Vor 20 Jahren sind wir schon einmal über die Anden gefahren. Das waren 2 Tage und 1 Nacht und in unserem Bus fuhren neben Indios und Schafen auch zwei Nonnen mit. Heutzutage ist das Reisen im Bus vollkommen anders. Besser als im Flugzeug. Die Busse sind Doppeldecker, mit bequemen Sitzen, Kissen und extra Decke. Es gibt Monitore und ein extra Entertainment-Programm. Das Gepäck wird eingecheckt und das Handgepäck kontrolliert. Es gab sogar eine Personenkonrtolle. Ich bin selten so konfortabel gereist, wie in diesem Bus. Ein gigantisches Schauspiel, sich die Anden anzusehen, durch kleine Dörfer zu fahren. Theoretisch hätte die Fahrt knappe 7 Stunden gebraucht. Kurz vor der Hälfte jedoch, bremste der Bus plötzlich und kam zum Stillstand. Ich dachte erst, dass wir nun warten mussten, bis eine Schaf- odr Alpakaherde vorüber gezogen sei. Dann hörte ich Cayo laut schlutzen. Der Bus hatte einen Rikschafahrer gerammt, die Rikscha kippte um und der Fahrer flog aus der Rikscha. Cayo und Silas saßen auf der anderen Seite des Buses und hatten alles genau mit angesehen. Die beiden standen unter Schock. Zum Glück hatte ich meine Notfallkügelchen dabei. Flo versuchte nach unten zu kommen, um erste Hilfe zu leisten. Es wurde jedoch keiner aus dem Bus gelassen. Zum Glück kam der Krankenwagen (wir waren in einer Stadt) sehr schnell und der Mann konnte schnell versorgt werden. Nun hieß es, dass in ca. 30 Minuten ein neuer Bus kommen würde. Aus den 30 Minuten wurden dann 2 Stunden, in denen wir im Bus festsaßen. Dann hieß es, dass ein neuer Bus aus Cusco kommen würde und nochmals 1, 5 dauern würde. Ich war recht überrascht, wie ruhig alle im Bus blieben. Uns steckte alle der Unfall in den Knochen. Immerhin durften wir dann aus dem Bus aussteigen und uns die Füße vertreten. Die Frontscheibe des Buses war kaputt und auch der eine Außenspiegel. Mir wurde ganz anders zumute als ich es sah. In einem kleinen Kiosk, der in der Nähe war, kauften wir ne Kleinigkeit. Viele von uns standen herum. Die Kioskbesitzerin trug daraufhin alle ihre Stühle aus dem Kiosk und bat uns, sich zu setzen. Wie nett von ihr. Und so verbrachten wir 4 Stunden mitten in den Anden im Nirgendwo bis dan endlich der andere Bus kam. Der war noch komfortabler: noch bessere Sitze, noch mehr Filme! Was für ein Glück, so konnten sich die Kinder etwas ablenken. Denn Cayo war immer noch schockiert und hatte ständig die Bilder des Unfalls im Kopf. Jedes Mal, wenn der Bus langsamer fuhr, schreckte ich hoch und schaute aus dem Fenster. Cayo ging es genauso. Ich hatte das Gefühl, dass wir nie wieder ankommen würden und war gottfroh, dass ich meine Trancereisen auf dem Handy hatte und mich von Trancereise zu Trancereise hangelte. Schließlich kamen wir nach fast 11 Stunden an. Die letzten Stunden waren wir in der Dunkelheit gefahren, was wir ursprünglich auf alle Fälle vermeiden wollten.