wenn man in Afrika unterwegs ist, dann hat man etwas zu erzählen. Wir auch! Ich war sehr froh, dass uns ein Busunternehmen empfohlen wurde, mit dem wir nach Nairobi fahren wollten. Ich war gaz guter Dinge, als ich den Bus sah. Er sah recht ordentlich aus, das Gepäck wurde auf das Dach gespannt und mit einer Plane befestigt. Jeder bekam einen zugewiesenen Sitzplatz. Ich war mal wieder froh darüber, nicht allzu groß zu sein, so dass ich meine Beine nicht vor mir falten musste, denn von Beinfreiheit war keine Spur. Flo streckte seine Beine einfach in den Gang. Um 8.01 fuhren wir los. Ich war beeindruckt über die Pünktlichkeit, die ich in den letzten Monaten unserer Reise selten erlebt hatte. Nach ein paar Minuten Fahrt hielten wir an, um noch weitere Passagiere mitzunehmen. Nach 20 Minuten hielten wir dann ca. 30 Minuten – wir hatten keine Ahnung warum. Später, als dann ein Mann einstieg und sich auf Englisch und Swahili entshculdigte, dass die Verspätung nicht durch ihn kam, denn der Bus hatte am falschen Hotel gewartet, war mir klar, warum wir bereits 45 Minuten später dran waren als geplant. Hakuna matata. Immerhin sind die Sitze bequem. Was will ich mehr. An der Fensterscheibe zog die Landschaft an mir vorüber; grüne Berge, am Straßenrand Kühe und ihre Kuhhirten, Menschen, die auf dem Feld arbeiteten, nur mit einer Hake in der Hand. Ein Bauer, der mit seinem Ochsen das Feld pflügte. Ich war in einer anderen Welt. Und dann sah ich ihn, ganz schön majestätisch: der Kilimanjaro war hinter einem Nebel nur leicht zu erkennen. Imposant, wie er da so liegt. Da spürte ich mal wieder meine eigene Kleinheit und wie unwichtig, doch so ein einzelner Mensch doch ist, der jedoch denkt, er sei der Mittelpunkt der Welt. Große Dinge zu sehen, rücken einen wieder in das richtige Licht und ich wurde sehr gelassen. Als es Richtung Grenzübergang ging, würde ich nervös, da ich nicht wusste, ob alles mit dem Visum glattgehen würde. Ich hatte ja bereits ein E-Visum beantragt jedoch nicht erhalten. Was wäre, wenn sie feststellen, dass ich ein doppeltes Visum beantragt hätte? Erstaunlicherweise ging alles glatt.
Mittlerweile war es auch gut heiß geworden und im Bus konnte man teilweise das Fenster öffnen (Klimaanlage gab es keine). Mein Fenster konnte ich nicht öffnen und so wurde es doch recht stickig. Als wir endlich in Richtung Nairobi fuhren war ich sehr erleichtert. Ich hatte mir die Fahrt viel holpriger vorgestellt. „Jetzt schnell in unsere Wohnung, eine Dusche nehmen und einfach nur ausruhen.“ So waren meine Gedanken. Wir fuhren jedoch zuerst zum Flughafen. Am Eingang mussten wir alle ausstiegen, Personenkontrolle und dann durften wir wieder einsteigen. An einem der Hotels wurde ein Passagier abgesetzt. Und so tuckerten wir nun um Nairobi und in Nairobi herum. Die Kinder hatten die Fahrt wunderbar überstanden. Durch das Rumgegurke durch Nairobi wurden auch sie langsam angeäst, denn im Bus zu sein, war alles andere als angenehm bei der Hitze. Es gab Momente auf der Reise, da wollte ich einfach gerne nur in Deutschland sein. Einfach ankommen, alles ist geregelt, man weiß, was auf einen zukommt. Das hat gar nichts mit Heimweh zu tun, sondern einfach damit, wieder einen organisierten Alltag zu haben. So einen Moment hatte ich im Bus. Als ich Flo gestand, wie gerne ich nun in Deutschland wäre, meinte er lächelnd, dass es ihm genausi ginge. „Wir sind ja bald da“ war mein Mantra im Bus. Als wir dann nach fast 2 Stunden Rumgeeiere in Nairobi an einem Hotel hielten, meinte der Busfahrer, dass wir hier aussteigen sollten und mit dem Taxi weiterfahren. Gesagt getan. Immerhin war es im Taxi kühler und die Wohnung war zum Greifen nah. Als wir dann dort ankamen, waren wir vor einem großen Tor und wurden angewiesen, auf dem Parkplatz zu warten. Flo zückte das Handy, um die airbnb Adresse zu zeigen und den Host zu kontaktieren. „Der Mann ist gerade nicht da. Wir können sie so nicht reinlassen.