Es gibt Worte, die erinnern uns an traumatische Eregnisse. Ein Wort ist DHL Express! Da Flo sein Handy in Peru mit deutscher Sim-Karte verloren hatte, brauchte er unbedingt seine deutsche Ersatzkarte. Da wir ja ständig unterwegs sind und keinen „festen“ Wohnsitz haben, hatte Franzi die Idee, ein Päckchen per DHL Express zu schicken und am Flughafen zu hinterlegen. Wir hatten bereits schon einmal versucht, Post zu bekommen (Nachschub von unseren Globuli nach Galapagos zu senden. Dort waren wir ja in Puerto Ayora einen Monat. Dies hatte jedochnicht geklappt). Hört sich ganz einfach an. Wir kommen am Flughafen in Johannesburg an, schauen schnell bei DHL vorbei und nehmen den Brief in Empfang. In der Praxis sah es jedoch anders aus. Mit dem Mietwagen fuhren wir ins Cargozentrum, um das Päckchen abzuholen. Es müsste theoretisch schon längst abholbereit sein. Im Cargozentrum liegt es jedoch noch nicht vor – der Brief ist gerade in Frankreich. Ist ja nicht schlimm, wir sind ja 7 Tage in Johannesburg. Immerhin haben wir eine Tracking Nummer. Wir kaufen uns in Südafrika nun eine SIM-Karte, um Internet zu haben und wenigstens das Nötigste zum Kommunizieren zu haben, da unsere Wohnung leider doch kein Wifi hat. Als wir unsere Sim-Karte kaufen, sehen wir eine DHL-Station. Nichts wie hin und fragen, wo der Brief abgeholt werden kann. Mittlerweile sind schon ein paar Tage vergangen. Wir erfahren, dass der Brief beim Zoll hängt und bekommen die Telefonnummer vom Zoll, um uns dort zu melden. Nun beginnt eigentlich erst die nervenaufreibende Geschichte. Flo entwickelt ein neues Morgenritual. Ab 7:30 kann man am Zoll anrufen. Dort fragt er täglich, was sein Päckchen macht. Wir erfahren, dass wir einen Südafrikanische Passnummer vorweisen müssen, damit das Päckchen weitergereicht werden kann. Das Problem ist nur, dass wir ja Deutsche sind. „Und wie soll das gehen?“ fragt Flo pragmatisch den Zollbeamten. „Fragen Sie einfach irgendjemand!“. Unsere Vermieterin wollte sowieso bei uns vorbeikommen, um nach dem nicht vorhandenen Wifi zu sehen. Wir fragen sie, ob sie uns ihre Passnummer geben könnte. Leider ist sie Protugiesin! Aber sie wollte einen Freund mitbringen, der Südafrikaner ist. Wir warten also, bis zum vereinbarten Zeitpunkt, doch niemand taucht auf. Nun müssen wir einfach irgendjemand fragen. Flo findet den „irgendjemand“ an der Pforte (nein, es ist nicht der Pförtner!), der gerade in den Wohnkomplex hereinkommt und uns seine Passnummer mit einer Selbstverständlichkeit überlässt.
Geschafft! Zumindest die erste Hürde. Nun kommen die weiteren. Nachdem der Zoll die Passnummer hat, stellen sie fest, dass wir auf die Waren noch Mehrwertsteuer zahlen müssen. Nun kommt der schwierigste Teil. Das Formular und die Rechnung an Flos Mailadresse zu senden. Sage und schreibe fünfmal ruft Flo nacheinander beim Zoll an, um seine Mailadresse zu buchstabieren und zu korrigieren. Natürlich ist auch immer ein anderer Zollbeamter am Apparat. In Flos Verzweiflung fallen ihm nicht mehr die Buchstaben ein und ich plappere im Hintergrund das Alphabet mit „V wie , wie V, …“ „wie Victory“ sage ich. Man kann sich gar nicht vorstellen, wie viele Möglichkeiten es gibt, Flos Mailadresse falsch zu schreiben. Völlig entnervt, googelt Flo nach dem internationalen Morsealphabet, um besser kommunizieren zu können. Jedes Mal sagt er seinen Spruch auf, ich bin fasziniert darüber, mit welcher Engelsgeduld er erklärt, dass er seine Mailadresse checken möchte. Mit dieser Aktion wäre Flo mit Sicherheit Callcenter-Mitarbeiter des Jahres geworden. Und dann endlich, die Mail ist wirklich bei Flo gelandet! Wir jubeln, freuen uns… Zwischnezeitlich haben wir es fast aufgegeben, daran zu glauben den Brief jemals in unseren Händen zu halten. So, nun schnell überwiesen, denn die Zeit löuft uns so langsam davon. Mittlerweile haben wir sogar Wifi in der Wohnung! So können wir den Brief tracken. Doch der hängt immer noch im Clearance. Was ist los? Flos tägliches Morgenritual bringt uns leide rnicht weiter. Keiner kann uns helfen. Unseren Mietwagen für den Krüger Park holen wir am Flughafen ab. Wir beschließen, dass wir einfach am Cargozentrum vorbeifahren und schauen, ob es da ist. Flo rief nochmals an, um zu fragen, wo denn nun genau das Päckchen sei. „Nein, ich will das Päckchen mir nicht nachschicken lassen, ich verlasse heute Johannesburg!“ Am Cargozentrum ist es nicht. Mehrere Leute schauen sich die adresse an, die Flo gesagt bekommen hatte. Also machen wir einen weiteren Abstecher und lernen den Johannesburger Flughafen kennen, so wie es sonst kein Tourist tut. Die Kinder sind mittlerweile sichtlich genervt und das Wort DHL löst bei uns allen große Genervtheit aus. Wir stehen dann endlich vor einem winzigen Büro irgendwo am Ende der Welt und warten und hoffen, dass Flo den ersehnten Brief endlich mit dabei hat. Das Warten dauerte gefühlte Ewigkeiten. Schließlich und endlich kommt Flo mit dem Brief freudestrahelnd an. Halelujah!Der Brief ist endlich bei uns. Nach fast 2 Wochen! Das nennt man hier „Express“. Wir öffnen ihn und alles ist da. Die Globulifläschen wurden aufs genaueste untersucht, denn die Umverpackungen sind einfach aufgeriessen worden. Aber alles ist da! Was für ein Jubel! Einen Riesendank an Franzi fürs Organisieren und Schicken! Und nun wissen wir auch, wofür wir das internationale Morsealphabet brauchen können.