Zugfahrt Abenteur Teil 3: Mitten im indischen Leben

Am Abend kamen wir nach einer sehr kurvenreichen offroad Taxifahrt am Bahnhof in Katni an. Nun sollte uner eigentliches Abenteuer beginnen. Letztes Mal waren wir in der AC2 Klasse (der besten Klasse im Zug) gefahren und diesmal hatten wir nur eine Klasse darunter bekommen. Dies bedeutete statt 6 Betten im Abteil, 8 Betten. Ich hatte mich seelisch bereits auf eine sehr interessante 16 Stündige Fahrt eingestellt – immerhin hatte ich diesmal keine Kopfschmerzen. Wir standen also nun im Dunkeln am Bahnhof um 21.30 Uhr mit all unserem Gepäck und hatten das Gefühl, auf einem anderen Planten gelandet zu sein. Es war immer noch sehr heiß, laut und alle starrten uns wie die ersten Menschen an. Hier in Katni hatte sich wohl noch nie ein Europäer verirrt, geschweige denn gleich eine ganze Familie. Wir wurden sehr neugierig beäugt, als wir auf Flo und Silas warteten, die dabei waren, herauszufinden, auf welchem Gleis unser Zug abfahren würde. Von einem Bahnübergang, der durch eine Treppe zu uns führte, kam in aller Seelenruhe eine Kuh die Treppen hinuntergestiefelt. Das hatte ich auch noch nie gesehen: Kühe, die Treppen gehen konnten. Es mag wohl lila Kühe geben, aber Kühe, die Treppen steigen können, so etwas kann es nur in Indien geben. Die Kuh war gerade dabei, die restlichen Stufen hinunter zu gehen, als ein Mann an der Kuh vorbei, sein Fahrrad nach oben schob, von oben und unten kamen andere Leute zu der Treppe – ganz normaler Indien- Wahnsinn!

Nun kam ein kleines Kalb auf uns zu, um uns neugierig zu beschnüffeln. Es war vor allem an einer Tüte interessiert, in der wir unser Moskitospary verstaut hatten und wollte es anknabbern! Kühe fressen hier wohl auch alles: auf Moskitospray!

Immer wieder kamen Menschen auf uns zu, die uns freundlich auf Hindi grüßten. Wir falteten unsere Hände vor der Brust und grüßten lächelnd zurück. So konten wir nichts falsch machen. Dan kam ein alter Mann mit Turban auf uns lächelnd zu. „Mama, da kommt ein Faki,“ meinte Cayo aufgeregt. Der Mann redete ununterbrochen auf Hindi auf uns ein und wir lächelten ununterbrochen zurück. Dann holte er etwas in Tuch Eingewickeltes hervor; es schien irgendein Heiligenbild in einem Rahmen hinter Glas zu sein und redete weiter während er uns das Bild unter die Nase hielt. Wir nickten und überlegten uns, was wir wohl machen sollten. Es ist wohl einer der Heiligen Männer, die betteln, um sich zu ernähren. Ich gab ihm etwas Geld. Er schaute etwas erstaunt und kam einen Schritt näher, um sein Bild (das wohl seine einzige Habe war) uns zu geben. Nur, was sollte ich mit diesem Heiligenbild machen? Es war gar nicht so klein und gerahmt: wohl das Kostbarste, was der Mann bei sich hatte. Ich schüttelte den Kopf und lächelte. „Namaste“ mehr fiel mir nicht ein. Er hielt uns nochmals das Bild unter die Nase, drehte sich dann um, als wir es nicht annehmen wollten und ging ein paar Schritte. Dann drehte er sich nochmals um und wollte uns das Geld zurückgeben. Hatten wir uns doch danben benommen? Ich lächelte und verneigte mich, in der Hoffnung, dass ich nicht gegen alle Höflichkeiten verstoßen hatte. Er drehte sich dann um und verschwand in der Nacht: mit seinem Bild und dem Geld. Ich war dann auch froh, als wir endlich zum Gleis gehen konnten, bevor noch weitere Fettnäpfe auf uns warteten.

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