Eine Übung in Gelassenheit

Nach unserem Blitzeinkauf in verschiedenen Geschäften, fuhr ich zum Geldautomaten vor, um mich an der langen Schlange anzustellen, Silas und ich hatten uns einkaufstechnisch getrennt und dann irgendwie verloren. Da es hier alles so winzig ist und man sich eigentlich nicht verfehlen kann, war ich mir sicher, dass er entweder hier vorbeikommen müsste oder bereits auf dem Heimweg war. Spätestens bei der Radabgabe würde ich ihn wieder treffen.
Die Schlange vor dem Automaten war wirklich lang. Ganze 12 Leute standen vor mir. Freitag Spätnachmittag scheinen wohl alle Geld für das Wochenende zu benötigen. Uns so stand ich in der Hitze und wartete geduldig. War ja nicht so schlimm, ich wartete ja auch noch darauf, dass Silas vorbeikommen würde. Nur sehr langsam bewegte sich die Schlange voran. Die Menschen hier schienen sich alle zu kennen, so dass das Anstehen eher ein Get together war als eine Schlange. Kinder spielten um uns herum, die Oma saß im Schatten auf der Bank, Freunde kamen noch, um zu plaudern. So eine Schlange könnte ich mir in Deutschland nur schwer vorstellen.
Immerhin waren nun nur noch 4 Leute vor mir. Ich schöpfte Hoffnung. Diese Hoffnung währte leider nicht allzulang, denn ein rotes Licht leuchtete auf. „Warten auf den Service“ stand da. Was das konkret bedeutetn sollte? Und wie lange? Nachdem alle ganz normal weiter warteten, ging ich davon aus, dass bald alles wieder im Lot sein würde.
Silas kam tatsächlich vorbei und konnte es nicht glauben, dass idie Schlange immer noch so lange war. Ich redete zuversichtlich auf Silas ein, dass wir ja gleich drankämen, mehr oder weniger, wenn der Service wieder funktionieren würde. Vielleicht war ja auch das Geld alle. Zu zweit hatten wir noch weniger Gelassenheit. Silas wollte endlich nach Hause, es war heiß und er hatte keine Lust mehr – ich übrigens auch nicht! Als Kompromiss schlug ich vor, dass wir noch 5 Minuten warten und dann nach Hause fahren. Gerade als die Zeit um war, funktionierte der Automat wieder. Hurra!
Endlich war ich an der Reihe: ausgerüstet mit 2 Kreditkarten wollte ich zweimal abheben, damit wir die Rechnung im Tauchzentrum bezahlen konnten. Nachdem ich die zweite Kreditkarte in den Automaten gesteckt hatte, blickte ich kurz nach hinten auf die lange Schlange. So langsam stand mir der Schweiß auf der Stirn! Ich hatte noch 2 weitere Abhebungen zu machen und fürchtete, dass mich die Leute hinter mir gleich angreifen würden, da ich Ewigkeiten vor dem Automaten verbrachte. Das war mal eine rote Linie für mich! Als ich dann das Geld in der Tasche hatte, drehte ich mich lächelnd um und fuhr mit Silas so schnell wie möglich davon!

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