Nachdem wir so lange nun unterwegs sind, dachten wir, ganz entspannt zu sein. Auch was den Fahrkartenkauf anbelangt. Doch auch wir haben noch ein großes Lernpotential in Sachen Geduld: zum Glück sind wir nun in Indien, um diese Lektion ausführlich durchzuarbeiten. Fangen wir am Anfang an. Am Bahnhof wollten wir die Fahrkarten nach Umaria kaufen, eine Zugfahrt, die ca. 14 Stunden über die Nacht dauern sollte. Also sind wir zwei (wir haben gelernt bei solchen Aktionen ohne Kinder unterwegs zu sein, da man ja nie weiß, wie lange die ganze Sache dauert) zum Bahnhof getigert, um die Karten zu kaufen, Im Internet hatten wir bereits den gewünschten Zug herausgefunden. Der Bahnhof ist bereits so etwas von chaotisch: voller Menschen, Gepäck, Kühen, Ziegen, Trager, Karren, Verkäufern,…. Wir suchten ein wenig herum und wurden dann auf einen Seiteneingang verwiesen: dort gibt es reservierte Tickets. Es gibt sogar einen extra Schalter für Ausländer. Wir stellten uns brav in die Schlange am Schalter an. Als wir drankamen, fragten wir nach besagtem Zug. Unser Fahrkartenverkäufer lächelte uns an, legte seinen Kopf schräg und wackelte mit dem Kopf. Was er sagte verstanden wir nicht ganz. Schließlich wussten wir, dass besagter Zug gar nicht fuhr. Es gab jedoch einen anderen Zug. Zum Glück. Wir bekamen ein weißes Formular, das wir ausfüllen sollten, was wir dann taten. Als er dann unsere Daten in den Computer eingab, bemerkte er, dass es in der besseren Klasse keine Plätze mehr gab.
Super! Er schlug uns vor, morgen nochmals vorbei zu kommen und eine Notfallfahrkarte zu beantragen. Wir könnten bereits das Notfallformular (magentafarben!) im Vorfeld ausfüllen und um 9.30 Uhr dann wieder am Schalter sein. Gefrustet fuhren wir wieder nach Hause.
Am nächsten Morgen fuhren wir mit dem Tuktuk (mit dem Fahrer hatten wir die Hin-und Rückfahrt vereinbart: er würde solange warten) wieder zum Bahnhof, diesmal recht früh, da wir ja auf alle Fälle unsere Fahrkarten brauchten. Das Schalter war bereits geöffnet und es war keine große Schlange da. Als wir drankamen, gab uns der Schalterbeamte wieder unser Formular zurück, „Erst um 10.00 Uhr!“ Wir sollten solange in der Schlange warten. Uns so warteten wir fast 2 Stunden vor dem Schalter. Wie schön, dass wir zu zweit waren, so hatten wir jede Menge Zeit, gemeinsam andere Dinge zu besprechen. Als es dann 10.00 Uhr, waren wir auch gleich dran. Die Kommunikation mit dem Mann hinter dem Schalter war recht schwierig, da das Loch nur sehr klein war und wir ihn kaum verstehen konnten, zudem standen die Inder nicht hinter uns in der Schlange an, sondern seitlich von uns. Als wir was sagten, beugten sich 3 andere Inder zu uns und hörten mit, einer der Inder schob sein Formular auch durch das Loch zum Fahrkartenverkäufer. Flo kämpfte um unsere Karten wie ein Löwe. Er bekam außerordentlich breite Schultern und blockierte einfach die Durchreiche für weitere Vordrängler. So langsam wurde es am Schalter echt kuschelig. Ich hörte überhaupt nichts mehr, was Flo und der Fahrkartenverkäufer sagte…. Am Ende hatten wir jeden falls für die bessere Klasse (AC2 heißt sie – die beste Klasse AC1 gab es bei dem Zug gar nicht) 4 Karten! Gott sei Dank!