Wir haben Kathamndu trotz des Smogs wirklich lieb gewonnen. An einem Tag wollten wir jedoch zum nahegelegenen Nationalpark, um dort ein wenig zu wandern. Im Park gibt es verschiedenen Tiere, die in der Regel jedoch nur in der Dämmerung zu sehen sind. Da man vom Nationalpark aus einen wunderbaren Blick hat und wir etwas Natur um uns herum brauchten, war das genau das Richtige für einen Halbtagesausflug. Wir brauchten eine Weile, bis wir einen Taxifahrer fanden, der uns dort hinbringen wollte. Letztendlich saßen wir dann in einem der winzigen Taxis und fuhren los – durch Viertel, die wir sonst nie gesehen hätten, sehr arme Viertel und dann wieder recht belebt. Es ging immer den Berg hoch. Die Straßen waren nicht befestigt, sondern voller Schlaglöcher, so dass man häufig nur im Schritttempo fahren konnte. An einer Stelle war die Brücke zusammengefallen (wohl vom Erdbeben her), so dass wir einen Schleich weg nehmen mussten, der sehr abenteuerlich war. Ich war beeindruckt, was dieses winzige Autos so ales konnte. Es war mit sicherheit kein 4-Radantrieb! Immer höher fuhren wir. Flo saß daneben, mit Googlemaps im Handy, um dem Taxifahrer den Weg zu zeigen. Der Taxifahrer meinte, dass es wohl sinnvoll sei, wenn er auf uns warten würde, damit wir auch wieder zurückkommen. Nachdem wir so abgeschieden die Berge hinaufuhren, fand ich den Vorschlag sehr einleuchtend.
Schließlich waren wir am Eingang des Nationalparks. Wir mussten aussteigen und für jeden Einzelnen von uns ein Formular doppelt ausfüllen. Es stellte sich dabei heraus, dass wir nicht alleine in den Park durften. So deklarierte sich unser Taxifahrer kurzerhand als Guide – das konnte man daran erkennen, dass er den Plan des Nationalparks in der Hand hielt. Das war wohl auch alles. Weder er noch wir hatten eine Ahnung, wie es nun weitergehen könnte. Wir fuhren noch ein gutes Stück die Berge hinauf, vorbei an Soldaten in Uniform. Hier oben war auch eine Militärschule. Irgendiwe ist es schon seltsam, wenn einem Soldaten mit Maschinengewehren entgegen kommen. Die Wege wurden immer enger und der Abgrund immer tiefer. Wir brauchten mal wieder jede Menge Schutzengel um uns herum. Ich glaube, die werden echt froh sein, wenn wir wieder in Deutschland sind, denn mit uns haben sie echt jede Menge Arbeit! Irgendwann beschloss unser Taxifahrer, dass es nicht weiterginge – was für ein Glück, wir konnten aussteigen und wanderten einfach mal los. Auf der Karte war nicht viel zu erkennen, wir nahmen den einzigen Weg, den es gab. Unser Taxifahrer wanderte mit uns mit und war nun plötzlich unser „Guide“; der jedoch mit der Karte in der Hand, hinter uns herwanderte. Ich glaube, dass er sich seinen Nachmittag etwas anders vorgestellt hatte. Und wir hatten auch eher mit einer Familienwanderung gerechnet. So wanderten wir nun eine Weile. Wir erfuhren, dass er zwei kleine Kinder hat und etwas außerhalb von Kathamndu wohnt. Nachdem uns patrouillierende Soldaten entgegenkamen und meinten, wir sollten eher woanders wandern, spazierten wir wieder zurück und fuhren mit dem Auto in eine andere Abbiegung. Flo und ich hatten unseren Ausflug in den Nationalpark bereits abgeschrieben. Nun ja, immerhin waren wir dem Smog in Kathmandu entkommen…. Wir stiegen aus und unternahmen einen letzten Versuch. Unser Guide blühte mit einem Mal auf, pflückte für uns Rhododentronblüten, die Nationalblume Nepals, und marschierte voran. An einem kleinen Seitenabzweig zu einem schmalen Pfad, wies er uns an, nach oben zu gehen, dort sei ein Flßu zu besichtigen. Unten stand ein Schild, das jedoch nur auf Nepali war. Also wanderten wir steil den Berg hoch. Die Kinder voraus, immer erpicht darauf, eine steilere Abkürzung zu nehmen, während ich ächzend hinterher trottete. Dann waren wir auch am Fluß. Durch den Wald waren die bunten Fahnen gespannt und über das Flüsschen gab es verschiedene Brücken, die nur aus Holzstöcken bestanden! Da konnte ich mal wieder aus meiner Komfortzone rauskommen als ich da drüber ging.
Was für ein schöner Ort. Unter einem kleinen Felsvorsprung war ein kleiner Altar aufgebaut, mit Blumen und allem, was man so den Göttern opfert. Die Kinder gingen hinunter zum Fluß und spielten dort ein wenig. Dann wanderten wir weiter, immer höher und höher. Unser Guide leichtfüßig voran und motivierte uns, weiterzugehen. Wir waren mittlerweile echt ko und der Berg war wirklich steil. Wir machten eine kurze Pause, denn es war inzwischen spät geworden und wir mussten den Park vor der Dämmerung verlassen haben. Wir hatten gar nicht bemerkt, wie weit wir gegangen waren, denn durch die Schönheit der Landschaft am Fluß, hatten wir fast alles um uns herum vergessen. Endlich waren wir wieder am Auto und konnten noch pünktlich wieder aus dem Park fahren. Was für ein schöner ausflug es war! Und wieder einmal habe ich gelernt, wenn ich loslasse („unsere Gedanken, den Tag einfach abzuschreiben“), dass dann plötzlich Platz für wunderbare Dinge ist (der kleine Trampelpfad zum Fluß).

