Aus alt mach neu

Während Silas und Cayo in ihrem „Sportladen“ sich Trikots und Hosen ansahen, saß ich am Straßenrand und beobachtete das Geschehen auf der Gasse. Gegenüber saß ein alter Mann an einer noch älteren Singer Nähmaschine, die er mit dem Fuß über einem Lederkeilriemen antrieb. Ich war fasziniert. Dann fiel mir plötzlich ein, dass sich mein Känguruhbeutel, den ich von zu Hause mitgenommen hatte und der bereits uralt war, so langsam aber sicher auflöste. Eigentlich wollte ich ihn in nächster Zeit entsorgen und mir dann einen Neuen kaufen. Während der Reise ist mir jedoch aufgefallen, wie sinnvoll es ist, lieber Altes weiterzuverwenden statt Dinge wegzuschmeißen. Unschließlich ist das Teil ja noch ganz gut, nur die Nähte gehen langsam auf. Schüchtern ging ich auf den Mann zu und fragte ihn auf Englisch, ob er den Beutel reparieren könnte. Ich zeigte ihm die kaputten Nähte. Er lächelte und nahm den Beutel entgegen. Mit größter Sorgfalt schaute er sich alle Nähte an und entdeckte fehlende Nähte, die mir gar nicht aufgefallen waren. Als er nach 15 Minuten fertig war, hatte ich einen Beutel in der Hand, der besser verarbeitet war wie je zuvor. Ich fragte ihn, ob ich seine Nähmaschine fotografieren dürfte. Freudestrahlend stand er am Ende auf , damit ich seine Maschine in voller Größe aufnehmen konnte. Anfangs hatte ich ihn gar nicht verstanden. Erst als der benachbarte Ladenbesitzer übersetzte, verstand ich ihn. Mit dem neugenähten Beutel in der Hand freute ich mich wie ein Schneekönig. Eines ist sicher, DEN Beutel werde ich mit Sicherheit wieder nach Deutschland bringen. Jetzt habe ich ihn richtig lieb gewonnen und ein schlechtes Gewissen, dass ich ihn einfach ausmustern wollte.

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