Zugfahrt Abenteur Teil 4 und alle fahren mit

So, nun waren wir endlich auf UNSEREM Gleis gelandet. Es war dunkel, heiß und alle starrten uns 4 an. Der ganze Bahnsteig war belagert. Ganze Familien lagen auf dem Boden und schliefen, oder aßen oder starrten uns an. Wir hatten eine neue Herausforderung mit unserem Gepäck über all die sitzenden und liegenden Menschen hinwegzusteigen, ohne jemandem wehzutun. So muss sich indisches Parcour anfühlen! Nachdem wir einen Träger gefunden hatten (wir hatten von der letzten Zugfahrt dazugelernt), folgten wir dem Träger so schnell und gut es ging. Indisches Parcour ist wirklich recht anstrengend! So langsam hatten wir auch Hunger und ich ging zu einem der Stände, um Samosas zu kaufen. Da die Zugfahrt lange dauern würde, hatten wir beschlossen, auf Nummer sicher zu gehen und gleich eine ganze Menge einzukaufen. Ich fragte im Vorhinein nach dem Preis, nachdem ein jüngerer Typ kam, um für mich zu übersetzen. Der Verkäufer wollte mir auf alle Fälle etwas anderes verkaufen (irgendein süßes Gebaäck, das wir alle nicht mögen). Ich schüttelte den Kopf, „nein, das mögen wir nicht! Ich möchte Samosas.“ Nachdem ich den Verkäufer davon überzeugt hatte, dass ich wirklich Samosas wollte, gab ich meine Bestellung auf. Ich erhielt ein Schälchen mit 2 Samosas und etwas Chillisauce für 20 Rupien. Ich hatte jedoch 20 Samosas bestellt! Daher erklärte ich es nochmals. Alle schauten mich mit großen Augen an. „sooo viele!“ Ich nickte und meinte, dass wir eine große Familie wären.

In der Zwischenzeit waren die 3 Jungs eng belagert und hatten ein Fotoshooting nach dem anderen. Während die einen ein Foto von ihren Kindern und uns machten, standen ca. 7 Leute hinter dem Fotografierendem und fotografierten uns ebenfalls. Ganz nach dem Motto: ein Bild geht um die Welt. Wir tauschten dann noch mit etlichen Familien und Jungs unser Facebookkontakt, so dass wir unsere Anzahl an Facebookfreunden exponentiell erweiterten. (Flo bekommt von einigen nun regelmäßig Whats app Nachrichten mit guten Wünschen).

Nun kam der große Augenblick. Der Zug fuhr ein und ich war gespannt, wie unser Abteil aussehen würde. Ich hatte mich seelisch bereits auf das Schlimmste gefasst gemacht und hoffte einfach nur, dass wir irgendwie schlafen könnten. Ich wusste, dass in dieser Klasse wir im Abteil statt wie vorher 6 Betten, 8 Betten haben würden. Wir sagten dem Mann zu, dass er das Bett haben könnte und er war sehr glücklich darüber. Bei uns im Abteil saßen auch noch 2 Frauen so um die 50. In dieser Klasse gab es gar keine Vorhänge, so dass wir gar nicht anders konnten, als zu kommunizieren. Wir verstauten unsere Rucksäcke teilweise auch im Nebenabteil, da bei uns bereits alles voll war. Die Familie mit kleinen Kindern nebenan war sehr nett zu mir und die Kinder schauten mich neugierig an. Anfangs saßen wir noch auf unserem Bett und die Lehne am Rücken konnten wir später hochklappen: sie wurde zu den Betten der beiden Freuen, die in der Mitte schliefen. Wir hatten diesmal einen unteren Platz ergattert. Wir saßen also nun auf unseren Plätzen und der Mann, mit dem wir den Platz getauscht hatten, fragte uns über Deutschland Löcher in den Bauch: Wer denn zu Hause kocht? (Er schaute ganz ungläubig, als Flo ihm erzählte, dass auch er zu Hause kochen würde). Wie oft wir baden? Wie das Wetter sei? Wir zeigten Fotos auf dem Handy von Frankfurt und alle um uns herum schauten eifrig mit. Es war, als ob alle gemeinsam im Zug fahren würden, eine sehr nette und freundliche Atmosphäre. Das war viel schöner, als bei der Zugfahrt zuvor. Dort hatte jeder seinen Vorhang vorgezogen und wollte vom anderen nichts wissen. Als wir den Leuten unsere Samosas anboten, lehnten sie ab – sie selbst jedoch nötigten uns, von ihren Pakoras zu probieren. Ich liebe Pakoras – nur in diesen Pakoras steckten ganze Chilis. Sprich mir brezelte fast der ganze Mund weg. So schnell hatte ich seit langem keine freie Nase mehr.

Um 23.00 Uhr dann, klappten wir die Betten hoch, bezogen alles und legten uns schlafen. Ich war wirklich erstaunt, wie still es im Zug war, und dass bei so vielen Leuten und auch vielen kleinen Kindern. Wir alle schliefen so richtig gut und als wir morgens aufwachten, waren wir recht entspannt.

Flo setzte sich zuerst an die offene Türe am fahrenden Zug und genoß es, sich den Fahrtwind um die Nase wehen zu lassen. Nach kurzer Zeit, kam der junge Vater vom Nebenabteil dazu und setzte sich mit den Worten zu ihm: „Das war als Kind immer mein Lieblingsplatz!“ Die beiden unterhielten sich eine ganze Weile und dann stellte er uns seine kleine Tochter ganz stolz vor. Silas und Cayo fanden es auch richtig cool, an der Zugtüre zu sitzen. Nach einer Weile musste ich dann doch auch einmal aus meiner Komfortzone raus und ließ mir den Fahrtwind um die Nase wehen und Indien an mir vorüberziehen. So entspannt (bis auf die Taxifahrt) sind wir seit langem nicht mehr gereist. Da wir in Jaipur aussteigen mussten, war es diesmal einfacher als bei der Hinfahrt nach Umaria, dieser kleinen Station.

Mit jeder Menge neuer Freunde im Gepäck, kamen wir in Jaipur an.

Mit dem Großraumtuktuk, in dem sogar unser Gepäck und wir Platz hatten, fuhren wir in der prallen Mittagstitze zu unserer Wohnung.

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