Der große Tag war gekommen. Wir konnten nun schauen, wie wir uns beim Schneider verständigt haten. Hatte er alles verstanden? Was würden wir letztendlich mit nach Hause nehmen? Die erste Herausforderung bestand darin, dass wir den richtigen Schneiderladen in der Straße finden mussten. Gar nicht so einfach, denn abends sehen die Geschäfte alle gleich aus. Zum Glück hatten wir den Abholzettel dabei. Dort stand zwar alles auf Hindi drauf, bis auf die Summe, die wir zu bezahlen hatten. Wir spazierten also in das Geschäft, bei dem wir dachten, dass es sein könnte hinein und legten lächelnd unseren Zettel vor. Der junge Mann las den Zettel, lächelte zurück und zeigte in die Richtung weiter hinten. Immerhin konnte er den Zettel lesen. Wir hatten dann auch den richtigen Laden gefunden und legten den Abholschein vor. Der Mann, mit dem wir vor ein paar Tagen alles besprochen hatten, war nicht im Laden. Dafür jedoch 2 junge Männer und ein Junge in Silas Alter. Sie beugten sich alle über den Zettel und berieten erst einmal. Wir bekamen zwei Hocker, auf denen wir uns hinsetzen sollten. „Wollen Sie Tee?“ wurden wir gefragt. Am Ende stellten sie uns jeweils einen Wasser becher hin. Wir sollten noch ein wenig warten. Es wurde fieberhaft herumtelefoniert, während wir unser Wasser tranken und mit den anderen Jungs Konversation betrieben. Wo wir herkamen, … Flo zeigte auf Google, wo Deutschland ist und wie es in Frankfurt aussieht.Auf diese Weise verging gut eine Dreiviertel Stunde. Ich muß sagen, dass wir alles sehr relaxt hinnahmen und einfach schauten, was als nächstes passieren würde. Dann endlich kam ein Junge mit einer Tüte und zeigte uns nsere Sachen. Der Stoff war der Richtige, die Sachen waren jedoch nocht nicht fertig. Bei mir fehlte noch seitlich eine Abnähung. Ich fragte, ob ich das Oberteil anprobieren könnte. „Natürlich! Dort hinten in der Ecke!“ Die Ecke war keine Kabine, sondern einfach eine kleine Nische, ohne Vorhang. Ich zog also das Oberteil an, in der Hoffnung, dass nun niemand um die Ecke kommen würde. Ich war zufrieden – ohne Abnäher war es sogar noch besser als mit Abnäher. Die beiden Oberteile würde ich so mitnehmen. Bei Flo war nur eine Hose zu dreiviertel fertig und die andere Hose noch gar nicht. Wir blieben sehr gelassen. Schließlich hatten wir ja noch etwas Pufferzeit! Wir fragten zur Sicherheit noch dreimal nach, wann wir Flos Sachen morgen abholen könnten und zogen von dannen.
Wir nahmen nicht den „normalen“ Weg an der Hauptstraße entlang, sondern nahmen eine Paralellstraße, die uns in ein buntes Viertel mit Stoffgeschäften und anderen Nähstuben führte. Die Menschen, die uns begegneten schauten uns sehr überrascht an. Wir waren mal wieder außerhalb der Touristenpfade unterwegs. Ein Stoff fiel mir sofort ins Auge. Ich schaute ihn mir genauer an und fragte nach dem Preis. Zum Glück war ein junger Inder dabei, der Englisch konnte, so dass wir erklären konnten, was wir wollten. Statt einer Halben-Meterlatte, die die Stoffgeschäfte normalerweise haben, war hier ganz einfach an der Wand ein hlaber Meter ausgezeichnet, an der der Stoff abgemsessen wurde. Stolz mit unserem indischen Einkauf in der Tasche kehrten wir durch ein Gewirr von kleinen Sträßchen wir wieder nach Hause zurück.