Als wir mit einem Tuktuk durch Agra fuhren, haben wir ein neues Geschäftsmodell entdeckt. Wer braucht schon Rafting und solche Sachen. Der neueste Hit ist ein Adventure Drive durch Agra. Man braucht dazu nur ein Tutuk und einen Harakiri-Fahrer. Unser Fahrer raste mit uns gegen Abend durch Agra zur Rückseite des Taj Mahals auf der anderen Flussseite, da wir das Taj bei Sonnenuntergang anschauen wollten. Zurück zum Abenteuer. Abends waren die Straßen nicht mehr ganz so voll, so dass der Fahrer auf die Tube drücken konnte. In schnellem Tempo rasten wir vorbei an vollbeladenen Menschen, Motorrädern, die bepackt waren, ein großer Sack streifte Silas, der außen saß (wir saßen dicht gedrängt zu viert im Tuktuk), und unser Fahrer immer mit Vollgas voraus, immer mit entsprechendem Hupkonzert begleitet, Pferdewagen fuhren nur im hauchdünnen Abstand an uns vorüber, andere Tuktuks überholten uns, Busse nahmen sich ihre Vorfahrt, … In Agra hat es immer wieder Schwellen in der Straße eingebaut, so dass man nicht zu schnell fahren kann. Das Ergebnis ist, dass die Fahrer zwischen den Schwellen wie die Bekloppten rasen, um dann kurz vorher scharf abzubremsen. Ich fühlte mich wie auf der Dippemess (was mein Magen anbelangte). Um noch schneller zu sein, raste der Fahrer rechts und links, gerade wie Platz war, an Ochsenkarren vorbei, d.h. er fuhr auf dem Schotter, da die alphaltierte Straße nur recht schmal war. Da der Übergang zwsichen Asphalt und Schotterstraße recht holprig war, scharte ich mal wieder unsere Schutzengel-Armee um uns. Die hatten wir echt nötig.
Als es kurz zu einem Stau kam, fuhr der Fahrer kurzerhand auf die andere Seite der Verkehrsinsel, sprich auf die Gegenfahrbahn, da dort weniger Autos fuhren, wenn sie uns alle auch „nur“ entgegenkamen. Ich war gottfroh, als der Stau vorbei war und wir wieder in vorgeschriebener Fahrtrichtung fuhren. Weshalb hatte ich mich vorher überhaupt aufgeregt. Dann ging es über den Fluss auf der Brücke. Mitten auf der Brückenauffahrt, wendeten zwei Autos mitten auf der Fahrbahn und wir konnten grade noch halten. Ich sah uns bereits auf dem Kofferraum sitzen….
Ich war sehr erleichtert, dass wir heil an unserem Ziel angekommen waren. Das war der ultimative Nervenkitzel gewesen, wenn auch ungeplant.
Ich verdrängte die Vorstellung, dass wir die Heimfahrt im Dunklen antreten würden und genoß den Blick aufs Taj Mahal beim Sonnenuntergang.