Ein Bad in der Menge

Wir hatten beim Fährticketkauf bereits gesehen, dass es am Hafen sehr chaotisch zuging. Wir wollten ein gutes Stück vorher am Hafen sein, bevor die Fähre abfährt. Als gute Deutsche waren wir fast 3 Stunden vorher da. Überall standen und saßen Menschen mit viel Gepäck herum. Nur sehr, sehr vereinzelt sah man drei, vier weiße Touristen. Wir wurden sehr neugierig mit all unserem Gepäck beäugt. Während Flo sich erkundigte, ob wir unser Gepäck eincheckten mussten, saß ich mit den Kindern in einer Ecker, unser Gepäckberg hinter uns. Nach 2 Minuten gesellte sich eine tansanische Großfamilie zu uns. Da es so wenig Platz hatte, setzte sich die Großmutter nur eine handbreit neben mich. Ein seltsames Gefühl für mich. Ich lächelte sie an und meinte Guten Morgen und Wie geht’s. Die Großmutter begann daraufhin ein Gespräch mit mir. Gar nicht so einfach, denn mein Swahili ist doch mehr als beschränkt. Da hilft nur eines: Lächeln! Eine der Enkeltöchter war nur ein paar Monate alt und auf dem Arm der Mutter. Cayo war ganz geschockt, denn die Kleine, die noch nicht mal laufen konnte, trug bereits ein Kopftuch, so dass nur ihr Gesicht zu sehen war. Auf Sansibar sind fast 100% der Bevölkerung muslimisch.

Nachdem Flo herausgefunden hatte, dass wir mit dem ganzen Gepäck und ein gutes Stück weiter anstellen mussten, machten wir uns auf durch das dichte Gedränge. Zum Glück gibt es hier Gepäckträger, denn ohne die wären wir wirklich verloren gewesen. Ich hatte die kleinen Rucksäcke und war mit Silas zusammen. Flo hatte Caxo im Blick und die Tickets mit den Reisepässen. Das Gedränge wurde immer dichter und dann sahen wir, dass wir durch ein winziges Tor durchmussten, an dem Pass und Tickets kontrolliert wurden. Doch anstatt, dass sich alle in einer Schlange aufstellten, drängten, drückten und schoben die Leute von allen Seiten. Dazu hatte jeder noch sein Gepäck dabei: auf dem Kofpf, neben sich, als Rucksack auf…. Je näher wir zum Tor kamen, desto stärker wurde das Gedränge. Flo und Cayo waren vor uns und passierten das Tor. Ich bekam ein wenig Panik, da die Drängerei immer stärker wurde und eine Frau nicht durchgelassen wurde. Sie musste zurück und versuchte sich einen Weg durch die Menge zu bahnen. Mir war klar, wenn hier einer in Panik gerät, dann werden wir alle plattgedrückt. Es war gar nicht so leicht, diese Gedanken aus dem Kopf zu bekommen, denn in der Menge war es sehr stickig und bereits über 30 Grad heiß. Als wir dann endlich am Tor ankamen, wir wurden durch die Menge, die seitlich reindrückte, immer wieder nach hinten gedrängt, standen wir ohne Ticket und Pass da. Zum Glück war Flo relativ schnell zu Stelle, damit wir kontrolliert werden konnten. Uff geschafft! Nun „nur“ noch das Gepäck einchecken und dann setzten wir uns in den Wartesaal. Da war es schattig und feiner Wasernebel wurde versprüht. Manchmal ist es ganz gut überpünktlich zu sein, denn unsere Fähre fuhr 45 Minuten früher als angekündigt ab. Und das ganze Gedränge, bis wir endlich in den Warteraum konnten, dauerte eine Ewigkeit. Auf die Fähre passen 600 Passagiere und es gibt verschiedene Klassen. Wir hatten für 35 $ pro Nase die Economy Klasse gebucht. Als es ans Einsteigen ging, setzte sich die Menge wieder in Bewegung. Diesmal ging es etwas geordneter von statten. Die Fähre sah recht modern aus. Im Innern gab es Klimaanlagen und es war herrlich kühl. Wir suchten uns einen Platz aus. Ich sah, wie einer der Kontrolleure, die Leute von den Plätzen scheuchte, denn dort wo wir saßen, war keine Economy klasse. Die war draußen im Freien. Also packten wir unsere 7 Sachen und wanderten nach oben. Dort war alles heillos überfüllt. Frauen, Kinder, Gepäck, alles stapelte sich: auf den Sitzen und überall auf dem Boden. Die haben die 600 Plätze einfach verkauft, ohne drauf zu achten, wann die Economy Klasse voll ist. Kurzer Hand gingen wir wieder runter ins Kühle und setzten uns dort hin, in der Hoffnung, nicht kontrolliert zu werden. Da hatten wir als Weiße dann dich einen Vorteil. Unser Kontrolleur wollte auch gar nicht unsere Tickets sehen. Was für ein Glück.

Die Fahrt selbst war sehr angenehm und die Fähre, die ein Katamaran war, fuhr wirklich recht schnell. 32 Knoten stand auf dem Schild.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert