Ein letzter Abschiedsbesuch im Dorf bei den Jungen

Nachdem die Volontäre die Socken von Besisahar mitgebracht hatten, zogen Silas, Cayo und ich los, um sie zu verteilen. Wir hatten auch noch ein paar Kekspackungen dabei. Zuerst gingen wir zu Karisma, die etwas abseits wohnt. Es war jedoch nur ihre Mutter da, die sich über die Socken freute. Da Shamser nicht da war, um zu übersetzen, War es nur ein kurzer Besuch. Dann zogen wir weiter. Es war schön, durchs Dorf zu spazieren und all die Kinder wiederzusehen. Von Weitem reifen sie: „Cayo, Silas!“ Es schien fast, als ob die beiden einen Fanclub hier hätten. Neugierig fragten sie uns, wo wir hinwollten. Immer mehr Jungs folgten uns in einen schnellen Tempo. Die Jungs nahmen nicht die engen steilen Wege wie sonst Shamser, sondern noch steilere und engere! Für mich eine echte Herausforderung, denn ich bin nicht so trittsicher wie die Jungs mit ihren Flipflops und hechelte hinterher. Zuerst waren wir bei Krishna und gaben ihn die wundervollen Socken, die Leila für uns ausgesucht und mitgebracht hatte. Sie waren bunt und so richtig cool! Als Krishna die Socken sah, war er hin und weck, zog sofort seine Schuhe aus und wollte die Socken gleich anziehen. Surat, sein Bruder war auch gleich zur Stelle und probierte das andere Paar an. Die Mutter der beiden eimpfing uns sehr herzlich, bot uns einen Platz auf der Strohmatte an und wollte Tee für uns machen. Wir hatten jedoch nicht so viel Zeit (es gab bald Abendessen und es dämmerte bald). Zum Glück waren die älteren Jungs dabei, die für uns übersetzten. Krishna hatte inzwischen seine Socken angezogen und stolzierte wie ein Hahn umher. Alle freuten sich darüber. Wir machten die Kekse auf und boten sie allen Jungs an. Die Älteren Jungs, d.h. 13 und 10 Jahre alt, lehnten ab und meinten, dass die Kekse die Kleineren besser gebrauchen könnten. Als sie das sagten und ich ihre Augen sah, brach es mir fast das Herz. Am liebsten hätte ich jedem Kind eine Packung Kekse in die Hand gedrückt und ihnen einen ihrer herzenswünsche erfüllt. Ich hatte das Gefühl, hier nur einen Tropfen auf dem heißen Stein zu geben, wo doch ein Wasserfall nötig gewesen wäre.

Es herrschte eine ausgelassene Stimmung, die Kinder spielten noch ein wenig, alberten herum bis wir aufbrechen mussten. Krishnas Mutter kam mit einem Handy und wollte unbedingt von uns allen ein Foto machen. Wie praktisch, dann konnten sie auch gleich ein Foto für uns machen! Sie freute sich wirklich, dass wir bei ihr vorbeigeschaut hatten und sie auch Silas und Cayo kennenlernen durfte. Alle schauten uns mit großen Augen an und fragten, wann genau wir wiederkommen werden. Nach vielen Umarmungen ziegten uns noch ein paar von ihnen den Weg zu Anamol, den wir auch noch besuchen wollten. Er wohnt auch ein gutes Stück weg von den anderen und irgendwie hatten wir uns im Labyrinth der Pfade und Terrassen verlaufen. Alle Leute, die wir im Dorf sahen, grüßten uns herzlich und versuchten uns zu helfen, als wir nach Anamols Haus fragten. Die wenigsten konnten Englisch, aber irgendwie zeigten sie uns mit den Händen, wohin es gehen sollte. Schließlich, als es bereits dämmerte, hatten wir das Haus gefunden. Der Großvater kam begeistert auf uns zugesprungen und Anamol war mittlerweile auch aufgetaut. Der Großvater zeigte auf Silas und Cayo und meinte, dass dies seinen neuen großen Brüder wären. Wir wurden wieder zum Tee eingeladen, lehnten jedoch auch hier ab, denn es wurde bereits dunkel. Völlig erfüllt und besselt kamen wir im Dunkeln wieder zu Hause an.

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