Eine aufregende Nacht

Der letzte Abend war mehr als aufregend. Wir hatten einen schönen Tag hinter uns und wollten, nun, da es dunkel geworden war, noch etwas lesen oder den Tag sonst noch entspannt ausklingen lassen. Herso war unten, um sich zu duschen, als plötztlich ein heftiger Wortwechsel zwischen ihm und Kenneth erfolgte. Er war sehr aufgeregt und meint enur, „Schnell, eine Taschenlanpe“. Ich reichte ihm die starke Lampe, die immer auf die Nachttouren mitgenommen wird. Wir verstanden erst gar nicht worum es ging. Irgendein großes Tier musste sich da unten befinden. Direkt unter uns im Schuppen. Wir mussten uns ziemlich nach vorne beugen über die Plattform, um zu sehen, was für ein Tier es war. Und dann sah ich es. Am Eingang des Schuppens (in dem wir am Tag auch noch rumstiefelten) lag zusammengerollt eine riesige Schlange.

„Sie ist sehr gefährlich“ Aufgeregt erklärten sie uns, dass die Schlange sehr giftig ist und auch einen Menschen töten könnte.

Wenn ich mir überlege, dass der Schuppen gerade mal einen halben Meter von der Toilette entfernt ist und ich nachts einfach nur mit der Taschenlampe dort rein bin, ohne groß zu schauen. Ich denke, dass wir unsere Schutzengel während dieser Zeit im Dschungel ganz gut beschäftigt haben.

Wir fühlten uns alle mit einem Mal nicht mehr sehr wohl in unserer Haut. Die beiden Jungs wollten ursprünglich in der Hängematte übernachten wie am Vorabend. Und was machen wir jetzt? Die Schlange begann sich zu bewegen. Herso holte schnell einen langen Stock, um sie von oben zu töten. Ich wollte mir das ganze gar nicht ansehen. Mir reichten die Geräusche. Um ganz sicher zu sein, dass sie auch tot war, hielt Kenneth von oben die Schlange feste und Herso ging nach unten, um ihr mit der Machete den Kopf abzuschlagen. Dann konnte man den riesigen Giftzahn sehen. Das sah nicht wirklich appetitlich aus. Dann schaute Herso mit dem Scheinwerfer noch die Gegend etwas ab, da Schlangen oft zu zweit unterwegs sind. Sie fanden jedoch keine mehr.

Herso erklärte uns, dass die Tiere zwischen Halb- und Vollmond meist ihre Eier ablegen. Es handelte sich um ein Weibchen, dass im Schuppen ihre Eier ablegen wollte, da es dort geschützt und warm ist. Wenn die Tiere ihre Eier ablegen sind sie besonders aggressiv. Die Schlange heißt auf spanisch Terciopelo in Deutsch Lanzenotter. Sie ist die gefährlichste Schlange in Costa Rica. 90% der Todesfälle von Schlangenopfern stammen durch einen Biss dieser Schlangenart.

Als sie tot war, haben die beiden sie gemessen, 1,70m. Eine so große Schlange hatten sie bislang noch nie hier an der Plattform. Einmal hatten sie eine etwas über 1m lange ungiftige Schlange auf der Plattform. Die haben sie dann mit einem Stock wieder nach unten befördert.

Alle waren sehr aufgekratzt nach diesem Erlebnis. Jeder von uns verarbeitete es auf eine andere Weise. Alles in allem brauchten wir alle gegenseitig viel Nähe.

Mir wurde wieder bewusst, wie gefährlich das Leben hier war. Insgeheim war ich doch auch froh, dass wir nur noch 2 Nächte hier sein würden und es dann wieder weniger gefährlich sein würde.

So schön die Natur, die Pflanzen, die Tiere hier sind, es ist dennoch ein anstrengendes Leben. Immer achtsam, immer auf der Hut und nicht allzu viel Komfort. Dennoch war es wirklich ein echtes Erlebnis, hier einige Zeit zu verbringen. Wir alle werden diese 8 Tage unser ganzes Leben nicht mehr vergessen und für jeden von uns wird es in der einen oder anderen Art und Weise ein Highlight unserer Reise sein.

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