Stolz zeigte Hannano ihren Kanjitest (japanische Schriftzeichen). Jedes Kanji war mit einem großen roten Kreis umringelt. Erst da erinnerte ich mich daran, dass ein Kreis das gleiche wie in Deutschland ein Häkchen ist. Sie hatte alles richtig gemacht. Was in Deutschland als Fehler eingekreist wird, wird in Japan mit einem Strich unter- bzw. durchgestrichen und kann auch ein wenig wie ein Häkchen aussehen. In Japan ist es gerade anders herum als in Deutschland.
Schülersein in Japan ist ein echt hartes Los. Das wusste ich zwar schon, doch nun es so hautnah bei Hinata und Hannanoes zu erleben ist nochmals gleich etwas ganz anderes. Hinata ist 13 und fährt jeden Tag 1,5 Stunden zu ihrer Schule (ein Weg!). Wenn sie dann abends um 7.00 Uhr nach Hause kommt, stehen noch Hausaufgaben an und lernen für die Klassenarbeiten. Sie hätte auch i eine nöhere Schule gehen können, die sie jedoch nicht so gut auf die Uni vorbereitet hätte. Denn in Japan gibt es Aufnahmeprüfungen für jede Universität, die sehr schwierig sind. Jährlich bringen sich viele junge Leute um, weil sie die Aufnahemprfüfungen nicht bestehen.
Hannano ist 10 . In der Grundschule gibt es noch keine Schuluniformen, erst danach. Sie wird in 2 Jahren die Schule wechseln und zur Highschool gehen. Auch da gibt es Aufnahmeprüfungen. Um fit und vorbereitet zu sein, geht sie bereits jetzt dreimal die Woche zur „Nachhilfe bzw. Vorbereitung für die Aufnahmeprüfung“. An diesen Abenden kommt sie erst so gegen 19.30 Uhr nach Hause. Dann stehen noch Hausuafgaben an. Selbst am Wochenende gibt es Hausaufgaben. Als wir von der Freien Schule in Deutschland erzählten, auf die unsere Kinder gehen, ernteten wir nur ungläubige Blicke. Hannano hatte sich auch neben uns gesetzt und wollte wissen, welchen Stoff wir in ihrem (also Cayos Jahrgang) denn zu behandeln haben. Wir hatten uns vor der Reise eine Zusammenfassung an Lehrstoff für die 5 bzw. 6. Klasse gekauft (für Deutsch, Englisch und Mathe). Sie holte ihr Matheheft hervor und vergleich nun, was sie im Vergleich zu den deutschen Kindern lernen musste. Englischlernen die Kinder in Japan erst ab 12, denn in der Grundschule (6 Klassen) müssen sie 1000 Kanjis (Schriftzeichen) lernen. Das ist verdammt viel.
Und so vergleichen wir Kapitel für Kapitel bzgl. Mathe. Hinterher sahen wir, dass die japanischen Schüler in Mathe mit dem Stoff ein Jahr voraus sind. Als Hannano dann noch erfuhr, dass es in der Freien Schule weder Hausaufgaben, Prüfungen noch Noten gibt, konnte sie nur fassungslos mit dem Kopf schütteln. „Aber sie hinken dann doch total hinterher und haben später keine Chancen!“ , war ihre Antwort. Yuko musste lächeln, denn wir Erwachsenen hatten an ein paar Abenden zuvor darüber gesprochen, was alles in der Schule gelernt werden muss und was die Kinder denn dann de facto im Leben brauchen bzw. was nicht gelehrt wird.
Wir waren uns alle darin einig, dass es viel wichtiger ist, seinen eigenen Weg gehen zu können, das zu machen, was einen erfüllt, statt irgendeine „angeblich“ erfolgreiche Karriere zu machen. Am Ende wollen wir doch nur eines: glücklich sein! Und selbst das ist für uns Eltern schwierig, dass die Kinder ihre eigenen Lebenserfahrungen machen müssen und selbst herausfinden müssen, was sie glücklich macht.