Im Davis Sheldrick Wildlife Trust, der sich vor allem um Elefantenwaisen kümmert, gab es immer wieder auch Nashornwaisen. Ein Waisenkind, das 2007 zum Wilslife Trust kam, Maxwell kam als Einjähriger zum Waisenhaus. Keine weiß, wo seine Mutter war. Er lief alleine durch den Park und wurde längere Zeit beobachtet, ob seine Mutter zu ihm kam, was aber nicht der Fall war. Als Maxwell untersucht wurde, stellte man fest, dass er auf beiden Augen blind war. Eine Operation, ihm sein Augenlicht wieder zurückzugeben, zeigt nur, dass es nicht möglich war. Und so ist Maxwell seitdem ein festes Mitglied auf dem Gelände. Er hat sein eigenes Gehege und kommt, wenn er mag, auch ganz nah an das Gatter, so dass man ihn sogar streicheln kann. Anfangs hatte ich es nicht für möglich gehalten, dass dies möglich sei. Ganz vorsichtig strich ich über die Haut und war überrascht, dass sie sogar um einiges weicher war, als die der Elefanten. Vor einem Nashorn habe ich nochmals einen ganz anderen Resoekt, vor allem wenn Maxwell seinen Kopf dreht und man acht geben muss, dass sein spitzes Horn einen nicht trifft. Obwohl Maxwell blind ist, sind seine Augen faszinierend. Es ist ein sehr erhebendes Gefühl, wenn man einem Nashorn so nahe ist.
Bevor ich nach Afrika kam, hätte ich nie geglaubt, dass ich so vielen wilden Tieren einmal so nahe kommen darf und dass dies möglich ist. Wenn man sich so ganz auf das Tier einlässt und eine Verbindung entstehen lässt, dann ist das ein ganz, ganz besonderes Gefühl, das mich nochmals demütiger vor der Schöpfung werden lässt. Auch wenn es pathetisch klingen mag, solche Begegnungen verändern nochmals die Perspektive. Es ist eben etwas vollkommen anderes über Probleme zu lesen oder zu hören, als direkt vor so einem betroffenem Tier zu stehen, vor Ort zu sein. Wenn wir eines mit unserer Reise geschafft haben, dann dies: eine andere Perspektive zu bekommen. Klar, dass wir von den Problemen bereits wussten, von der Ungerechtigkeit der Welt, der Schere zwischen Reich und Arm. Es schärft jedoch noch einmal ganz anders den Blick, wenn man Dinge mit eigenen Augen sieht und erlebt.


