Wir wollten zum Abschied den Jungs ursprünglich eine Tischtennisplatte schenken, aber die hatten sie bereits bis auf das Netz und Schläger. Doris fragte Daniel, der das Projekt gegründet hatte, was für die Jungs denn sonst noch sinnvoll wäre. Und Daniel hatte die geniale Idee, dass sich die Jungs über einen Tischkicker so richtig freuen würden. Die Frage war nur, wo bekommt man einen Tischkicker her? Doris fragte herum und fand eine Dame, die sonst auf dem Markt von El Alto Tischkicker verkauft. Da der Markt nur donnerstags und sonntags stattfindet, hatten wir keine Chance mehr sie auf dem Markt zu besuchen, da wir da bereits in Richtung Südafrika aufgebrochen sein würden. Doris machte also mit der Dame einen Treffpunkt aus. Wir fuhren zuerst mit dem Taxi bis zur Ecke, an dem die Collectivos (die Gemeinschaftstxis, kleine Minibusse) warteten. Mit dem Collectivo ging es dann bis zum Teleferico (der Gondel). Wir fuhren mit der blauen Gondel bis zum Ende. Immer wieder telefonierte Doris, dass wir auf dem Weg seien und wir uns bald mit der Dame treffen würden. Wir hatten uns das denkbar schlechteste Wetter ausgesucht. Es regnet in Strömen. Sogar Flo und Silas waren nun glücklich darüber, dass ich sie gezwungen hatte, eine Regenjacke anzuziehen. Wir warteten also im zugigen und kalten Bahnhof der Gondel un dhielten nach der Dame Ausschau. Dann endlich kam sie auf uns zu. Wir sollten doch zum Lkw hingehen und dann bis zu ihrer Werkstatt mitfahren. Gesagt, getan. Doris und die Dame stieg vorne beim Fahrer ein. Wir Vier stiegen auf die Laderampe des LKWs und hielten uns am Führerhaus fest. Es regnet in Strömen, der Wind und Regn pfiff uns ins Gesicht, unsere Hände fielen fast ab. Und ich betete, dass alles gut gehen würde, vor allen, wenn der LKW um die Ecken bog oder ein Schlagloch erwischte. Ich war nicht nur außen naß vom Regen, sondern auch unter meiner Regenjacke innen naßgeschwitzt. Selten hatte ich mich so fregreut, wieder festen Boden unter den Füßen zu haben. Wir standen vor einem Garagentor. Der Fahrer stieg aus und begrüßte uns. Ich kam mir wirklich vor, wie in einem Mafia-Film. Ich wartete nur darauf, dass irgendwann Leute aus der Seitenstraße springen würden, mit Waffen in der Hand. Wo wir doch eigentlich nur einen Tischkicker kaufen wollten….. Die Türe ging auf und mir kam ein muffiger Geruch entgegen. Katzenpippi, eindeutig. Im Lager standen viele Tischkicker übereinander. Nun war es an den Kids, ihre Expertise zu beweisen. Ich war überrascht, wie locker sie die ganze Atmosphäre nahmen, vielleicht haben sie noch nicht so viele Mafiafilme geschaut oder nahmen die Dinge einfach so wie sie waren, ohne sich viele Gedanken und Sorgen zu machen. Silas hatte gleich einen Kicker im Auge und dann spielten Cayo und Silas eine Runde, um den Kicker auszuprobieren. Flo war etwas naiv gewesen, denn wir wollten mit Karte bezahlen. Zum Glück hatte Doris so viel Bargeld, dass sie es uns vorstrecken konnte. Der Großteil wurde anbezahlt, den Rest würde es bei Lieferung ins Projekt geben. Wir marschierten wieder zum Teleferico zurück und fuhren mit der roten Gondel nach La Paz hinein. Dann nahmen wir das Taxi. Eine sehr ereignisreiche Fahrt, vorbei am Gefängnis von La Paz, Doris erklärte uns alles – wir bekamen sozusagen eine Stadtrundfahrt der anderen Art. Schließlich hielten wir an einer unscheinbaren Ecke. „Hier muss es irgendwo gewesen sein,….“ Dors schritt auf und ab. Vor einem Jahr hatten sie hier irgendwo die Tischtennisplatte gekauft, also müsste es hier auch Schläger geben. Schließlich fanden wir das Geschäft und in der Auslage gab es tatsächlich Tischtennisschläger. Leider hatte das Geschäft geschlossen. Die Kinder waren mittlerweile maulig, da es kalt war und sie echt Hunger hatten (wir hatten fast 14.00 Uhr!). Doris wollte gerade anrufen, als eine Frau mit nassen Haaren aus dem Fenster schaute. Sie komme gleich. Wenig später hatten wir dann 8 Schläger. Wir wollten jedem Jungen einen Schläger schenken und mit Namen versehen, so dass die Jungs auch etwas ganz persönliches hatten. Doris begleitete uns mit dem Taxi noch bis in die Innenstadt, da wir noch nach Pulli Ausschau halten wollten und wir gingen gemeinsam in ein peruanisches Restaurant Essen. Da Doris aus Peru kam, freute sie sich besonders über diese Idee. Als wir in La Paz waren, hatten wir dort bereits gegessen und es war echt lecker. Cayo trank zum letzten Mal sein geliebtes Inka Cola und wir aßen richtig lecker. Dann verabschiedeten wir uns von Doris. Den Weg zurück würden wir alleine finden.
Wir schlenderten durch die Marktstände, Silas fand bei einer alten Dame noch jede Menge uralter Münzen und wir kauften noch ein paar Kleinigkeiten ein. (Schokolade für Nikolaus am nächsten Tag für die Jungs).
Müde und kaputt machten wir uns auf den Heimweg, der viel, viel länger als geplant dauerte, da an der Teleferico eine riesige Schlange stand und wartete. Anscheinend wollte jder um diese Zeit raus aus La Paz. Wir trugen es mit Fassung. So kamen wir immerhin in den Genuß, La Paz und El Alto by Night von oben zu bewundern. Unglaublich, wie riesig die beiden Städte sind. Als wir dann müde und abgeschlagen, „schnell“ das Collectivo nehmen wollten, mussten wir feststellen, dass alle Collectivos in unsere Richtung voll besetzt waren. Uns blieb nichts anderes übrig, als ein gutes Stück weiter zu gehen, bis wir auf ein leeres Collectivo stießen. Mittlerweile war es recht spät, nach 20:30. Ursprünglich hatten wir gesagt, dass wir um ca. 19:00 wieder zu Hause wären. Nach dem Collectivo mussten wir uns ein Taxi suchen. Die Gegenend sah jedoch recht einsam aus. Silas entdeckte zum Glück am Straßenrand ein parkendes Taxi, das uns dann nach Hause brachte. Als wir am Tor klingelten, kamen gleich 4,5 Leute auf uns zu. Sie hätten sich schon Sorgen um uns gemacht. Müde, erschlagen und zufrieden kamen wir wieder an. Was für ein Abenteuer!