Wir haben zweimal bisher einen Sunset Drive mitgemacht, d.h. dass ein Ranger mit uns mit dem Bus durch den Park fährt und nach Tieren Ausschau hält. Es ist schon unglaublich, was für ein Blick so ein Ranger hat. Da ist nur ein wniziger Punkt am Horizont und wir erfahren, dass dort ein Elefant ist. Von den Rangern haben wir viele Dinge erfahren:
Wohnraum ist knapp. Auch im Kruger Park, auch bei den Tieren. Und so kommt es, dass beispielsweise das Erdferkel und das Warzenschwein eine WG bilden. Da die beiden zu unterschiedlichen Zeiten aktiv sind, sich nicht gegenseitig auffressen und ungefähr das gleiche Platzbedürfnis haben, bietet sich so eine Konstellation an. Nachts, wenn das Erdferkel aktiv ist, kommt das Warzenschwein in die Erdhöhle und schläft. Wenn das Erdferkel dann müde ist und seine Ruhe braucht, ist es Tag und das Warzenschwein überlässt dem Erdferkel seine Wohnung.
Es gibt auch das Modell, Wohnunraum zu recyceln. Das funktioniert so, dass verlassene Termitenhaufen anschließend von Erdhörnchen oder ähnlichen kleinen Tieren bewohnt werden. Termitenhaufen sind so fest wie Zement. Da kann ein Elefant den Termitenhaufen auch mal als Kopfkissen nutzen, ohne dass das Gebäude zusammenstürzt. Die Erdhörnchen besetzten quasi die leerstehende Hütte und bohren sich Ein- und Ausgangslöcher. Man erkennt also an den vielen Löchern in den Termitenhaufen, dass sie nicht mehr von Termitten bewohnt werden.
Termiten an sich sind schon sehr ungewöhnlich. Sie leben nämlich so um die 25 Jahre, so lange wie kaum ein anderes Insekt. In dieser Zeit sind sie recht fleißig und bauen ihren Termitenhaufen, der auch schon mal höher als ein großer Busch sein kann. Unglaublich, was so kleine Tiere alles bauen können.
Wie man Termitenhaufen als Kompass nutzen kann. Termitenhaufen gibt es jede Menge im Park. In allen Formen und Größen. Die roten Türme ragen überall heraus und sind manchmal größer als Büsche und Bäume. Termitenhaufen bestehen aus der rotbraunen Erde und dem Speichel der Termiten. Da hier im Park die Sonne vom Norden kommt, trocknet die Erde auf der nördlichen Seite schneller als der Rest. So kommt es, dass sich die Termitenhaufen immer ein wenig nach Norden neigen.
Giraffen sind wunderschön und so grazil, wenn selbst, wenn sie rennen, sieht das edel aus, so, als ob sie in Zeitlupe rennen würden. Und dann diese gigantischen Wimpern! DAS Model für Wimperntusche. Dass da die Werbeindustrie noch nicht drauf gekommen ist? Giraffen sehen immer so aufmerksam auf, wie sie so aufrecht dastehen. Da war ich wirklich überrascht, als die rangerin erzählte, dass Giraffen nur 1,5 Stunden am Tag schlafen und dies aufgeteilt in 5-Minuten Abschnitten. Die Giraffe ist quasi der Power-Napper schlechthin. Und in der übrigen Zeit ist die Giraffe damit beschäftigt, zu fressen.
Kruger kulinarisch kalorienfrei! Es gibt einen Busch im Krugerpark, der abends nach frischem Kartoffelpüree duften soll. Das sagte zumindest der Ranger. Gerochen habe ich es selbst noch nicht, da wir nicht bei der Dämmerung am Busch vorbeigefahren sind. Ich kann mir jedoch gut vorstellen, so einen Busch im Garten zu haben und abends dann nur ein paar duftenden Zweige auf den Abendbrot-Tisch zu stellen, um für eine gute kulinarische Stimmung zu sorgen. Ich befürchte jedoch, dass ich dann zukünftig wesentlich mehr Kartoffelpüree selbst machen müsste.
Einige Pflanzen im Kruger Park sind auch recht nützlich. Beispielsweise wenn mal auf Toilette im Busch muss. Man soll im Park nicht aus dem Auto steigen, sondern nur an ausgewiesenen Stellen und es gibt auch etliche Picknickplätze, die alle eine Toilette haben. Für den Fall jedoch, dass es nicht mehr reicht, kann man als Toilettenpapier die Blätter eines Baumes nehmen, der kleine gelbe Blüten hat. Denn die Blätter sind samtweich, wie fünflagiges Toilettenpapier.
Warum der Schmetterlingsbaum, Schmetterlingsbaum heißt und superschlau ist. Im Kruger Park gibt es sehr viele Mopanibäume. Mopani bedeutet Schmetterling und das hat auch seinen Grund. Wenn man sich die Bläter ansieht, wird einem schnell klar, warum er Schmetterlingsbaum heißt. Die Blätter sind zweigeteilt und sehen wie Schmetterlingsflügel aus. In der Mitte der beiden Blätter ist ein winziger schwarzer Punkt. Das ist sozusagen das „Gerhirn“ des Blattes. Wenn die Sonne zu stark scheint, dann veranlasst der schwarze Punkt, dass sich das Blatt zusammenklappt, damit nicht so viel Wasser verdunsten kann.