Nach dem gemeinsamen Frühstück draußen zogen wir alle los. Shamser hat abends im gemeinsamen Meeting vorher mit uns besprochen was ansteht und wofür er wieviel Leute braucht. Für mich ist das bisher das am besten organisierte Projekt, in dem wir mitarbeiten. Die Schule ist nicht allzuweit entfernt, es geht ein ganzes Stück steil nach unten. Immer wieder kommen uns ältere Kinder in Schuluniform entgegen, die uns auf englisch grüßen. Wir gehen an kleinen Hütten und Häuschen vorbei, grüßen die Menschen, die uns freundlich zulächeln und zurückgrüßen. Namaste, die Hände geschlossen vor der Brust. Selbst Leute, die schwere Sachen auf dem Rücken mit Hilfe eines Bands um der Stirn, tragen, deuten die Geste an. Ich hab schon ein schlechtes Gewissen, die Menschen zu grüßen. Es geht einige Steinstufen bergab, dann biegen wir ab, auf einen schmalen Pfad. Von weitem sehe ich die Nepalflagge im Wind wehen. Viele Kinder sind bereits da. Sie haben blaue Trainingsanzüge an, auf dem Rücken steht „Heaven Hill Academy“. Die Kinder begrüßen die Volontäre stürmisch. Es wird geredet, gespielt, eine schöne Stimmung herrscht hier. „What´s your name?“ Werden wir begrüßt. Hier in der Grundschule sind Kinder von 3 bis 12 Jahren, die hier die Chance haben, zur Schule zu gehen, auch wenn sie arm sind. Schulhefte, Bleistifte und Schulbücher stellt die Schule, so dass sie zur Schule gehen können.
Vom Schulhof aus sieht man direkt auf die Berge und ich fühle mich dem Himmel ein gutes Stück näher. Zuerst werden die Klassenräume sauber gemacht. Wir schütteln die Teppiche aus den beiden runden Hütten aus, in denen die Kleinen untergebracht sind. Oben sind die Klassenzimmer. Ein paar Kinder und Volontäre kehren die Klassenzimmer aus und leeren die Mülleimer.
Shamser stellt uns als neue Vollontäre vor, dann gibt es Musik und wird getanzt. Die Schule hier unterschiedet sich völlig von der Schule, die sonst in Nepal normal ist. Shamser möchte einen Ort schaffen, an dem die Kinder gerne zur Schule gehen und sich auch ausprobieren können. So können Kinder, die Lust haben, vorne zur Musik vortanzen, während die anderen nachtanzen können. Zuerst gibt es ein paar nepalische Lieder, zu denen verschiedene Kinder tanzen. Später dann englische, wie Head and shoulder knees and toes, welcome back to school, … Dann kommt ein Kind nach vorne, eine Trommel in der Hand. Die Kinder stellen sich in Reihen auf und machen auf Kommando, was gesagt wird. Stillstehen, rühren, Arme nach oben,…. Für mich wirkt das etwas befremdlich und auch militärisch.
Die Lehrer gehen durch die Reihen und schauen, ob die Kinder saubere und kurze Fingernägel haben und ihre Haare nicht zu lang sind. Ich bin gottfroh, dass unsere Kinder gerade nicht in der Reihe stehen….
Einige Kinder kommen später. Sie werden nicht zurecht gewiesen, denn einige von ihnen haben einen Fußweg von über einer Stunde.
Am Ende wird die Nationalhymne gespielt, die alle Kinder auswendig und voller Stolz singen. Es ist eine sehr schöne Melodie.
Dann gehen die Kinder einzeln, die Hände hinter dem Rücken in ihre Klassen und werden durchgezählt.
Wir lernen die Lehrer kennen und sind dann in einer der Klassen zur Assistenz. Die Kinder sind neugierig und wollen uns kennen lernen. In Englisch korrigiere ich die Hausaufgaben. Nico, ein französischer Volontär, erklärt mir, dass es die Kinder lieben, wenn sie einen Smily oder etwas Ähnliches unter ihren Hausaufgaben gemalt bekommen. „Miss, Miss,“ die Kinder strecken mir ihre Hefte vor die Nase und schauen die Korrektur sorgfältig an. Sobald die Lehrerin die Klasse verlassen hat, geht es hoch her. Ich bin froh, als sie wieder kommt und spitze für die restliche Stunde die Bleistifte der Kinder. Es gibt einen Spitzer vorne und auch der lässt zu wünschen übrig.
In der Pause machen viele Kinder Seilspringen und sind darin verdammt gut.
Schon alleine beim Anblick der Kleider und Schuhe sehe ich auf den ersten Blick, dass die Familien sich nicht viel leisten können. Ich habe vorher noch nie so viele kaputte Schuhe und zerrissene Kleidung gesehen. Doch kein Kind wird deswegen gemoppt – es ist einfach Alltag hier. Cayo nimmt mich zur Seite und sagt: „Ich wünsche mir, dass alle Kinder einen neuen, schönen Rucksack haben!“ In der Schle sind auch Kinder mit besonderen Anforderungen. Es gibt mehrere Kinder mit Down-Syndrom, die hier ganz normal in die Klassen integriert werden.
Als es Mittagspause ist, gehen wir Voluntäre nach Hause. Die Kinder haben eine Stunde Pause, dann geht die Schule bis 15.00 Uhr weiter. Einige Kinder haben ihr Mittagessen von zu Hause mitgebracht, draußen vor dem Tor sitzen einige Mütter und Großmütter und bringen das Essen den Kindern und einige Kinder haben kein Mittagessen, die müssen warten, bis es abends wieder etwas gibt, denn das Geld reicht nicht für ein Mittagessen.