Zweistellig im Paradies

Seit Wochen spricht Cayo von nichts anderem und jeden Morgen zählt er die Tage bis zu seinem Geburtstag. Er hatte sich einen Apfelstreuselkuchen gewünscht. Ich hatte einen Tag vorher einen Streuselkuchen probe gebacken und er kam gut bei ihm an. In Costa Rica hatte ich Kerzen entdeckt, die wir eingekauft hatten und in Quito ein Glas Nutella. Es gab noch allerlei Geschenke, die gleich vor dem Frühstück ausgepackt werden mussten. Unsere Nachbarn, 4 Hongkong-Chinesen gaben ihm sogar ein Ständchen auf Chinesisch! Ich erinnerte mich daran, wie ich mich damals gefühlt hatte, als Silas 10 wurde. Da kam er mit auf einmal so groß und riesig vor – gar kein kleiner Junge mehr. Mit Cayo jetzt war es anders, da Silas ja der „Große“ ist und ich das Gefühl habe, dass er auf der Reise riesige Schritte macht, nicht nur beim Wachstum. Cayo wird wohl immer „der Kleine“ bleiben – obwohl ich das gar nicht will. Ich kenne das selbst nur zu gut, dass ich auch heute noch in der Familie „die Kleine“ bin. Vielleicht kann ich ja einfach besser loslassen, jetzt, wenn Cayo schon 10 ist. Ich denke, dass die beiden Jungs ein gutes Stück selbständiger geworden sind. Das waren sie zwar schon immer. Es ist jedoch nochmals eine ganz andere Nummer, wenn man im Ausland unterwegs ist.

Cayos Geburtstag war ein wundervoller Tag ohne großes Programm. Nach dem Frühstück besuchten wir den Fischmarkt und machten uns einen faulen Tag. Gegen Abend ging es dann in die Restaurant-Straße. Cayo liebt es, ins Restaurant zu gehen. Er wollte unbedingt einmal Languste essen, die es hier auf der Straße in jedem Restaurant zu essen gibt. Sie liegend da lebend auf den Tischen vor dem Grill. Ein herrliches Spektakel einfach durch die Straße zu schlendern, die Berge von Langusten und frisch gefangenen Fischen. Wir waren schnell fündig. Cayo und Silas suchten sich ihre Langusten aus, die dann frisch zubereitet wurde. Ich freute mich auf meine gegrillten Garnelen und Flo hatte Fisch bestellt. Da wir alle noch nie Languste gegessen hatten, erklärte uns die Dame vom Restaurant wie es geht. Ist ganz schön anstrengend, das Fleisch aus der Schale zu bekommen. Wir waren uns alle einig, dass dies das anstrengendste Essen unseres Lebens war. Wir bekamen auch ein Holzbrettchen mit einem Hammer, um die Beine der Languste zu zertrümmern und an das Fleisch zu kommen. Schon beim ersten Bissen merkt man, wie eiweißhaltig das Fleisch ist. So gegrillt und mit den Gewürzen war es recht lecker. Viel davon konnte ich jedoch nicht essen. Da die Langusten der Kids so groß waren, schafften wir sie gar nicht ganz zu essen. Wir hatten einen schönen Abend, bei dem wir alle um eine neue Erfahrung reicher waren.

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