Dehli-Parcour-Marathon oder your man in India

In Kathmandu startete unsere Maschine schon mit über einer Stunde Verspätung. Flo schaute auf die Boardingpässe des Anschlußfluges und meinte, dass die Umsteigezeit dann sehr knapp werden würde. In den letzten 8 Monaten haben wir eine unheimliche Gelassenheit entwickelt – „Irgendwie werden wir schon nach Banagalore kommen!“, war meine gelassene Antwort. Als wir dann auf dem Rollfeld standen, bekamen wir die Durchsage, dass wir weitere 30 Minuten Verspätung haben würden. Kurz vor der Landung fragten wir das Flugpersonal, ob wir den Anschlußflug noch bekommen würden. „Wenden Sie sich einfach an das Personal draußen“, war die Antwort. Wir machten uns fertig und waren darauf gefasst, nun einen kleinen Spurt durch den Flughafen zu machen. Ein freundlicher junger Inder empfing uns gleich „Bangalore? Kommen Sie bitte gleich mit!“. So wurde wir durch die Flughafen geführt und immer wieder sprachen uns die Sicherheitsleute an und wiesen uns sofort den Weg. So viel Organisation hätte ich in diesem Land nicht erwartet. Wir mussten dann zum Immigration office. Zum Glück war keine Schlange da, so dass wir sofort dran kamen. Die beiden Männer hinter dem Schalter waren mit unserer Eile wohl überfordert. Erst mussten wir noch ein weiteres formular ausfüllen, Cayo und Silas mussten so dringend aufs Klo, konnten jedoch ohne den Pass und den Einreisestempel nicht zur Toilette. Wir hatten uns wohl an den falschen Schalter angestellt, denn die beiden Herren waren mehr als Beamte. Während es an den anderen Schaltern ziemlich schnell ging, dauerte es bei uns gefühlte Stunden. Immerhin konnten Silas und Cayo zur Toilette gehen, während wir noch am Schalter waren. „Wich hotel you are staying?“ „No hotel, privat stay!“ „Which hotel?“ Flo schrieb dann irgendeine Straße auf, da wir nicht so schnell einen Zugriff auf die Adresse hatten. Und ich habe mir in dieser Situation geschworen, zukünftig irgendein Hotel in der Stadt VORHER zu googeln und die Adresse aufzuschreiben, damit wir nicht mehr solche Diskussionen führen müssen. Flo hatte dann das Glück, fertig zu sein. Zu zweit schauten sich die beiden meinen Pass an. Ich kam mir wie im Film vor: Pat und Pattachon vor mir, die versuchen gemeinsam ein Formular auszufüllen…. und ich konnte mich in meiner Königsdisziplin „G3duld zu haben“ übern. Oooooommmmm! Endlich war ich fertig. Wir flitzten wieder weiter: nun zur Gepäckausgabe. Der Flughafen in Dehli ist echt groß. Wir alle joggten durch die Gegend, der nette Inder trug mittlerweile ein Handgepäckstück. Als wir ankamen, war unser Gepäck schon da. Silas hatte einen Gepäckwagen organisiert, weiter ging die Rennerei. Ich hatte das Gefühl an einem Parcour Wettbewern teilzunehmen, mit Gepäck auf dem Rücken und die Leute etc. als Hindernisse. Plötzlich hielt ich inne: hatten wir alle Gepäckstücke? NEIN! Ein große Tasche fehlte. Der Inder und Flo joggten wieder zurück, die Kinder und ich blieben mit dem Gepäckwagen stehen. Was für ein Glück: ich konnte endlich auch auf die Toilette. Joggend stürmte ich in die Toilette,L: Oh: ich war bei den Männern gelandet. Dann die nächste Einbiegung: schnell hechtete ich die einzige leere Türe und dann wieder im Affentempo zurück. War gar nicht so schlecht, denn Flo und der Inder kamen erst ein wenig später zurück: gottseidank mit der verlorenen Tasche. Nun rannten wir weiter. Der Inder nahm den Gepäckwagen und joggte voraus, wir vier hitnterher. „Jetzt noch durch den Zoll. Bitte nicht mehr rennen, sondern nur langsam durchlaufen, „ so die Anweisungen. Lächelnd und außer Puste schritten wir ganz langsam und scheinbar relaxed durch den Zoll. Der Inder führte uns durch irgendwelche Abkürzungen hinter den Kulissen zum innner-Indischen Check-in: wieder in der Schlange stehen und diesmal das Gepäck durchleuchten. Um Zeit zu sparen nahm ich unsere Trinkflaschen und schpüttete das Wasser darin einfach in einen der bereitstehenden Mülleimer, der zum Glück eine Mülltüte hatte. Wir wurden wieder abgetastet. Es dauerte Ewigkeiten. Die Frau am Gepäck verlangte von uns, dass wir die Taschen öffnen und ich musste noch die beiden vergessenen Ebook-Reader und Kabel aus dem Rucksack tun, wieder durchleuchten lassen. Dann wollte sie nochmals genau meinen Rucksack ansehen: „Just books!“ meinte ich ziemlich unentspannt. Wir beiden mochten uns nicht wirklich. Endlich konnten wir weiter. Der Inder rqannte wieder mit dem Gepäckwagen vor und die Sicherheitsleute fragten, wohin wir wollten „Banaglor? How many persons?“ „4“ Dann telefonierten sie. So langsam wurde ich wirklich nervös – der Inder kannte das wohl von uns Europäern und beruhigte uns. Er telefonierte wieder und wurde nun auch etwas nervös. „Hurry up,“ meinte er und wir gaben unser Letztes. Ich hätte ja gerne gesehen, wie das ausgesehen hat, als unser Track durch den Flughafen joggte. Das wäre bestimmt ein Youtube-Video mit ziemlich vielen Clicks geworden. Mit hängender Zunge kamen wir in Richtung Gate: die Sicherheitsleute feuerten uns an und motivierten uns. Das Flugzeug war nun schon über 1,5 Stunden später dran. Ich galubte, dass wir in diesem Moment die am meist gehasstesten Passagiere des Flugzeugs waren, als wir ins Flugzeug stiegen. Wir waren jedoch nicht die Letzten. Es gab noch 2, 3 andere Leute, die in aller Seelenruhe hinter uns herkamen. Uff, geschafft. Als wir durch die vollen Gänge wanderten, gab es keinerlei Reaktionen. Vielleicht sind 1,5 Stunden Verspätung hier noch „voll gut in der Zeit“ und Verspätung beginnt erst ab 5 Stunden? Das werde wir herausfinden, wenn wir hier unterwegs sind.

Der Held des Tages war heute eindeutig unser Inder, der uns so sicher durch den Flughafendschungel gelotst hat, uns beruhigt und motivierte: our man in India!!!!

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