Tokio – erste Eindrücke

Damit wir nicht in der morgendlichen Rushhour 45 Minuten gequetzscht stehend in der Bahn verbringen mussten, hatte uns Hisayoshi freundlicherweise Tickets für das Romancecar reserviert. So machten wir heute unsere erste Tokio „light“ Erfahrung – zumindest auf der Hinfahrt.
Wir stiegen in Shinjuku, dem größten Umsteigebahnhof der Welt um, weil wir dann weiter nach Shibuya (einem Stadtteil von Tokio) wollten. Shibuya ist ein hippes Einkaufsviertel. Wir spazierten ein wenig durch die Straßen. Von überall prangten große Leinwände auf denen Werbefilme zu sehen waren, von überall wurden Waren per Lautsprecher angeboten. An den Verkehrsampeln bimmelte es in unterschiedlichen Tönen, wenn sie grünes Licht hatten.
Trotz des ganzen Lärms kam uns Tokio gar nicht ganz so groß vor. Das liegt wohl daran, dass wir aus Indien Menschenmassen und Chaos gewohnt sind und uns nichts so leicht aus dem Konzept mehr bringt.
Wir hatten zum Glück unsere Karte im Handy gespeichert und marschierten los. Beim Bummeln kamen wir an einem unserer Lieblingsgeschäfte vorbei: Loft, ein Geschäft für Papier und Schreibwaren und sonstigem Kram. Sprich ein Paradies für mich, Flo und die Kids. Wir hätten am liebsten Stunden dort zugebracht. Einfach unglaublich. Da gibt es eine ganze Wand nur mit verschiedenen Jahreskalendern, eine Wand mit unterschiedlichen Gelstiften, Bleistiften, eine Wand mit Washitapes. Ich war so erschlagen, dass ich gar nicht wusste, wo ich anfangen sollte. Ein Traum. Warum nur gibt es solche tollen, tollen Geschäfte nicht in Japan?
Nachdem ich gefühlte 1000 Jahreskalender in der Hand hatte, hatte ich sogar MEINEN Kalender für 2018/19 gefunden. War ich glücklich. Und dann die Stifte, die es hier gab: zum verrückt werden. Einfach genial!
Schließlich fanden wir auch den One Piece Shop und Silas war im Glück, was es hier alles so zu kaufen gab. Während die Kids dort herumstromerten, schauten Flo und ich und die anderen Geschäfte ein wenig an.
Aus Zufall kamen wir noch am Snoopy Museum vorbei, in das wir einen Abstecher machten.
Hier in Tokio gibt es eigentlich an jeder Ecke irgenetwas zu entdecken.
Auf der Heimfahrt konnten wir das „echte“ Japan erleben, denn wir fuhren dicht gequetscht, stehend mit der Bahn nach Hause. Am Bahngleis standen die Bahnüberwacher, mit Schildkappe, wießen Handschuhen und Fahne und achteten darauf, dass alle in der Reihe standen und niemand zu nahe am Bahngleis entlangging. Wie immer lief alles sehr geordnet ab.
Ich finde es einfach erstaunlich, wie sehr es die Japaner in der Öffentlichkeit schaffen, selbst dicht aneinander gedrängt, sich von der Außenwelt abzukapseln, sich in sich zurückzuziehen, die Augen zu zumachen und zu Schlafen. Da stört es auch niemanden, wenn jemand laut schnarchend auf dem Sitz ist. Irgendwie vergisst man die Welt um sich herum. Manchmal hatte ich das Gefühl, dass die Leute nur noch funktionieren und gar nicht mehr so viel Menschliches an sich haben.