Jetzt hat unsere „echte“ Auszeit begonnen, da die Schulferien nun vorbei sind und wir bereits am Mithelfen sind. Mit den Kindern haben wir bereits vorher schon ein wenig begonnen zu lernen, damit wir langsam in den „Schulalltag“ hineinwachsen. Feste Lernzeiten haben wir nicht, je nachdem, wie das Wetter ist und wann wir arbeiten. Cayo, unser Frühaufsteher nimmt meist schon um 7.00 seine erste Lerneinheit. Silas ist eher der Abendtyp.
Ich muss mich erst ein wenig daran gewöhnen, wie hier gearbeitet wird. Flo und ich sind ja sehr auf Ergebnisse bedacht. Die spielen hier nicht die Hauptrolle bei den Aufgaben. Was mich am meisten irritiert ist, dass ich nie genau weiß, welche konkreten Aufgaben heute anstehen. Morgens ist es recht strukturiert: Frühstück für die Gäste machen, Küche und Gastraum fegen und wischen. Und dann kommt das große Unbekannte – manchmal sitzen wir dann nur rum und warten, bis es etwas zu tun gibt, da wir Macho mit unserer Arbeitsbegeisterung anfangs etwas überfordert haben. Wenn ich Vorschläge mache, was ich tun könnte, bekomme ich oft große Augen zu sehen, als ob ich seine Autorität damit untergrabe. Seither frage ich einfach nur nach, was zu tun ist.
Da wir hier wirklich im Nirgendwo sitzen und nichts um uns ist, waren wir froh, als wir an unserem freien Tag einen Ausflug unternommen haben. Das tat einfach gut.
Wir genießen die Tierwelt hier und staunen immer wieder darüber, was hier alles herumfliegt, krabbelt und klettert oder springt. Am meisten fasziniert mich, wenn ich morgens über das Tal schaue, das von dicken Nebelwolken bedeckt ist und sich der Nebel dann recht schnell hebt und den Blick auf das ganze Tal freigibt. Und wenn dann zum Frühstück oder Mittagessen die Tukane in den Baumwipfel sitzen und ebenfalls speisen, ist das einfach nur genial. Interessant ist es auch, wenn morgens statt eines Hahnenschreis die Brüllaffen direkt neben uns auf den Bäumen brüllen. Da brauchen wir keinen Wecker mehr. Zum Glück wissen wir nun, dass es sich nur um die Affen handelt und sich kein verwundetes Tier da draußen vor unserem Fenster herumtreibt.
So langsam komme ich auch ins Spanisch rein, wobei ich einen Schwerpunkt auf das Küchenspanisch habe. Ist ja ganz praktisch.
Neulich war Macho, der hier den ganzen Laden schmeißt, krank und Flo und ich haben soviel wie möglich geschmissen. Da waren wir beide ganz in unserem Element und es hat richtig Spaß gemacht. Da kamen alte Café-Bistro-Erinnerungen hoch. Ich habe Macho noch mit Globuli versorgt, so dass er am nächsten Tag wieder auf den Beinen war.