Katastrophen ?

Japan, das Land der Katastrophen: Erdbeben, Tsunamis, Vulkane, …. Jeder in Japan Lebende weiß, dass es hier viele unbeechenbare Naturgewalten gibt. Aus diesem Grunde gibt es in jeder Präfektur ein Katastrophenzentrum, in dem alle darüber unterrichtet werden, was für Gefahren es gibt und wie man sich dabei zu verhalten hat. Alle Schulklassen besuchen diese Zentren, jedoch auch Familien und andere. Wir waren mit Yukos Familie dort. In der hohen Eingangshalle sah man an einer Messlatte, wie hoch die Welle des Tsunamis war, der in Fukushima wütete. Über 9 m! Die Vorstellung, vor solch einer hohen Welle zu stehen, ließ mich mehr als klein fühlen!
Wir schlossen uns einer Gruppe an und wurden durch die verschiedenen Katastrophen geführt. Die Zuerst durften wir ein Erdbeben im Simulator miterleben. Die Dame erklärte uns, wie wir uns zu verhalten hatten. Beim ersten Beben auf den Boden gehen und sich unter einem Tisch verstecken. Der Simulator war wie folgt aufgebaut: es war eine Plattform mit Geländerteilen, an denen man sich festhalten konnte. Rundherum waren riesige Bildschirme, die die Außenwelt simulierten. Der Simulator kann nur ein seitliches Wackeln simulieren, nicht nach oben und unten, was normalerweise bei einem Erdbeben zusätzlich der Fall ist. Jeweils 8 Leute können in den Simulator zur gleichen Zeit. Wir waren im Wohnzimmer, als das Erdbeben war. Zuerst wackelte es ein klein wenig. Man sah, die das Bücherregel schwankte, die Hängelampe, der Fernseher. Dann wurden wir richtig heftig durchgerüttelt bis auf 8 der Richterskala. Da fiel dann das Bücherregal direkt auf uns, der Fernseher,…. kein gutes Gefühl. Und die Vorstellung, dass man nie weiß, ob es ein Nachbeben gibt, verunsicherte uns zutiefst. Eine echt bleibende Erfahrung war das für uns alle, selbst für mich, die ich ja in Japan mehrere leichte Erdbeben (im Büro, nachts zu Hause und in der Metro) erlebt hatte. Es ist eben etwas anderes, wenn es so ganz richtig wackelt. Die anderen Leute in unserer Gruppe erlebten das Erdbeben einmal im Büro, in der Schule und auf der Straße (das fand ich am heftigsten, als der Strommast direkt auf uns zustürzte. In Japan haben die Kinder einen besonderen Schulranzen, der einen sehr festen Rücken hat. Wenn sie auf der Straße sind, sollen sie den Ranzen als Schutz über ihren Kopf halten, um sich vor herabfallenden Teilen zu schützen.
Als nächstes durften wir ein Gefühl dafür bekommen, wie sich ein Tsunami anfühlt. Wir mussten unsere Mützen, Sonnenbrillen, Handy, Taschen ablegen und kamen dann in eine gläserne Kapsel. Jeder hatte ein Geländer, an dem er sich festhalten konnte. Und dann ging es los. Die Windmaschine machte einen riesigen Lärm. Ich konnte nicht verstehen, was Cayo mir zurief. Es war ganz schön anstrengend, sich festzuhalten und super unangenehm. Zum Glück gab es an diesem Tag nicht auch noch Regen als Simulation – mir hatte der Wind bereits völlig ausgereicht. Ich hatte mir nie vorstellen können, dass ein Wind so stark sein kann.
Ein Großbrand wurde simuliert auf einem Bildschirm und mit einem Feuerlöscher musste der Brand gelöscht werden. Wir durften dann in eine Wohnung gehen bzw. geduckt uns bewegen, die voller Rauch war und mussten den Ausgang finden. Es war völlig dunkel und rauchig, so dass wir uns ein Tuch vor den Mund halten mussten bzw. unser T-Shirt, um den Rauch nicht einzuatmen. Wichtig war, dass wir die Türen hinter un s schlossen, um keinen weiteren Sauerstoff ins Zimmer zu lassen. Es war gar nicht so leicht, da es verschiedene Türen gab und es wie ein Labyrinth war. Für mich war das schon beängstigend, ohne richtig zu atmen, gebückt im Dunkeln herumzuirren. Ein wirklich seltsames Gefühl.
Im oberen Stock gab es eine Puppe, an der man Sofothilfe leisten konnte mit Herzmassage und Mund-zu-Mund-Beatmung. Hisayoshi, der Rettungstaucher ist, erklärte uns alles nochmals ganz genau und auch Silas, der als Schülersanitäter in der Schule einen Kurs gemacht hatte, teilte mit uns sein Wissen. Es wurde gezeigt, wie im Katastrophenfall die Menschen unterkommen würden: Ein Modell von einem Zelt mit Solarzellen war zu sehen, Feldbetten aus Pappkarton, und Nottoiletten aus Pappe. In jeder Stadt gibt es Flächen, in denen Notunterkünfte errichtet werden können und jeder Japaner weiß, wohin er im Notfall gehen soll. Auch Yuko hat zu Hause immer für 3 volle Tage genug Essen und Wasser für den Notfall. Für uns hörte sich das eher so an wie in Kriegszeiten und ich weiß, dass bei uns zu Hause immer ein Notvorrat einige Zeit zu Hause war.
In jedem Haus in Japan gibt es auch immer im Schlafzimmer eine Taschenlampe, die griffbereit ist, für den Fall , dass der Strom bei einer Naturkatastrophe ausfällt. Für uns ist das irgendwie unvorstellbar.
Ein paar Telefonzellen standen herum, in denen man üben konnte, was man alles im Norfall der Feuerwehrt bzw. der Polizei zu berichten hat. Auf einem Bildschirm wurde ein Notfall simuliert und dann musste man entsprechend eine Nummer wählen und wurde mit einem Sprachcomputer verbunden. Cayo musste gleich mal ausprobieren, wie das geht. Da mein Japanisch fürs Lesen uns Sprechen dafür nicht ausreichte, half ihm Hisayoshi dabei, Es war sehr witzig zu sehen, wie Cayo nachplapperte, was Hisayoshi an vorgegebene Text ihm vorlas. Dabei war er gar nicht so schlecht, denn der Sprachcomputer schien sein Japanisch zu verstehen.
Als wir das Katastrophenzentrum verließen, fragte uns Yuko lachend, ob wir nun Japan nicht mehr mögen, weil es ein so gefährliches Land sei?
Im nahegelegenen Park, der als Evakuierungsort im Notfall dient, machten wir ein Picknick. Ich war etwas überrascht, so viele kleine Zelte zu sehen und fragte, ob die Menschen hier alle campen würden. Yuko lachte herzlich und meinte, dass sie nur für das Picknick aufgestellt waren. Das würde man in Japan so machen.
Mit langen Rutschen, einem kleinen Wasserspielteich und viel Grünfläche hatten die Kids genug Platz, um sich auszutoben. Und natürlich jede Menge Hunde, die sie streicheln konnten.