von Kathmandu nach Gaunshahar: eine abenteuerliche Reise

Frühmorgens um 5.00 Uhr nahmen wir uns ein Taxi zum Busbahnhof. Der Taxifahrer wusste nicht wirklich so recht den Weg und Flo versuchte ihn mit Google maps die Richtung zu wiesen, was nicht wirklich gelang, denn unser Nepali (gleich Null) und sein Englisch brachten keine echte Kommunikation zustande. Als wir dann wirklich in die völlig faösche Richtung fuhren, wurde ich (der Sicherheitsmensch) dann doch nervös und sah uns schon am Busbahnhof gestrandet vor dem inneren Auge. Schließlich kamen wir dann doch am Bahnhof an, spät aber noch rechtzeitig. Am Schalter konnten wir sogar das Ticket problemlos kaufen und hatten noch richtig viel Zeit. Es war immer noch dunkel und kalt. Unser Gepäck wurde auf dem Dach des Buses verstaut. Wir setzten uns in das kleine offene „Restaurant“ und aßen Reis und Dal pahd und tranken Milchtee. Etwas Warmes im Bauch, das tat gut. Dann kam der Busfahrer auf uns zu und sprach uns an. So wirklich verstanden wir nicht, um was es ging. Flo ging mit ihm mit und brachte das Gepäck wieder mit, denn Der Bus musste noch vorher woanderhin fahren und es war uns dann doch lieber unser Gepäck bei uns zu haben. Ich hätte wohl einen Herzstillstand gehabt, wenn der Bus mit unserem Gepäck auf dem Dach losgefahren wäre. Dann ging es los. Unsere Plätze waren zum Glück nicht direkt an der Türe… Der Aufkleber mit Free Wifi war nur ein Marketing Gag. Immerhin hatten wir einen Sitzplatz jeder für sich und bei uns im Bus waren auch einige Touris, so dass wir wohl im richtigen Bus sitzen würden. Etwas klapprig war der Bus schon. Mein Fenster konnte ich nicht richtig schließen und immer, wenn der Bus bremste, dann ging das Fenster wieder ein Stück weit auf. Morgens war es noch recht kalt, so dass ich keinen zusätzlichen Fahrtwind brauchte.

Ziemlich schnell füllte sich der Bus und die Leute standen im Bus im Mettelgang bzw. saßen auf einem winzigen Hocker. Flo bot einer alten Frau seinen Sitzplatz an, die dankend annahm. Bus fahren in Nepal ist wirklich abenteuerlich, denn der Busfahrer hupte die ganze Zeit. Entweder, wenn er um die Kurve fuhr oder aber wenn er ein anderes Fahrzeug überholte. Ich wollte gerade ein Hörbuch hören, als der Busfahrer megalaute Musik anmachte: traditionelle Nepalmusik. Ein oder zwei Lider sind ja ganz nett, aber stundenlang lautes Gedudel anzuhören, das ist eine echte Herausforderung. Die Straßenverhältnisse waren recht holprig und auch die Überholmanöver hatten es in sich. Ich war mittlerweile ganz froh, dass ich weder nach Vorne noch zur anderen Seite schauen konnte, da so viele Leute im Gang standen – dann sah ich zumindest nicht welche Autos, LKWs oder Motorräder uns entgegenkamen. Ich konzentrierte mich auf die atemberaubende Landschaft und rief sämtliche vorhandene Schutzengel an. Zweimal machten wir eine Rast, um etwas zu essen und zur Toilette zu gehen.

Ich war überrascht, wie gut die Kinder die Fahrt nahmen. Ich wurde etwas nervös, als ich auf die Uhr schaute. Eigentlich sollte die Fahrt 5 Stunden dauern. Dann hätten wir sogar noch 1,5 Stunden, um in Besisahar den Bus um 14.00 Uhr (den Einzigen!!!! am Tag), der uns nach Gaunsahar bringen würde. Statt der 5 Stunden waren wir nun ein gutes Stück länger unterwegs und die 14.00 Uhr rückten immer näher. Zum Glück fragte ich den Busmanager (der junge Kerl, der dem Busfahrer Bescheid gab, wann es weitergehen sollte und der bei den zugestiegenen Gästen das Geld einsammelte), ob er wüsste, wo das Hotel Tukuche ist. Von dort aus fuhr nämlich unser Bus los. Mittlerweile war es schon 10 nach 14.00 Uhr – ich sah unseren Bus schon abfahren. Der Busmanager war total lieb, ließ uns direkt vor dem Hotel raus und da stand sogar noch der pink-weiße Bus. Ich bin einfach losgestürmt, Flo und die Kids kümmerten sich um das Gepäck und ich sicherte den Bus, damit er nicht losfuhr. Der ganze Bus war bereits besetzt. Im Gang standen ein paar Reissäcke, auf denen bereits einige Leute saßen, quasi als zusätzlicher Sitz. Ich hatte das Glück, auch einen Reissack angeboten zu bekommen. Flo und die Kids waren Vorne an der Türe. Ich untersagte Flo, dass er sich außen dranhängen sollte. Man weiß ja nie! Dann stiegen immer mehr Leute in den Bus und schwups setzte sich eine Nepalin auf meinen Schoß. Von Flo und den kids sah ich fast gar nichts mehr. Auf den Sitzplätzen saßen nun statt 2 Personen mindestens 3. Überall stapelten sich Gepäck und Menschen. Dann fuhr der Bus endlich los – wieder mit jeder Menge lauter Dudelei. Ich hoffte nur, dass die Strecke nicht allzuweit sein würde. Es sollten nur 7 km sein, das konnte nicht lange dauern. In engen Serpentinen fuhr der Bus auf der staubigen Piste und hupte eigentlich durchgehend. Immer wieder kamen andere Fahrzeuge entgegen. Die vergangenen 7,5 Stunden Busfahrt waren ein müder Witz. Diesmal schwitzt ich echt Blut und Wasser. Es war stickig und die Piste schmal. Immer wiede rhielt der Bus an und Leute, die auf dem Dach waren, stiegen aus. Ich wollte gar nicht wissen, wie viele Menschen dieser Monsterbus transportierte. Dazu noch die Unmengen an Gepäck und die vielen Schlaglöcher. Es war mir wirklich ein Rätsel, wie dieser Bus diese Psite schaffen konnte. „Irgendwann wird auch das vorüber sein“, dies war mein Mantra, das ich mir vorsagte. Das letzte Drittel war besonders hart, denn die Psite war voller Schlaglöcher und die Musik wechselte von traditioneller Dudelei zu Nepal-Techno: genau mein Stil! Irgendwann, ich glaubte schon nicht mehr daran, jemals anzukommen, stupste mich eine alte Nepalesin lächelnd an. Wir durften aussteigen! Endlich! Ich glaubte, dass wir im Himmel angekommen wären, so hoch waren wir und so lange hatte die Fahrt gefühlt gedauert.

Als wir ausgestiegen waren, war Cayos einziger Kommentar: „Ich steige nie wieder in so einen Bus!“

Ein erster Blick auf die Berge entschädigte mich für die ganzen Strapazen: atemberaubend schön!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert