Sansibar war einer der größten Umschlagplätze für Sklaven und Elfenbein. Früher war es oft so, dass die Person, die sich einen Stoßzahn kaufte, einen Sklaven dazubekam, quasi als Geschenk zum Tragen. Bis 1909 gab es auf Sansibar noch Sklavenhandel. Die Portugiesen begannen mit dem Sklavenhandel, der dann vom Sultan von Oman weitergeführt wurde. Mit vielen Fotos wurde sehr eindrücklich erklärt, was es damals bedeutete Sklave zu sein und die Schicksale einzelner Skalven wurden beschrieben. So wie die Geschichte von Cypriani Asmani, eines sechsjährigen Jungen, der aus der Sklaverei fliehen wollte, leider bei seinem Fluchtversuch erwischt wurde. Als Bestrafung bekam er ein 16 kg schweres Gewicht um seinen Hals gekettet, das er nur bewegen konnte, indem er es auf seinem Kopf trug. Über ein Jahr musste er damit leben, bis ihn schließlich im Juli 1895 ein Missionar befreite.
Die versklavten Menschen hatten ein schweres Schicksal zu erleiden. In der Regel wurden sie 2 Tage bevor sie auf dem Sklavenmarkt verkauft wurden in eines der Verliese gesperrt, die wir besichtigen konnten. Es waren steinerne Verliese, mit einer kleinen Schießscharte als Fenster. Mit dem Guide und wir vier fühlte ich mich schon sehr beengt. Die Decke sehr niedrig und in der Mite war ein kleiner Kanal für die Fäkalien. Normalerweise wurden hier 75 Frauen mit ihren Kindern eingepfercht. Unvorstellbar. Sie bekamen weder Wasser noch Nahrungsmittel. Seitlich gab es Löcher, durch die bei Flut das Meerwasser eindrang und dann die Fäkalien aus der Rinne wegspülte. Das Wasser konnte recht hoch werden. Vieloe von ihnen starben während dieser Zeit vor Durst, Hunger oder erstickten.
Vor dem Verkauf wurden die Sklaven ausgepeitscht, um zu sehen, wie stark und gesund sie waren. Diejenigen, die überlebten und standhaft blieben, nicht schrieen wurden für einen höheren Preis verkauft als die anderen. Zum Auspeitschen benutze man den Stachel eines Rochens. Die Kinder und Babys wurden von ihren Müttern getrennt. Die ganz kleinen Kinder und Babys wurden am Brunnen ertränkt und dann in einen Graben geworfen. Die etwas gößeren Kinder blieben sich selbst überlassen bzw. wurden als Kindersklaven verkauft. Ihr Preis war sehr gering, da es so viele davon gab. Heute steht eine Kirche auf diesem Platz und dort, wo der Brunnen stand, ist nun das Taufbecken. Der Graben, in dem die Kinder geworfen wurde, ist in der Kirsche ein langer ca. 20c, breiter schwarzer Strich, der durch die Kirche verläuft. Als unser Guide uns dies erzählte, hatte ich ein sehr beklemmendes Gefühl und war froh, dass Flo für die Kinder übersetzte. Die Kinder konnten es einfach gar nicht glauben, dass so etwas passieren konnte, dass Menschen so etwas anderen Menschen antun konnten, eine solche Sichtweise hatten, dass schwarze Menschen keine Menschen waren.
David Livingston, der schottische Forscher und Missionar, setzte sich sehr für die Abschaffung der Sklaverei ein. In England war die Sklaverei abgeschafft und Livingston war schockiert, dass Amerika, Frankreich, Holland und die Araber immer noch Sklavenhandel betrieben. Er bekam von England die Unterstützung, den Sklavenhandel in Afrika zu beenden. Als er auf seiner letzten Expedition auf der Suche nach der Quelle des Nils an Malaria erkrankte, bat er seine beiden Begleiter, James Chuma und Abdullah Susi, die er aus der Sklaverei befreit hatte, seine letzten Wunsch: dass er in Afrika begraben wird. Einer der beiden war früher Arzt und nach dem Tod von Livingston, öffnete er den Leichnam, um sein Herz zu entfernen und unter einem nahe gelegenen Baum zu begraben. So erfüllten sie ihm seinen letzten Wunsch. Die beiden balsamierten Livingston ein und trugen ihn von Simbabwe tausende von Kilometer bis nach Sansibar. Von dor aus wurde er nach England überführt und im Westminister Abbey als Nationalheld beigesetzt. In der Kirche hier auf dem alten Sklavenmarkt hängt ein Holzkreuz, das aus einem Ast des Baumes geschnitzt wurde, unter dem Livingston begraben wurde.
Am längsten blieben wir im letzten Raum. Dort wurde veranschaulicht, wie moderne Sklaverei aussieht und wo sie vor allem zu finden ist. Wir standen sehr lange vor der Weltkarte und schauten uns an, wo die Sklaverei heute am weitesten verbreitet ist. Die Kinder waren einfach nur schockiert, stellten tausend Fragen und versuchten, Lösungen zu finden.
Moderne Sklaverei ist beispielsweise oft in der Textilindustrie verbreitet. Als wir dann mal schauten, aus welchen Ländern unsere Kleidung stammte, die wir anhatten, war sie zu 80% aus China. Ich war ganz überrascht, als ich sah, dass die Hose, die ich im Souk gekauft hatte, made in Zanzibar war. Wir diskutierten noch lange darüber, was wir als „kleine Leute“ denn machen könnten, um etwas zu verändern. Zum Beispiel Klaidung zu kaufen, die nicht unter solchen Bedingungen hergestellt wird. Silas war Feuer und Flamme, zu recherchieren, welche Kleidung denn überhaupt fair produziert wird. „Das müssten doch alle Leute wissen, damit sie etwas dagegen unternehmen können.“
Der Vormittag im Museum war für uns alle ein wichtiges Erlebnis und or allem die anschließende Diskussion. Es ist mir wieder so richtig klar geworden, dass die Kinder auf unserer Weltreise fürs Leben lernen. Ich bin mir sicher, dass all das, was sie geehen und gehört haben, ganz anders in ihren Kopfen ist, als wenn sie das Thema in der Schule durchgenommen oder einen Dokumentarfilm angesehen hätten.