Schon alleine unsere Fahrkarte zu bekommen war ja mit viel Abenteuer, Zeit und Nerven verbunden. Da kein Direktzug von Umaria (ca. 1 Stunde mit dem Auto entfernt) abfuhr, mussten wir den Zug von Katni aus nehmen. (uns wurde gesagt 2 Stunden mit dem Auto). In unserer Lodge wurde für uns ein Taxi organisiert und wir hatten einen bequemen Zeitpuffer: insgesamt 4 Stunden Zeit (inkl, Fahrt), dann würden wir nicht zu lange am Bahnhof warten müssen und hätten noch genug Zeit. Flo meinte ja, ich wäre übervorsichtig, so lange vorher abfahren zu wollen. Mir war das egal, ich wollte hier nicht im Dschungelbuch versauern.
Der Taxifahrer kam ganz pünktlich. Ein recht großes Auto, unser Gepäck hatte Platz und wir 4 auch noch. Dazu eine Klimaanlage: was will man mehr. Wir fuhre also los in Richtung Dorf. Es war so um die 17.00 Uhr, so dass ich ganz froh war, dass wir noch im Hellen fahren würden. Zuerst fuhr der Fahrer an eine Tankstelle und tankte nochmals voll. In Indien braucht das ja alles seine Zeit. Naja, immerhin besser mit vollgetanktem Auto loszufahren, als ohne Benzin liegen zu bleiben. Dann hielten wir an einem kleinen Geschäft, das sich als Autowerkstatt herausstellte. „Just check the air!“ war die Info, die wir bekamen. Er lief um das Auto herum und prüfte mit der Hand den Reifendruck. (Interessante Methode! Vielleicht sind Inder ja feinfühliger als wir Deutschen). Als er dann unter das Auto kroch und irgendetwas machte, wurde ich doch ein wenig unruhig. Er holte ein Ersatzrad heraus und gab es den Leuten in der Werkstatt, die das Rad mit Wasser bestrichen, wohl, um zu schauen, ob Luft rauskommt. Und die Uhr tickte und tickte. Wie schön, so viel Puffer eingeplant zu haben. Nach einer halben Stunde fuhren wir dann los, wieder durch das Dorf zurück in die andere Richtung. Es dämmerte bereits, war wohl nichts mit „beim Hellen“ loszufahren! Wir fuhren zum Nationalpark und durchquerten ihn ein Stück. Wir alle hatten ja im Hinterkopf die Hoffnung, in der Dämmerung vielleicht einen Tiger zu sehen, leider war dies nicht der Fall. Es wurde dann auch schlagartig dunkel und die Straße, besser gesagt Piste (also kein Asphalt), immer schlechter: voller Schlaglöcher und recht eng. Da es dunkel war, sah man Ochsenkarren, Kühe, Menschen, Fahrräder, Motorroller imme recht spät und der gute Mann fuhr recht Slalom um die Hindernisse. Silas und Cayo wurde schlecht und ich hoffte auch nur, dass diese Fahrt glücklich vorübergehen würde. Und dann begann ja erst die 16 Stündige Zugfahrt!!! Das waren Aussichten. Ich versuchte die Jungs zu beschwichtigen, dass wir bald ankommen würden und hoffte mal wieder auf eine Schar Schutzengel, die uns sicher nach Katni bringen würden. Ein, zwimal stoppte der Fhrer kurz, um um das Auto herumzugehen und die Reifen erneut zu checken. Dies hatten wir bislang noch nie erlebt: entweder waren wir einem überbesorgten Inder begegnet (was wohl eine echte Seltenheit wäre) oder aber das Auto ist bereits schon mal liegengeblieben: das wären ja schöne Aussichten…… Ich bin immer wieder überrascht, was so ein „normales Auto“ alles an offroad schaffen kann. Schließlich kamen wir dann nach 2,5 Stunden am Bahnhof an – was für ein Glück, dass wir so viel Puffer eingebaut hatten. Ich war glücklich, dass wir heil angekommen waren. Die Jungs und ich waren ganz grün im Gesicht und mussten erst einmal unseren Magen wieder beruhigen von der schwungvollen Fahrt.