“ Also packten wir die Sachen aus dem Taxi und warteten im Schatten. Wir waren in eine Dorfgemeinschaft einer Indischen Glaubensrichtung gekommen. Alle Männer liefen mit langen Bärten und Kaftanen herum. Die Kinder und ich waren kurz davor auszuflippen. Flo versuchte eine Möglichkeit zu finden, um wifi zu haben, damit der den Host kontaktieren konnte. Während er in der Gegend umhersuchte, kam eine bärtiger Kaftanträger auf mich zu. Er wohne in M8. Flo war dann auch da und es stellte sich heraus, dass es der Vater des Hosts war. Nach einer Weile kam der Host dann auch, um uns dann zu sagen, dass er ausgebucht wäre und wohl vergessen hätte, die Wohnung zu canceln! Als ich das hörte, hätte ich mir am liebsten einen Baseballschläger geschnappt und den Typen niedergeschlagen. Wie sollte ich das den Kids beibringen. Die waren fix und fertig. In meiner Not schaute ich in der Essenstasche nach und fand die kostbare Tüte Haribo Saftbären, die wir neulich im westlichen Supermarkt in Arusha gekauft hatten. Die Rettung! Wir teilten uns die kostbaren Bören untereinander auf und die Stimmung war nicht mehr ganz so im Keller. Ich weiß nicht, was wir gemacht hätten, wenn wir keinen Zuckerschock zugeführt hätten, der unsere Aggressionen beruhigte. Dem Host war es sichtlich peinlich und er wollte uns ein Guesthouse vorschlagen, das in der Nähe wäre. Da war bei mir das Faß zum Überlaufen gebracht. Ich hatte mich so auf eine Wohnung gefreut, in der wir für uns sein können und endlich mal nach über 3 Wochen auch mal wieder selbst kochen können. „Nein, da gehen wir nicht hin! Ich will in einer Wohnung!“ Der arme Flo, nun hatte er auch noch mich an der Backe, die hier aufmüpfig war. Wir suchten weiter auf airbnb und fanden etwas ganz in der Nähe. Die Dame, die die Wohnung zur Verfügung stellte, konnten wir nicht erreichen, sie hatte jedoch eine automatische Bestätigung geschickt. Wir überredeten den Host, dass es uns dorthin fährt. In der Zwischenzeit waren die Kinder wieder beruhigt, da sie das Passwort für das Wlan hatten und erst einmal ausgiebig surften. Wir fuhren dann los in Richtung neues Zuhause. Nach der Hälfte bekamen wir einen Anruf. Die Dame ist gerade gar nicht in Nairobi un dkann uns daher die Wohnung gar nicht zur Verfügung stellen. Über das Internet des Hosts fanden wir dann etwas neues, etwas weiter weg. Ich war mittlerweile so weich, dass ich auch irgendwohin gegangen wäre, hauptsache ein Dach über dem Kopf und für den nächsten Tag uns dann eine neue Bleibe gesucht hätte. Nach einer kurzen Weile bekamen wir von der Dame Antwort, dass wir sofort kommen könnten, das Haus stünde für uns offen. Der ganze Kilimanjaro fiel mir bei dieser Aussage vom Herzen. Ich betete wirklich, dass es diesmal klappen müsste, alle guten Dinge sind drei! Als wir dann in das Tor einbogen und Jackie, unsere Gastgeberin da war, konnte ich sie nur mit den Worten begrüßen: „Sie sind wahrhaft ein Engel!“ Ich konnte es gar nicht glauben, dass wir nun ein Dach über dem Kopf hatten und noch dazu so eines. Wir haben jetzt für 1 Woche ein Haus für uns alleine. Mit einer Küche, Kühlschrank, Backofen und Herd, ein Wohnzimmer, Bad und ein funktionierendes Wifi. Was kann ich mehr wollen! So viel Luxus hatten wir seit langem nicht mehr.
Zum Glük hatten wir noch Spaghetti und Tomatenmark aus Arusha da (Dort konnten wir nicht wirklich kochen), so dass wir abends sogar noch etwas Selbstgekochtes auf dem Tisch hatten. Das war zwar kulinarisch nicht erwähnenswert, wie sagte Silas: „Also die Tomatensauce schmeckt schon arh seltsam aber trotzdem supergut.“ Wenigsten etwas Heimat hier in der Fremde.