Ich bin jedes Mal aufs Neue begeistert über die Kinder, die mit so viel Spaß und Freude zur Schule gehen, die offen auf uns zugehen, mituns spielen, reden, Quatsch machen, Seil springen, Klatschspiele machen und sich freuen, dass Schule ist und dass die Volontäre da sind. Wenn ich mir ansehe, wie die Kinder teils in zerrissenen Kleidern und halben Schuhen herumlaufen, dann wird mir bewusst, wie arm die Familien hier sind. Schuhe tragen die Kinder, bis sie auseinanderfallen, nicht bis sie zu klein sind. An einem Morgen stand ein kleiner Junge weinend vor dem Tor und traute sich nicht herein, bis wir herausfanden, dass sein Schulheft voll war und er kein neues dabei hatte. Shamser weiß, wie es ist, arm als Schulkind zu sein. Er musste um 4.00 Uhr morgens aufstehen, arbeiten und konnte dann erst in die Schule gehen. Die Lehrer schlugen ihn, weil er kein Heft oder Bleistifte hatte. Daher bekommen alle Kinder in der Schule Schulhefte und Bleistifte, damit so etwas nicht mehr passiert. Und dennoch fühlen sich die Kinder beschämt, wenn sie von zu Hause kein Heft mitbringen können. In der Schulpause hüpfen viele der Kinder mit dem Seil und das verdammt gut. Oftmals sind die Seile mehrmals aneinander geknotet – ich musste an unsere Seile denken, die wir mit auf die Reise genommen haben und es war klar, dass wir sie nicht mehr brauchen würden. Ein Seil reicht völlig. Als Springseile haben sie hier eine viel viel bessere und sinnvollere Verwendung wie bei uns im Rucksack. Es sind oft die kleinen Dinge, die etwas ausmachen. Wenn ich mir überlege, wie viele Dinge wir zu Hause haben und was die Kinder hier alles nicht haben, dann möchte ich am liebsten den Kindern hier so viele Erfahrungen ermöglichen und mir wird klar, was für ein Riesenglück ich habe, in Deutschland aufgewachsen zu sein und nicht in Nepal in einem Bergdorf. An diesem Punkt beginnen dann die Gedanken, wie man hier nachhaltig helfen und das eigene Netzwerk nutzen kann.