Das Viertel, in dem wir unsere Wohnung über Airbnb gemietet haben, ist eines der reichsten in Johannesburg. Ich habe seit meiner Reise nicht mehr so viele deutsche Autos auf den Straßen gesehen wie hier. Das Hilton ist in der Nähe und die Börse. Unsere Wohnung ist in einem Wohnkomplex untergebracht, der mit Mauern, Kamera und Elektrozaun hermetisch abgeriegelt ist. Am Eingang sitzt der Pförtner, der Herr über alle Ein- und Ausgänge ist. Als wir völlig kaputt und müde dort ankamen, versuchte Flo den Pförtner zu bitten, ob er kurz unserer Vermieterin anrufen könnte, da wir nicht mehr genügend Guthaben auf der Karte hatten. Diese Bitte überforderte den guten Mann sichtlich. Am Ende fragte Flo eine Bewohnerin, die gerade aus der Anlage ging und für uns anrief.
Wir konnten mit unserem Auto nicht in die Anlage fahren, da irgendein Schlüssel fehlte. Es genügte nicht, dass unsere Vermieterin beteuerte, dass wir hier für 1 Woche wohnen würden. Als parkten wir brav draußen und warteten, bis wir durch das kleine Tor eingelassen wurden. Dabei blieben wir immer höflich und grüßten.
Als wir mitten beim Abendessen saßen, klopfte es an der Tür und der Pförtner stand vor uns. Das Auto könne nun innen in der Anlage geparkt werden.
Flo bedankte sich und wollte wieder an den Tisch zurück. „Nein, das Auto müsse sofort umgeparkt werden.“ Also ließ er sein Essen stehen und stapfte mit dem Pförtner ins Dunkel.
Am nächsten Tag, unser letzter in Johannesburg, wollten wir gerade aus der Anlage fahren, als ein wutentbrannter Pförtner vor uns stand: „Warum wir denn überhaupt in der Anlage seien. Er hätte doch gesagt, dass dies nicht erlaubt sei.“ Es handelte sich nicht um den Pförtner von gestern, der uns hereingelassen hatte. Also versuchten wir mit aller Freundlichkeit und Ruhe dem Mann zu erklären, was gestern war. Der Pförtner konnte es nicht fassen und schüttelte den Kopf. Er griff zum Hörer und telefonierte eine Weile, dann öffnete er das Tor. Bei unserer Rückkehr, wir hofften inständig, dass der Pförtner von gestern da sein würde, was natürlich nicht der Fall war, fragten wir ihn nochmals in aller Freundlichkeit, ob wir in die Anlage fahren dürften, um unser Gepäck einzuladen. Diesmal schien der Pförtner besser gelaunt zu sein und ließ uns problemlos herein.
Und die Moral von der Geschicht: einfach immer nur Ruhe bewahren, freundlich sein, lächeln und niemals, niemals diskutieren oder mit logischen Argumenten kommen. Das geht völlig schief. Wir waren einige Male verscuht, anzusetzen, um nach deutscher Manier zu erklären. Wie schön, dass das Leben einem immer wieder die Lektionen vorsetzt, die man zu lernen hat.