Wünschen auf Japanisch

Im buddhistischen Tempel nahm uns Yuko mit zum Mönch, der auch Kalligraphiemeister ist. Es gab einen eigenen Raum mit kleinen Tischen, je einer Lampe, einem Band, einem Tuschefaß und einem Tuschepinsel. Wir würden nun japanische Kalligraphie machen. Der Meister wies uns ein. Er gab uns eine Einführung, was zu tun wäre. Zuerst bekamen jeder von uns ein Baltt mit Reispapier, auf dem bereits mit hellgrau einige Schriftzeichen vorgezeichnet waren. Diese sollten wir nachzeichnen und am Ende unseren Namen, unsere Adresse und vor allem unsere Wünsche aufschreiben. Davor sollten wir uns das Band über die Schultern legen. Es war mucksmäuschenstill im Raum und Yukos Töchter setzen sich gleich brav auf die Stühle. Cayo, Silas und Flo waren noch etwas schüchtern, da sich so keine Ahnung hatten, was auf sie zukam. Dann fing jeder von uns an, die Schriftzeichen nachzuzeichnen. Gar nicht so einfach, denn, wenn man den Tuschepinsel zu lange auf einer Stelle hielt, gab es fette Tuscheflecken. Wir schlugen uns recht wacker. Während Hinata und Hanano (sie haben einmal die Woche Kaligraphie in der Schule) sehr konzentriert und langasam schrieben, war ich irgendwie etwas schnell. Ich hatte wohl vergessen, dass Kalligraphie ja Meditation ist. Nachdem jeder von uns alles ausgefüllt hatte, inklusive seiner Wünsche, legten wir das Papier nach vorne an einen Altar. Der Mönch würde die Papiere mit unseren Wünschen nehmen, sie laut vorlesen und die Götter darum bitten, dass sie erfüllt würden, dann würden sie dem Feuer übergeben werden.
Wir waren nicht die einzigen Leute im Raum. Es gab noch eine ganze Menge anderer Menschen: Alte und Junge – die Erwachsenen hatten sehr komplizierte Vorlagen, die sie mit größter Hingabe nachzeichneten.
Es war ein schöner Einstieg ins traditionelle Japan. Und es war schön, zu sehen, was sich jeder von uns so gewünscht hat und darüber zu reden. Was mich wirklich am meisten gefreut hatte, war Silas Wunsch, eine zweite Weltreise zu unternehmen!